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UBS Aktie: Ständerat verwirft Kompromissvorschlag

Veröffentlicht am: 24.09.2026 um 20:05 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Der Ständerat beschloss eine höhere Kapitalunterlegung; der Nationalrat berät als Nächstes über mögliche Änderungen.

Moderner Bankschalter mit Glaspartitionen und Stahltresor im Hintergrund
UBS Group AG CH0244767585 zeigt einen modernen Bankschalterbereich mit eleganten Glaspartitionen und massiver Stahl-Tresortür Illustration mit AI erstellt.

Bern verschärft die Gangart nach dem Schweizer Parlamentsvotum

Für die Aktionäre der Schweizer Großbank spitzt sich die politische Debatte um die Eigenkapitalanforderungen drastisch zu. Der Schweizer Ständerat stimmte am Mittwoch mit 29 zu 16 Stimmen für einen Minderheitsantrag, nach dem Auslandstöchter künftig zu 90 Prozent mit hartem Kernkapital (CET1) unterlegt werden müssen. Damit verwarf die kleine Kammer den von der Bank favorisierten Kompromissvorschlag, der eine Aufteilung von 50 Prozent CET1 und 50 Prozent AT1-Anleihen vorsah. Die Schweizer Regierung unter Finanzministerin Karin Keller-Sutter hatte ursprünglich eine vollständige Unterlegung von 100 Prozent gefordert.

Die Konsequenzen für das Institut sind unmittelbar spürbar. Nach eigenen Berechnungen der Großbank würde die 90-Prozent-Vorgabe einen Mehrbedarf von rund 16 Milliarden US-Dollar an zusätzlichem CET1-Kapital auslösen.

Das Institut kritisierte den Beschluss am Mittwochnachmittag scharf und stufte das Votum als übermäßige Verschärfung ein, die an den tatsächlichen Ursachen des Zusammenbruchs der Credit Suisse im Jahr 2023 vorbeigehe. Rückendeckung erhielt die parlamentarische Entscheidung hingegen von der Schweizerischen Nationalbank.

SNB-Vizepräsident Antoine Martin bezeichnete den Plan am Donnerstag als eine gute Menge, wenngleich eine Quote von 100 Prozent aus Sicht der Finanzstabilität noch besser gewesen wäre.

Für Anleger zählt diese Entwicklung genau jetzt, weil der politische Widerstand gegen regulatorische Erleichterungen breiter ausfällt als an den Märkten zuvor erwartet. Die UBS-Aktie notiert aktuell bei 41,86 Euro und weist auf Sicht der vergangenen 30 Tage ein Minus von 9,8 Prozent auf. Der Markt preist damit zunehmend ein, dass die Zeiten großzügiger Kapitalrückflüsse durch strengere gesetzliche Zügel begrenzt werden könnten.

Die Kernkapitalquote entscheidet über den finanziellen Spielraum

Die zentrale Frage für die fundamentale Bewertung lautet: Wie stark engt der zusätzliche Kapitalbedarf von rund 16 Milliarden US-Dollar die Rentabilität und die Ausschüttungskraft des Konzerns ein? Vor der Notübernahme der Credit Suisse betrug die CET1-Leverage-Ratio der Bank 4,4 Prozent.

Die nun geforderte Unterlegung der Auslandseinheiten soll die Widerstandskraft des Schweizer Stammhauses stärken, bindet jedoch erhebliche Mittel, die ansonsten für Aktienrückkäufe, Dividendenanhebungen oder Wachstumsinitiativen zur Verfügung stünden.

Zusammen mit den rund 15 Milliarden US-Dollar zusätzlichem CET1-Bedarf, die sich bereits aus geltendem Recht infolge der Übernahme ergeben, sowie weiteren Verordnungsanpassungen summiert sich der gesamte Mehrbedarf auf Konzernebene auf rund 33 Milliarden US-Dollar.

Zwar könnten parallele Verordnungsänderungen diesen Gesamtbedarf um etwa 4 Milliarden US-Dollar verringern, dennoch bliebe die Belastung beträchtlich. Hinzu kommen die jährlichen Kosten für die Integration der Credit Suisse, die das Institut auf rund 2,5 Milliarden US-Dollar beziffert.

Kann die Großbank diese Eigenmittelanforderungen aus dem laufenden operativen Gewinn stemmen, ohne das Renditeprofil nachhaltig zu beschädigen, bliebe das Kerngeschäft intakt. Gelingt dies nicht, drohen dauerhaft gedämpfte Eigenkapitalrenditen.

Hoffnung auf Milderung im Nationalrat und globale Ertragsstärke

Im optimistischen Szenario gelingt es dem Geldhaus, im weiteren Gesetzgebungsverfahren Erleichterungen durchzusetzen. Die Vorlage wandert nun in den Nationalrat, die große Kammer des Schweizer Parlaments.

Befürworter eines moderateren Kurses setzen darauf, dass dort die Bedenken hinsichtlich der internationalen Wettbewerbsfähigkeit stärkeres Gehör finden. Sollte der Nationalrat den Beschluss des Ständerats aufweichen und den Anteil anrechenbarer AT1-Kapitalinstrumente erhöhen, würde sich der Zwang zur Einbehaltung harter Eigenmittel spürbar reduzieren.

Gleichzeitig verfügt das Institut über eine globale Marktstellung in der Vermögensverwaltung, die auch bei strengeren Kapitalquoten substanzielle Erträge generieren kann.

Sollte die Integration der übernommenen Einheiten zügiger verlaufen und die veranschlagten Synergien die Integrationskosten von jährlich 2,5 Milliarden US-Dollar rasch überkompensieren, könnte der Konzern den Kapitalaufbau weitgehend aus eigener Kraft bewältigen.

In diesem Fall bliebe die Substanz der Ausschüttungspläne erhalten, was die Bewertung der Aktie stabilisieren und die jüngste Konsolidierung beenden dürfte.

Das Risiko einer jahrelangen Wachstumsbremse durch Kapitalbindung

Im pessimistischen Szenario hingegen bestätigt der Nationalrat die harte Linie des Ständerats oder nähert sich sogar wieder der ursprünglichen 100-Prozent-Forderung des Bundesrats an.

Ein solcher Beschluss würde die Bank zwingen, über Jahre hinweg Gewinne massiv zu thesaurieren. Das Management hat wiederholt davor gewarnt, dass derart hohe nationale Sonderregeln die Wettbewerbsfähigkeit gegenüber globalen Konkurrenten empfindlich schwächen würden.

Zusätzliche Brisanz erhält die Lage durch die politische Stimmung in der Schweiz. Da maßgebliche Parteien wenig Neigung zeigen, der Großbank entgegenzukommen, und auch die SNB eine strenge Haltung einnimmt, erscheint ein regulatorisches Einlenken keineswegs garantiert.

Sollte das Gesetz in der vorliegenden Form verabschiedet werden, droht eine jahrelange Drosselung von Aktienrückkaufprogrammen. Ein Absinken der Profitabilität bei gleichzeitig hoher Bilanzbindung könnte internationale Großinvestoren dazu veranlassen, ihre Engagements in Schweizer Banktiteln dauerhaft zu reduzieren.

Weichenstellungen zwischen politischem Prozess und technischen Marken

Die mittelfristige Richtung der Aktie hängt nun maßgeblich vom weiteren parlamentarischen Verlauf ab. Solange der Kurs über dem 200-Tage-Durchschnitt von 40,40 Euro behauptet werden kann, bleibt das übergeordnete Chartbild trotz des jüngsten Rücksetzers vor gravierenden Folgeschäden geschützt.

Kippt die Notierung jedoch nachhaltig unter diese Unterstützung ab, droht eine Ausweitung der Korrekturbewegung, da der Markt dann ein vollumfängliches Inkrafttreten der strengen CET1-Vorgaben einpreisen dürfte.

Der nächste konkrete politische Katalysator für die Anteilseigner ist die Beratung im Schweizer Nationalrat, die für die Wintersession terminiert ist.

Erst mit den dortigen Debatten und Beschlüssen wird sich zeigen, ob die 90-Prozent-Hürde endgültig Gesetz wird oder ob der Gesetzgeber der Großbank doch noch Spielraum bei alternativen Kapitalinstrumenten gewährt. Bis zu diesem Signal müssen sich Anleger auf eine Phase anhaltend hoher politischer Volatilität einstellen.

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