Gold, Zinserhöhungs-Wette

Gold: Zinserhöhungs-Wette sackt auf 34 Prozent

Veröffentlicht am: 01.10.2026 um 08:36 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Schwächere Kerninflation senkt die Zinserhöhungswahrscheinlichkeit, während hohe Anleiherenditen und vorsichtige Prognosen den Goldmarkt bremsen.

Goldpreis stabilisiert sich nach US-Inflationsdaten und sinkenden Zinserwartungen
Ein einzelner Goldbarren auf einer dunklen Schieferplatte bei gedämpftem, natürlichem Licht. Illustration mit AI erstellt.

Die jüngsten US-Verbraucherpreisdaten verschaffen dem Edelmetallmarkt eine Atempause. Nachdem schwächere Teuerungsraten den Erwartungen an eine baldige Zinserhöhung der US-Notenbank Federal Reserve die Schärfe nahmen, stabilisierte sich der Goldpreis im Umfeld von 4.156,91 US-Dollar je Feinunze, nachdem das Edelmetall am Mittwoch mit einem leichten Minus von 0,4 Prozent geschlossen hatte. Zuvor hatten falkenhafte Fed-Signale vor gut einer Woche den Markt spürbar belastet.

US-Inflationsdaten nehmen Druck von den Zinsen

Auslöser für die jüngste Beruhigung am Rohstoffmarkt waren die US-Konsumausgaben (PCE) für August. Der von der Fed bevorzugte Kern-PCE-Index stieg im Monatsvergleich um lediglich 0,2 Prozent und verzeichnete auf Jahressicht ein Plus von 3,0 Prozent. Analysten hatten mit einer höheren Kernteuerung gerechnet.

In der Folge passten die Zinsterminmärkte ihre Erwartungen deutlich an. Die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung durch die Fed bei ihrer nächsten Sitzung im Oktober fiel von zuvor rund 70 Prozent zu Wochenbeginn auf gut 34 bis 37 Prozent zurück.

Gleichzeitig stiegen die Renditen zehnjähriger US-Staatsanleihen jedoch zeitweise auf etwa 5,30 Prozent, getrieben von robusten Konsumausgaben. Diese anhaltend hohen Renditen begrenzten bislang eine stärkere Gegenbewegung beim zinslosen Edelmetall. Vor dem am Freitag anstehenden US-Arbeitsmarktbericht hielten sich viele Marktteilnehmer zudem mit neuen Engagements zurück.

Analysten passen Preisprognosen vorsichtiger an

Die veränderten Zinsaussichten schlagen sich auch in den Modellrechnungen großer Investmentbanken nieder. Als Grund nannte das Institut die Erwartung, dass mögliche Zinssenkungen der Fed erst im weiteren Verlauf des Jahres 2027 einsetzen dürften. Zudem rechnet die Bank kurzfristig mit gedämpften Mittelzuflüssen in Gold-ETFs.

Die Analysten verwiesen auf eine verhaltene Investorennachfrage und geringere Handelsaktivitäten an den Terminmärkten im bisherigen Jahresverlauf, stellen für die zweite Jahreshälfte aber eine Belebung der Käufe durch Zentralbanken in Aussicht.

Zentralbankkäufe bleiben langfristige Stütze

Trotz des jüngsten Rücksetzers – mit dem aktuellen Niveau notiert Gold rund 26 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 5.598,58 US-Dollar – sehen Marktbeobachter fundamentale Unterstützung durch staatliche Stellen. Notenbanken weltweit nutzen schwächere Phasen weiterhin, um ihre Währungsreserven breiter aufzustellen.

Neben den Währungshütern Chinas, die ihre Zukäufe über viele Monate hinweg ausbauten, stockten auch europäische Zentralbanken wie die polnische Nationalbank ihre Barrenbestände auf. Solange die Nachfrage institutioneller Reservemanager hoch bleibt, sehen Händler in Rücksetzern vor allem eine Konsolidierung, deren weiteres Ausmaß maßgeblich von den kommenden Arbeitsmarktdaten und den nächsten Zinsschritten der Fed abhängt.

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