Arbeitszeitgesetz: Bundesregierung plant Abschaffung des Acht-Stunden-Tags
22.02.2026 - 04:00:13 | boerse-global.deDie Bundesregierung will das Arbeitszeitrecht grundlegend modernisieren und den starren Acht-Stunden-Tag abschaffen. Ein neuer Gesetzentwurf sieht stattdessen eine flexible Wochenhöchstarbeitszeit vor – und entfacht damit eine heftige Kontroverse zwischen Arbeitgebern und Gewerkschaften.
Der Kern des Plans ist ein Paradigmenwechsel: Die tägliche Höchstarbeitszeit von acht Stunden soll durch eine wöchentliche Obergrenze von durchschnittlich 48 Stunden ersetzt werden. Damit könnte ein Arbeitnehmer an einem Tag mehr als zehn Stunden arbeiten, müsste dies aber an anderen Tagen der Woche ausgleichen. Die Regierung argumentiert, das geltende Recht von 1994 sei nicht mehr zeitgemäß und behindere flexible Arbeitsmodelle wie Homeoffice.
Besonders Branchen mit schwankender Auslastung, etwa das Gastgewerbe oder das Handwerk, erhoffen sich von der Flexibilisierung mehr Spielraum. Die Bundesregierung betont, dass der Gesundheitsschutz der Beschäftigten, auch vor psychischen Belastungen, dabei vollständig erhalten bleiben soll.
Elektronische Zeiterfassung wird zur Pflicht
Die zweite Säule der Reform ist die gesetzliche Festschreibung der elektronischen Arbeitszeiterfassung. Nach EuGH- und Bundesarbeitsgerichtsurteilen arbeitet das Arbeitsministerium an einer konkreten Umsetzung. Ein Referentenentwurf sieht vor, dass Beginn, Ende und Dauer der Arbeit tagesaktuell digital erfasst werden müssen.
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Die große Herausforderung: Die Pflicht zur Aufzeichnung soll moderne Modelle wie die Vertrauensarbeitszeit nicht ersticken. Die Aufzeichnung ist daher nicht zwangsläufig als Kontrollinstrument durch den Vorgesetzten gedacht. Für kleine und mittlere Unternehmen sind Übergangsfristen geplant, um den Verwaltungsaufwand abzufedern.
Gewerkschaften schlagen Alarm – Arbeitgeber begrüßen Flexibilität
Die Pläne spalten die Sozialpartner. Während Arbeitgeberverbände die längst überfällige Modernisierung begrüßen, reagieren Gewerkschaften mit scharfer Kritik.
Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) warnt vor einer Aushöhlung des Arbeitsschutzes. Die feste Tagesgrenze sei ein essenzieller Schutz gegen Überlastung. Ihr Wegfall könne den Druck erhöhen, unbezahlte Überstunden zu leisten. „Die hohe Zahl der geleisteten Überstunden zeigt: Es wird nicht zu wenig, sondern zu viel gearbeitet“, so ein DGB-Sprecher. Die Gesundheit der Beschäftigte müsse oberste Priorität haben.
Arbeitgeber halten dagegen, dass das veraltete Gesetz die dringend benötigte Flexibilität in der digitalen Welt behindere. Ein Fokus auf die Wochenarbeitszeit sei nötig, um wettbewerbsfähig zu bleiben und auf moderne Arbeitsformen reagieren zu können.
Balanceakt zwischen Flexibilität und Schutz
Die Debatte ist mehr als eine technische Gesetzesänderung. Sie entscheidet darüber, wie Millionen Menschen in Zukunft arbeiten werden. Die Bundesregierung plant, die Reform noch 2026 umzusetzen.
Der Gesetzgeber steht vor einem Balanceakt: Wie schafft man Regeln, die der flexiblen, digitalen Arbeitswelt gerecht werden, ohne die fundamentalen Schutzrechte der Beschäftigten preiszugeben? Die Verhandlungen über die konkrete Ausgestaltung der wöchentlichen Obergrenze und möglicher Branchenausnahmen laufen auf Hochtouren. Die Entscheidung wird die deutsche Arbeitskultur und die Work-Life-Balance nachhaltig prägen.
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