Arbeitszeitgesetz, Koalition

Arbeitszeitgesetz: Koalition streitet über Acht-Stunden-Tag

17.01.2026 - 18:55:12

Die Bundesregierung plant eine Reform des Arbeitszeitgesetzes. Während Arbeitgeber mehr Flexibilität fordern, warnen Gewerkschaften vor Gesundheitsrisiken durch längere Arbeitstage.

Die Bundesregierung ringt um eine Reform des Arbeitszeitgesetzes – und die Fronten sind verhärtet. Während Wirtschaftsverbände mehr Flexibilität fordern, warnen Gewerkschaften vor Gesundheitsrisiken. Der Streit entzündet sich an einem zentralen Punkt: Soll der starre Acht‑Stunden‑Tag fallen?

Hintergrund sind Urteile des Europäischen Gerichtshofs und des Bundesarbeitsgerichts. Sie verpflichten Arbeitgeber zur lückenlosen Erfassung der Arbeitszeit. Ein neuer Referentenentwurf des Arbeitsministeriums will diese Vorgaben nun gesetzlich festschreiben. Die Zeiterfassung soll dabei elektronisch erfolgen. Für kleinere Betriebe sind Übergangsfristen geplant.

Wirtschaft will starre Tagesgrenze kippen

Die eigentliche Kontroverse dreht sich jedoch um die Frage, welche Regeln überwacht werden sollen. Arbeitgeberverbände und Teile der Koalition fordern eine grundlegende Lockerung. Sie wollen weg von der täglichen Höchstarbeitszeit von acht Stunden. Stattdessen soll eine reine Wochenhöchstarbeitszeit von 48 Stunden gelten.

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Das würde Unternehmen mehr Spielraum geben. An einem Tag könnten dann auch zwölf Stunden gearbeitet werden, wenn es an anderen Tagen ausgeglichen wird. Befürworter argumentieren, dies stärke den Wirtschaftsstandort und ermögliche mehr Selbstbestimmung für Beschäftigte. Modelle wie die Vertrauensarbeitszeit blieben so erhalten.

Gewerkschaften sehen Gesundheitsschutz in Gefahr

Gewerkschaften wie der DGB, die IG Metall und ver.di laufen dagegen Sturm. Für sie ist der Acht‑Stunden‑Tag eine historische Errungenschaft zum Schutz der Arbeitnehmer. Sie befürchten, dass lange Arbeitstage Tür und Tor geöffnet werden.

Die Folge wären mehr Stress, Burnout und unbezahlte Überstunden. Schon jetzt leisten Beschäftigte in Deutschland jährlich hunderte Millionen unbezahlter Überstunden. Aus Sicht der Gewerkschaften ist die geplante Zeiterfassung ein Werkzeug, um bestehende Rechte durchzusetzen – nicht, um sie aufzuweichen.

Ein Balanceakt für die Merz‑Regierung

Die Regierung unter Friedrich Merz (CDU) steht vor einem schwierigen Spagat. Sie muss die Gerichtsurteile umsetzen und gleichzeitig einen Kompromiss zwischen den Lagern finden. Die Debatte berührt Grundfragen: Wie viel Flexibilität braucht die Wirtschaft im globalen Wettbewerb? Und wo beginnt die Gefahr für die Gesundheit der Beschäftigten?

Arbeitsmediziner warnen vor den Risiken langer Arbeitstage für Herz, Kreislauf und Psyche. Die Reform ist daher mehr als eine technische Anpassung. Sie wird die Arbeitskultur in Deutschland nachhaltig prägen.

Langer Weg bis zum neuen Gesetz

Der Referentenentwurf wird aktuell innerhalb der Bundesregierung abgestimmt. Ein finaler Gesetzentwurf soll dem Bundestag im Frühjahr 2026 vorgelegt werden. Angesichts der tiefen Gräben sind intensive Beratungen im Parlament zu erwarten.

Bis zur Verabschiedung bleibt die aktuelle Rechtslage bestehen. Offen ist, wie eine Neuregelung verschiedene Arbeitsmodelle – von der Schichtarbeit bis zur Vertrauensarbeitszeit – abbilden wird. Die konkreten Auswirkungen auf Millionen Beschäftigte und ihre Betriebe sind noch unklar. Mit einer Verabschiedung wird frühestens im Laufe des Jahres 2026 gerechnet.

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