Arbeitszeitgesetz, Koalition

Arbeitszeitgesetz: Koalition vor der Zerreißprobe

16.01.2026 - 07:06:12

Die Bundesregierung prüft eine Flexibilisierung des Arbeitszeitgesetzes. Während Wirtschaftsverbände wöchentliche Obergrenzen fordern, warnen Gewerkschaften vor Gesundheitsrisiken und Überlastung der Beschäftigten.

Die Debatte um eine Flexibilisierung des Arbeitszeitgesetzes spaltet die Bundesregierung und die Gesellschaft. Während die Wirtschaft längere, aber flexiblere Wochenarbeitszeiten fordert, warnen Gewerkschaften vor Gesundheitsrisiken und Ausbeutung.

Berlin. Ein neuerlicher Vorstoß zum Bürokratieabbau hat eine alte Kontroverse wieder angefacht: die Reform des Arbeitszeitgesetzes. Die Bundesregierung stellte am Donnerstag ihren Bericht zum Bürokratierückbau vor. Schnell rückte dabei die Frage in den Mittelpunkt, ob die starre tägliche Höchstarbeitszeit zugunsten einer wöchentlichen Regelung aufgeweicht werden soll. Diese Diskussion legt die tiefen Gräben innerhalb der Koalition und der deutschen Gesellschaft offen.

Wirtschaft drängt auf Modernisierung

Wirtschaftsverbände und liberale Politiker fordern eine Anpassung des Gesetzes an die moderne Arbeitswelt. Ihr Kernvorschlag: Weg von der täglichen Obergrenze von acht Stunden, hin zu einer wöchentlichen Höchstarbeitszeit von 48 Stunden. Sie argumentieren, die aktuellen Regeln stammten aus einer Zeit vor Digitalisierung und mobilem Arbeiten und würden weder Unternehmen noch vielen Beschäftigten gerecht.

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Bundeswirtschaftsministerin Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut (CDU) hatte bereits 2025 darauf hingewiesen, dass deutsche Vorgaben strenger seien als die europäische Arbeitszeitrichtlinie es erlaube. Aus Sicht der Befürworter wäre eine flexiblere Verteilung der Arbeitszeit ein Wettbewerbsvorteil für den Standort Deutschland. Die FDP betont zudem, dass mehr Selbstbestimmung über die Arbeitszeit auch den Wünschen vieler Arbeitnehmer entspreche.

Gewerkschaften sehen Schutzgesetz in Gefahr

Auf der anderen Seite des Spektrums formiert sich entschiedener Widerstand. Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) und seine Mitgliedsgewerkschaften lehnen eine Aufweichung kategorisch ab. DGB-Chefin Yasmin Fahimi bezeichnet das Gesetz als unverhandelbares Schutzgesetz, das auf arbeitsmedizinischen Erkenntnissen basiere.

Die zentrale Sorge: Eine wöchentliche Regelung könnte in der Praxis zu regelmäßigen Zwölf-Stunden-Tagen führen. Fahimi warnt, dass bereits heute Millionen unbezahlte Überstunden geleistet würden. Eine Lockerung der Regeln könnte diesen Trend verschärfen und die Gesundheit der Beschäftigten gefährden. Statt Deregulierung fordern die Gewerkschaften eine lückenlose Erfassung aller Arbeitsstunden.

Koalitionsfrieden auf dem Prüfstand

Die Debatte stellt die Ampelkoalition vor eine schwierige Bewährungsprobe. Zwar ist die Prüfung einer Flexibilisierung im Koalitionsvertrag festgeschrieben. Die Umsetzung stockt jedoch am inneren Widerstand. Während wirtschaftsliberale Kräfte auf das eingegangene Versprechen pochen, bremst der Arbeitnehmerflügel, der die Argumente der Gewerkschaften teilt.

Bei der Bundestagsdebatte am Donnerstag traten diese Differenzen erneut deutlich zutage. SPD-Abgeordnete betonten den Schutz der Arbeitnehmer, während andere auf mutigere Reformen zur Entlastung der Wirtschaft drängten. Kommentatoren merken an, dass die Regierung bei strittigen Punkten wie diesem kaum vorankomme.

Ein Streit über die Zukunft der Arbeit

Hinter dem konkreten Gesetz steht eine grundsätzliche Frage: Wie viel Flexibilität ist möglich, ohne soziale Errungenschaften zu opfern? Die Reform ist Teil der umfassenden Modernisierungsagenda der Bundesregierung, die Bürokratie abbauen und die Verwaltung digitalisieren will.

Der Bericht der Regierung wurde nach der Debatte zur weiteren Beratung an die Fachausschüsse überwiesen. Ein schneller Kompromiss ist nicht in Sicht. Die Wirtschaft hält an ihren Forderungen fest, die Gewerkschaften kündigen vehementen Widerstand an. Damit bleibt die Neuregelung des Arbeitszeitgesetzes eines der umstrittensten Projekte dieser Legislaturperiode – und ein echter Stresstest für den Zusammenhalt der Koalition.

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