UBS Aktie: Ermotti zieht Kapitalbilanz
Veröffentlicht am: 22.09.2026 um 16:15 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Sergio Ermotti hat selten so offen über die Kosten der Credit-Suisse-Rettung gesprochen wie auf der Bank-of-America-Finanzkonferenz. Der UBS-Chef rechnete öffentlich vor, was die Übernahme des Rivalen die eigenen Aktionäre bereits gekostet hat – und was drohende Schweizer Kapitalregeln noch draufsatteln könnten. Die Botschaft: Operativ läuft es rund, politisch bleibt die Lage angespannt.
Integration fast abgeschlossen, Kapitalstreit ungelöst
Die technische Verschmelzung mit Credit Suisse steht kurz vor dem Abschluss. Mehr als 90 Prozent der rund 3.000 übernommenen IT-Anwendungen sind mittlerweile stillgelegt, die Kundenmigration in der Schweiz ist mit einer Million umgestellten Konten durch. Bis Jahresende will UBS die Integration vollständig beenden.
Parallel dazu wartet die Bank auf eine politische Entscheidung, die deutlich teurer werden könnte. Das Schweizer Parlament verhandelt über neue Eigenkapitalanforderungen für ausländische Tochtergesellschaften – Ermotti bezifferte die möglichen Mehrkosten je nach Modell auf zwei bis drei Milliarden Franken pro Jahr. Er warb für den Kompromissvorschlag mit hälftiger Unterlegung durch hartes Kernkapital und zusätzliches Tier-1-Kapital, den er als "am ehesten international angeglichen" bezeichnete. Zur Erinnerung brachte er die Aktionäre bereits gezahlte Rechnung: rund 15 Milliarden Franken entgangener Gewinne aus der Rettungsaktion.
Wealth Management als Wachstumsmotor
Während die Regulierung Unsicherheit schafft, liefert das Vermögensverwaltungsgeschäft verlässliche Zahlen. In den USA erreichte die Sparte im ersten Halbjahr eine Vorsteuermarge von 15 Prozent, im zweiten Quartal sogar 16 Prozent – bei neun aufeinanderfolgenden Quartalen mit Kreditwachstum. In Asien-Pazifik verwaltet UBS mittlerweile 790 Milliarden Dollar an Kundenvermögen und ist damit mit weitem Abstand die Nummer eins der Region.
Das Aktienrückkaufprogramm über insgesamt drei Milliarden Dollar bis Juni 2027 kommt ebenfalls voran: Bis vergangenen Freitag waren bereits 1,2 Milliarden Dollar abgearbeitet, bis Ende Oktober sollen es mindestens 1,5 Milliarden sein. Die Dividende je Aktie stieg von 0,55 Dollar im Jahr 2022 auf 1,10 Dollar im vergangenen Jahr – weiteres Wachstum stellte Ermotti in Aussicht, ohne dafür die Rückkäufe zu opfern.
Schweiz bleibt Baustelle
Im Heimatmarkt zeigt die Übernahme auch Nebenwirkungen. UBS verlor im Zuge der Integration rund drei Prozentpunkte Marktanteil im Schweizer Geschäft, von etwa 31 auf 28 Prozent.
Ermotti sieht Spielraum, davon einen Prozentpunkt zurückzugewinnen, sobald das operative Geschäft wieder vollständig auf Kundenbetreuung statt auf interne Umstellung ausgerichtet ist. Belastend wirken zusätzlich eine flache Zinskurve nahe null, die schwache europäische Konjunktur und Zollstreitigkeiten zwischen der Schweiz und den USA.
Die nächste politische Weichenstellung steht kurzfristig an: Nach der Abstimmung im Ständerat muss sich die Wirtschaftskommission des Nationalrats mit dem Thema befassen. Ermotti hofft auf eine Lösung bis Jahresende, räumte aber ein, dass der Zeitplan durch die anstehenden Schweizer Wahlen beeinflusst werden könnte.
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