Gold, Stille

Gold: Stille Milliarden treiben Rekordjagd

Veröffentlicht am: 25.08.2026 um 11:54 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Gold erreicht neues Allzeithoch bei 4.754 Dollar, angetrieben durch milliardenschwere Anleiherückkäufe des US-Finanzministeriums. Analysten warnen vor nachlassender Dynamik.

Goldpreis auf Rekordhoch: US-Staatskonto als heimlicher Treiber der Rally
Mehrere glänzende Goldbarren auf einer dunklen, strukturierten Oberfläche bei warmem Licht. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Fast 4.700 Dollar je Feinunze – und trotzdem wächst die Nervosität. Gold hat am Dienstag zeitweise ein neues Rekordhoch bei 4.754 Dollar markiert, doch die Rally zeigt erste Ermüdungserscheinungen. Der Auslöser für den jüngsten Schub liegt weniger in der Geldpolitik als in einem eher unscheinbaren Konto des US-Finanzministeriums.

Ein Konto bei der Fed als Preistreiber

Das US-Finanzministerium hat seine Rückkäufe langlaufender Anleihen verdoppelt, von zwei auf mindestens vier Milliarden Dollar je Operation. Offiziell begründet Washington das mit Liquiditätsunterstützung, nicht mit Zinssteuerung. Zwei Ministeriumsbeamte deuteten gegenüber CNBC allerdings an, dass auch das Treasury General Account – das Girokonto des Staates bei der Notenbank – zur Finanzierung herangezogen werden könnte.

Bestätigt ist das nicht, doch das Konto ist mit rund 962 Milliarden Dollar prall gefüllt, deutlich über der früheren Zielgröße von 550 bis 600 Milliarden Dollar. Solange das Geld dort liegt, bleibt es wirkungslos für die Realwirtschaft. Fließt es dagegen als Bankreserve zurück in den Markt, wirkt das wie ein Anleihekaufprogramm ohne Notenbank-Beteiligung.

Am Anleihemarkt zeigt sich der Effekt kaum: Die zehnjährige Rendite fiel im August nur leicht auf 4,70 Prozent. Am Devisenmarkt dagegen ist die Wirkung deutlich sichtbarer – der Dollarindex rutschte zuletzt auf 98,55 Punkte, den tiefsten Stand seit Mitte Mai. Saxo-Bank-Stratege Ole Hansen sieht darin, verstärkt durch technische Käufe, den eigentlichen Treiber der Gold-Rally.

Warnsignale trotz Rekordjagd

Der Blick auf die kürzeren Zeitfenster zeigt: Die Aufwärtsdynamik lässt nach. Auf Stundenbasis notiert Gold rund 1,4 Prozent über seinem 20-Perioden-Durchschnitt, während Momentum-Indikatoren wie RSI und MACD bereits Schwächezeichen liefern. Ein Rücksetzer in Richtung der Unterstützungszone zwischen 4.594 und 4.635 Dollar gilt als plausibles Szenario, sollte die Käuferseite die Puste ausgehen.

Im August summiert sich das Plus dennoch auf mehr als 15 Prozent – nach Einschätzung der United Overseas Bank der stärkste Monatsgewinn seit September 1999. Auch Silber zieht mit: Der Spotpreis kletterte zeitweise auf 69,19 Dollar je Unze.

Als Belastungsfaktor für Gold wirkt aktuell die Kombination aus Fed-Zinsspekulationen und der Eskalation im Nahost-Konflikt, die dem Dollar als sicherem Hafen kurzfristig Auftrieb verschafft. US-Finanzminister Scott Bessent hatte zudem eine Ausweitung der Iran-Sanktionen angekündigt, was zusätzliche Unsicherheit in die Märkte trägt.

Die entscheidenden Impulse dürften ohnehin erst noch kommen. Am Mittwoch steht der US-Preisindex für die persönlichen Konsumausgaben an, das bevorzugte Inflationsmaß der Notenbank. Vom 27. bis 29. August folgt in Jackson Hole die erste große Rede von Fed-Chef Kevin Warsh – laut Citi könnte eine falkenhafte Botschaft die Rally abrupt bremsen, während überraschend lockere Töne neuen Schwung liefern würden.

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