Achtsamkeitstraining: Nicht gegen jede Angst wirksam
15.02.2026 - 09:30:12 | boerse-global.deEin neuer Bericht sorgt in der Fachwelt für Diskussionen: Spezialisiertes Achtsamkeitstraining verbessert das Arbeitsgedächtnis – bei fast allen Emotionen. Fast allen. Ausgerechnet bei der Verarbeitung von Furcht zeigt sich eine überraschende Ausnahme, die Konsequenzen für die therapeutische Praxis hat.
Die überraschende Grenze der Achtsamkeit
Der Bericht des Portals PsyPost basiert auf einer Studie im Fachjournal npj Science of Learning. Sein Fokus: das sogenannte Emotion-Targeted Mindfulness Training (ETMT), ein fünfwöchiges Programm mit spezifischem emotionalen Schwerpunkt.
Das Ergebnis fällt teilweise überzeugend aus: Teilnehmer verbesserten ihre Fähigkeit, emotionale Gesichtsausdrücke im Gedächtnis zu behalten – deutlich sogar. Das galt für freudige, traurige und neutrale Mimiken. Nur bei Furcht passierte nichts. Die Fähigkeit, angstvolle Gesichter zu speichern, stieg nicht messbar an.
Diese Beobachtung ist keine akademische Nebensache. Sie deutet darauf hin, dass die kognitive Verarbeitung von Furcht – einem evolutionär tief verankerten Überlebensmechanismus – resistenter gegen mentale Trainingsmethoden ist als andere emotionale Zustände.
Warum ausgerechnet Angst?
Forscher haben eine Erklärung parat: Die Verarbeitung von Bedrohungen läuft über schnellere, subkortikale Pfade in der Amygdala ab. Diese sind weniger zugänglich für kognitive Kontrolle durch das Arbeitsgedächtnis als komplexere soziale Emotionen wie Trauer oder Freude.
Mit anderen Worten: Unser Gehirn hat Angst zu schnell, um Achtsamkeit noch eingreifen zu lassen.
Das hat direkte Konsequenzen für Patienten mit Angststörungen. Wer davon ausgeht, dass Achtsamkeitskurse pauschal gegen Furcht helfen, könnte enttäuscht werden – auch wenn das allgemeine Stresslevel sinkt.
Spezialisierung statt Universallösung
Die Erkenntnis passt zu einem größeren Trend in der Psychiatrie und Psychotherapie: weg von One-Size-Fits-All-Ansätzen hin zu präzisen, neurobiologisch fundierten Interventionen. Die Branche spricht von „Präzisionspsychiatrie“.
Das ETMT selbst unterscheidet sich von klassischen Methoden wie der Mindfulness-Based Stress Reduction (MBSR) durch seinen gezielten emotionalen Fokus. Es integriert Elemente der kognitiven Therapie und trainiert die Wahrnehmung emotionaler Zustände.
Die gute Nachricht: Die gemessenen Verbesserungen waren nicht vorübergehend. Sie hielten auch einen Monat nach dem Training an – ein Hinweis auf neuroplastische Veränderungen, die tiefer gehen als bloße Entspannung.
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Konsequenzen für die Praxis
Die neuen Daten werfen unbequeme Fragen bei Anbietern von Gesundheits-Apps und betrieblichen Wellness-Programmen auf. Wer bisher pauschale Versprechen zur „Angstfreiheit“ machte, muss jetzt differenzieren.
Spezialisierte Anbieter könnten davon profitieren – Programme, die klar zwischen allgemeinem Stressmanagement und spezifischer Furchtverarbeitung unterscheiden. Gleichzeitig bestätigt sich: Achtsamkeit funktioniert als Ergänzung, nicht als Ersatz für andere therapeutische Verfahren, besonders bei klinischen Angststörungen.
Was kommt als Nächstes?
Die Fachwelt blickt Mitte der Woche nach London. Dort beginnt am 23. Februar die „12th International Conference on Depression, Anxiety and Stress Management“ – die „Stress 2026“. Branchenbeobachter erwarten, dass Personalisierung und die Grenzen von Standardtherapien dort zentrale Themen sein werden.
Offen bleibt: Können modifizierte Varianten des ETMT auch die Furchtverarbeitung erreichen? Und wie lassen sich solche spezialisierten Trainings in digitale Gesundheitsanwendungen integrieren?
Für Betroffene und Therapeuten bedeutet die aktuelle Nachrichtenlage vor allem eines: Mehr Klarheit. Achtsamkeit bleibt ein wirksames Werkzeug zur kognitiven Resilienz. Aber bei spezifischer Angstbewältigung braucht es ein differenziertes Verständnis – und möglicherweise zusätzliche Methoden.
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