Apple, Datenschutz-Fassade

Apple: Datenschutz-Fassade bröckelt bei 96 Prozent der Apps

21.02.2026 - 08:01:12 | boerse-global.de

Eine Analyse zeigt, dass trotz App Tracking Transparency 96 Prozent der iOS-Apps Nutzerdaten sammeln, indem sie auf alternative Methoden wie Fingerprinting ausweichen.

Apples Vorzeige-Funktion App Tracking Transparency (ATT) schützt Nutzer offenbar weit weniger effektiv als gedacht. Eine neue Analyse zeigt, dass trotz der viel gepriesenen Schutzmauer 96 Prozent der iOS-Apps weiterhin Nutzerdaten sammeln. Sie umgehen die Hürden einfach.

Seit 2021 zwingt ATT Entwickler, eine explizite Erlaubnis für die Verfolgung einzuholen. Die Zustimmungsraten für den Zugriff auf die Werbe-ID (IDFA) brachen daraufhin ein. Doch die Industrie weicht einfach aus. Statt auf die blockierte IDFA setzen sie nun auf undurchsichtigere Methoden wie Server-seitiges Tracking und Device Fingerprinting. Diese Techniken fallen nicht unter die ATT-Regeln.

Die große Überwachungslücke

Das Kernproblem: ATT kontrolliert nur den Zugriff auf einen spezifischen Identifikator, die IDFA. Alle anderen Wege der Datensammlung blieben weitgehend unreguliert. Die Folge ist ein massiver Anstieg alternativer Tracking-Methoden, die keine Nutzererlaubnis via ATT-Abfrage benötigen.

Experten sprechen von „Sicherheitstheater“. Während die Zustimmungsrate für IDFA-Tracking stabil niedrig bei 25-30 Prozent liegt, sammeln laut Bericht 96 Prozent der Apps weiter Daten. Die Abfrage scheint für viele Datensammler zur Formalität verkommen zu sein, kein echtes Hindernis.

So tricksen die Tracker Apple aus

Die neuen Methoden sind vielfältiger und für Nutzer schwerer zu erkennen. Zwei Techniken dominieren:

Bei der Server-seitigen Verfolgung landen die Daten nicht auf dem Gerät, sondern auf den Servern des Anbieters. Loggt sich ein Nutzer mit E-Mail oder Telefonnummer ein, baut das Unternehmen daraus ein dauerhaftes Profil – ganz ohne ATT-Abfrage.

Device Fingerprinting ist ein weiterer, weit verbreiteter Workaround. Hier wird ein einzigartiger „Fingerabdruck“ des Geräts erstellt, basierend auf Daten wie Betriebssystemversion, Bildschirmgröße, Zeitzone und IP-Adresse. Diese Kombination erlaubt die Wiedererkennung über Apps und Websites hinweg. Apple hat zwar Schutzmaßnahmen dagegen ergriffen, die Praxis bleibt aber eine gangbare, wenn auch unpräzisere Alternative für die Werbebranche.

Regulatorischer Druck und neue Features

Während die Wirksamkeit von ATT in Frage steht, treibt Apple neue Datenschutz-Features voran. Das aktuelle iOS 26.3 brachte die Einstellung „Präziser Standort beschränken“. Sie verhindert, dass Mobilfunkanbieter den exakten Standort auslesen, und liefert stattdessen nur eine grobe, auf Stadtteilebene angesiedelte Annäherung. Damit geht Apple eine weitere potenzielle Datenquelle an: die Netzinfrastruktur selbst.

Anzeige

Begriffe wie ATT, IDFA oder SKAdNetwork sind inzwischen überall – aber was bedeuten sie konkret für Ihr iPhone und Ihre Privatsphäre? Das kostenlose iPhone‑Lexikon erklärt die 53 wichtigsten Apple‑Begriffe leicht verständlich, von Apple‑ID über AirDrop bis hin zu iOS‑Datenschutzfunktionen. Ideal für alle iPhone‑Nutzer, die Apples Fachchinesisch endlich verstehen wollen. Jetzt kostenloses iPhone‑Lexikon sichern

Gleichzeitig steht das Unternehmen unter massivem regulatorischem Druck, besonders in Europa. In Ländern wie Deutschland und Frankreich laufen Kartellverfahren. Kritiker werfen Apple vor, ATT komme vor allem dem eigenen Werbegeschäft zugute. Ein französisches Gericht gab Apple kürzlich recht und erlaubte die weitere Nutzung der ATT-Abfrage. Der globale Kampf um die Deutungshoheit im Datenschutz ist jedoch in vollem Gange.

Ein endloses Katz-und-Maus-Spiel

Der Bericht ist eine ernüchternde Erinnerung: Digitaler Datenschutz ist kein einmaliger Akt, sondern ein permanentes Wettrennen. ATT hat das Mobile-Advertising-Ökosystem zwar erfolgreich erschüttert und Konzerne wie Meta zu spürbaren Umsatzeinbußen gezwungen. Die Branche ist aber anpassungsfähig.

Die flächendeckende Nutzung von Ausweichmethoden zeigt: Das Geschäftsmodell wurde nicht aufgegeben, nur die Werkzeuge wurden den neuen Regeln angepasst. Diese Entwicklung hin zu versteckteren Tracking-Methoden könnte für Datenschützer sogar besorgniserregender sein. Sie sind weniger transparent und bieten Nutzern weniger direkte Kontrolle als die einfache „Nicht verfolgen“-Option für die IDFA.

Was kommt auf Apple zu?

Die Enthüllungen werden Apple wahrscheinlich zum Handeln zwingen. Das Unternehmen könnte strengere App-Store-Richtlinien einführen, die Fingerprinting explizit verbieten, oder neue technische Schutzvorkehrungen entwickeln. Versäumt es das, schwindet das Nutzervertrauen. Regulierungsbehörden, die ATT als wettbewerbsfeindlich kritisieren, bekämen weiteren Zündstoff.

Für die Werbebranche ist die Botschaft klar: Der Boden wird weiter beben. Jede Tracking-Methode, die die Privatsphäre-Einstellungen der Nutzer unterläuft, wird Apples nächster Angriffspunkt. Das beschleunigt den Trend zu datenschutzfreundlicheren Technologien wie Apples eigenem SKAdNetwork. Für iOS-Nutzer bleibt die Erkenntnis: Apple bietet mächtige Werkzeuge, aber wahre digitale Anonymität ist ein fernes Ziel.

Anzeige

Die Kurse spielen verrückt – oder folgen sie nur Mustern, die du noch nicht kennst?

Emotionale Kurzschlussreaktionen auf unruhige Märkte kosten dich bares Geld. Vertraue bei deiner Geldanlage stattdessen auf kühle Analysen und harte Fakten. Seit 2005 navigiert 'trading-notes' Anleger mit präzisen Handlungsempfehlungen sicher durch jede Marktphase. Hol dir dreimal pro Woche unaufgeregte Experten-Strategien in dein Postfach.
100% kostenlos. 100% Expertenwissen. Jetzt abonnieren.