Sivers Semiconductors Aktie: Citadel kehrt zurück
Veröffentlicht am: 31.08.2026 um 20:14 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Rückmeldung institutioneller Investoren an den schwedischen Chiphersteller Sivers Semiconductors fällt derzeit skeptisch aus. Am Montag vergangener Woche meldeten sich D.E. Shaw und Citadel Securities erneut als offengelegte Leerverkäufer mit Positionen von jeweils über 0,5 Prozent des Aktienkapitals zurück.
Der gesamte Short-Interest-Anteil am Unternehmen kletterte damit auf 4,72 Prozent. Bemerkenswert dabei: Citadel Securities hatte seine Position erst rund eine Woche zuvor unter die meldepflichtige Schwelle gesenkt – nun baut der Handelsriese erneut auf fallende Kurse.
Der Zeitpunkt der Rückkehr fällt mit einer Phase erheblicher Kursverluste zusammen. Die Aktie notiert aktuell bei 2,44 Euro und hat allein in den vergangenen sieben Handelstagen 17 Prozent verloren, auf Sicht von 30 Tagen summiert sich das Minus auf 11 Prozent. Der jüngst präsentierte Zwischenbericht zum zweiten Quartal 2026 hatte die Stimmung zusätzlich belastet und dürfte den erneuten Einstieg der Leerverkäufer begünstigt haben.
Zahlen liefern Angriffsfläche
Der Nettoumsatz fiel im zweiten Quartal um 12 Prozent auf 53,8 Millionen schwedische Kronen, der Nettoverlust weitete sich von 50,6 auf 115,0 Millionen Kronen aus. Das bereinigte EBITDA rutschte auf minus 35,5 Millionen Kronen, nach minus 20,9 Millionen im Vorjahresquartal.
Ein Teil der Belastung stammt aus einem nicht zahlungswirksamen Sondereffekt: Die massive Kursrallye der Aktie von 10,71 auf 63,15 Kronen im Berichtszeitraum löste eine buchhalterische Sozialabgabenlast von 42,9 Millionen Kronen aus, die das operative Ergebnis zusätzlich drückte.
Vorstandschef Vickram Vathulya begründete die schwachen Zahlen in einem Interview mit einer bewussten strategischen Entscheidung: Das Unternehmen verlagere Ressourcen von kundenspezifischen Entwicklungsaufträgen hin zu Produktionshochläufen und opfere damit kurzfristig Umsatz. Als Zeitpunkt für den erhofften Umsatzwendepunkt nannte er das vierte Quartal 2026.
Auftragsbuch wächst deutlich
Gegen das negative Momentum bei den Kurzfristzahlen steht eine deutlich verbesserte Pipeline. Das Unternehmen bezifferte die Summe der Geschäftsmöglichkeiten für Juli 2026 auf 1,2 Milliarden US-Dollar – ein Anstieg von 268 Prozent gegenüber dem Jahresende 2025. Zudem sicherte sich Sivers einen Produktionsauftrag von ALL.SPACE über 8,2 Millionen US-Dollar für Ka-Band-Beamforming-Chips.
Parallel wandelte der Kreditgeber Bootstrap Europe ein Darlehen über 12 Millionen US-Dollar vollständig in Eigenkapital um und übte sämtliche verbliebenen Warrants aus – ein Schritt, der die Bilanz entlastet, zugleich aber die Aktienzahl weiter erhöht.
Automatisierte Bewertungsmodelle spiegeln die gespaltene Lage: Ein KI-gestütztes Scoring-Modell vergab kürzlich eine neutrale Einstufung mit knapp unter 50 Prozent Wahrscheinlichkeit einer Outperformance gegenüber dem europäischen Markt, während ein quantitatives Rating-System dem Unternehmen nach dem Quartalsbericht eine schwache Finanzgesundheit attestierte.
Für Anleger bleibt die Gemengelage widersprüchlich: Wachsende Auftragschancen und eine gestärkte Bilanz stehen sinkenden Umsätzen, ausgeweiteten Verlusten und einer wachsenden Zahl von Leerverkäufern gegenüber. Der nächste verlässliche Gradmesser dürfte der für den 26. November 2026 erwartete Zwischenbericht zum dritten Quartal sein, wenn sich zeigen muss, ob die angekündigte Trendwende Substanz gewinnt.
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