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Sellas Life Sciences Aktie: 78 Ereignisse, 80er-Marke unbestätigt

Veröffentlicht am: 25.08.2026 um 05:19 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Sellas-Aktie profitiert von unbestätigtem REGAL-Meilenstein, während Schiedsspruch die China-Lizenz bestehen lässt. Analysten raten zur Vorsicht.

Sellas Life Sciences: Spekulation um REGAL-Studienmeilenstein treibt Aktie
Abstrakte Darstellung eines modernen Biotechnologie-Labors mit Fokus auf Laborausrüstung und analytische Forschung. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Ein deutscher Medienbericht wollte es am Wochenende wissen: Die Phase-3-Studie REGAL habe ihr 80. Ereignis erreicht, jene Schwelle, die die finale Auswertung der GPS-Daten in Akuter Myeloischer Leukämie auslöst. Sellas selbst hat das bis heute nicht bestätigt. Für mich ist genau das der eigentliche Punkt, um den sich diese Aktie derzeit dreht – nicht die Kursbewegung selbst.

Der Kurs schloss am Montag bei 12,30 Euro, nach einem Rücksetzer von 5,8 Prozent. Auf Wochensicht steht dennoch ein Plus von 8,8 Prozent, über 30 Tage sogar 28 Prozent. Wer nur auf den Tageschart starrt, verpasst das größere Bild: Seit Jahresbeginn hat sich die Aktie mehr als vervierfacht. Diese Diskrepanz zwischen kurzfristiger Nervosität und langfristigem Aufwärtstrend ist für mich typisch für Werte, die auf ein binäres Ereignis warten.

Warum die fehlende Bestätigung mehr wiegt als jede Kurszahl

Sellas selbst bezifferte den offiziellen Ereigniszähler zuletzt bei den Quartalszahlen vor gut drei Wochen auf 78 – nicht 80. Genau diese Lücke zwischen Medienbericht und Unternehmensangabe halte ich für den entscheidenden Unsicherheitsfaktor.

Erreicht die Studie tatsächlich das 80. Ereignis, folgen Datenbank-Lock, geblindete Datenprüfung, Entblindung und schließlich die Topline-Ergebnisse – ein Ablauf mit klar definierten Schritten, aber ohne festen Kalender. Bis zur offiziellen Bestätigung bleibt das Ganze Spekulation, so plausibel sie auch klingen mag.

Meiner Einschätzung nach überschätzt der Markt gerade die Wahrscheinlichkeit einer unmittelbaren Bekanntgabe. Die Volatilität von 99 Prozent auf 30-Tage-Basis spricht eine deutliche Sprache: Hier wird auf ein Ereignis gewettet, dessen Timing niemand außerhalb des Unternehmens kennt. Der jüngste Rücksetzer lässt sich für mich am ehesten als Gewinnmitnahme nach dem starken Lauf lesen, nicht als Reaktion auf eine neue Tatsache.

Der Schiedsspruch gegen 3D Medicines gehört in die Bewertung

Etwas unterbelichtet bleibt in der aktuellen Debatte der Rechtsstreit mit 3D Medicines. Ein Schiedsgericht wies Ende Juli die Ansprüche von Sellas ab und verpflichtete das Unternehmen zusätzlich, Anwaltskosten von rund 0,7 Millionen Dollar sowie weitere Verfahrenskosten von 0,3 Millionen Dollar zu tragen. 3D Medicines behält damit die exklusive Lizenz zur Entwicklung und Vermarktung von GPS in Greater China, inklusive möglicher Meilensteinzahlungen von bis zu 191,5 Millionen Dollar an Sellas.

Diese Zahl relativiert für mich das Bild etwas: Der Rechtsstreit war eine Niederlage, doch das eigentliche kommerzielle Potenzial in China bleibt über die Lizenzvereinbarung erhalten. Wer nur auf den verlorenen Schiedsspruch schaut, übersieht, dass die langfristige Ökonomie der Partnerschaft intakt ist.

Parallel dazu bleibt die Kapitalausstattung solide. Mit rund 138,3 Millionen Dollar liquiden Mitteln zum Ende des zweiten Quartals hat Sellas Spielraum, um die laufende Phase-2-Studie zu SLS009 bei neu diagnostizierten AML-Patienten zu Ende zu bringen.

Von den geplanten 80 Patienten waren zuletzt 28 eingeschlossen, Topline-Daten werden im vierten Quartal erwartet. Das ist für mich der zweite, oft unterschätzte Werttreiber neben REGAL – ein Katalysator mit festem Zeitfenster, während REGAL ereignisgetrieben und damit terminlich offen bleibt.

Mein Fazit

Unterm Strich sehe ich die Aktie in einer Schwebephase, die stärker von Erwartung als von bestätigten Fakten getragen wird. Die 78-Ereignis-Marke laut Unternehmensangabe, ein unbestätigter Medienbericht über die 80er-Schwelle und ein verlorener Schiedsspruch mit fortbestehender Lizenzbeziehung ergeben ein Bild, das Chancen und Risiken eng beieinander hält.

Für mich überwiegt derzeit die Notwendigkeit, auf die offizielle Bestätigung des 80. Ereignisses zu warten, bevor man die jüngste Kursstärke als bestätigtes Signal interpretiert – die Volatilität der vergangenen Wochen zeigt, dass der Markt diese Unsicherheit längst eingepreist hat, ohne sie aufgelöst zu haben.

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