Gold, Reuters-Umfrage

Gold: Reuters-Umfrage senkt Prognose fürs laufende Jahr

Veröffentlicht am: 01.11.2026 um 18:37 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Höhere Ölpreise und Zinssorgen drückten Gold; die Reuters-Umfrage zeigt für das kommende Jahr dennoch einen höheren Jahresdurchschnitt.
Ein einzelner Goldbarren auf einer dunklen Schieferplatte bei natürlichem Licht. Illustration mit AI erstellt.

Gold verzeichnete am Freitag im Umfeld steigender Ölpreise eine Tagesveränderung von -3,6%. Reuters zufolge verstärkten die höheren Energiepreise die Inflationssorgen und Erwartungen weiterer US-Zinserhöhungen. Der Verkaufsdruck steht allerdings im Gegensatz zum längerfristigen Prognosebild: In einer Reuters-Umfrage sank die Erwartung für den Jahresdurchschnitt, während die Prognose für das kommende Jahr stieg.

Für Anleger ergibt sich damit ein geteiltes Bild. Kurzfristig belasten Zinsrisiken und mögliche Verkäufe zur Beschaffung von Liquidität das Edelmetall. Auf längere Sicht fallen die Erwartungen der befragten Marktteilnehmer günstiger aus. Eine unmittelbar bevorstehende Erholung lässt sich daraus nicht ableiten.

Verkaufsdruck trifft auf Zinsrisiken

Reuters berichtete am Freitag außerdem, dass der Einbruch von Technologiewerten Gold mit nach unten gezogen habe. Zweifel an der Rentabilität hoher Investitionen in künstliche Intelligenz belasteten die Aktienmärkte. Anleger könnten Gold verkauft haben, um Verluste andernorts auszugleichen oder Nachschussforderungen zu bedienen.

Diese Erklärung bleibt eine Möglichkeit, keine bestätigte Aufschlüsselung der Verkäufe. Sie zeigt aber, weshalb Gold auch bei wachsender Unsicherheit unter Druck geraten kann: Wenn Anleger Liquidität benötigen, schützt die Rolle als Absicherung nicht zwangsläufig vor kurzfristigen Verlusten.

Daneben belastet der höhere Zinsausblick das zinslose Edelmetall. Auch dpa-AFX verwies am Freitag auf Zinserhöhungsspekulationen nach Inflationsdaten aus der Eurozone. Der Druck beschränkte sich damit nicht auf die Entwicklung amerikanischer Technologieaktien.

Prognosen unterscheiden nach Zeithorizont

Als Gründe für die erneute Senkung nannte Reuters hohe Renditen amerikanischer Staatsanleihen, einen starken Dollar und länger hohe Zinsen. Diese Faktoren erklären die vorsichtigere Einschätzung für das laufende Jahr, ohne zugleich einen dauerhaft negativen Ausblick zu begründen.

Beide Angaben beziehen sich auf Jahresdurchschnittspreise. Sie sind weder kurzfristige Kursziele noch Zusagen einer Erholung. Entscheidend ist die unterschiedliche Richtung: Die Befragten bewerteten den näheren Zeitraum vorsichtiger, den späteren dagegen günstiger.

Neue Daten als nächste Prüfsteine

Ein Gegengewicht zum Verkaufsdruck liefert die physische Nachfrage. Der World Gold Council berichtete am 20. Oktober, Chinas Zentralbank habe im September 23 Tonnen Gold zugekauft. Das war der größte Monatszuwachs seit Oktober 2023. Zudem setzte sich die chinesische ETF-Nachfrage Anfang Oktober fort.

Solche Käufe sind ein Gegenpol, garantieren aber keinen kurzfristigen Preisboden. Für den Zinsausblick stehen nun der US-Arbeitsmarktbericht am 06.11.2026 und die US-Verbraucherpreise am 10.11.2026 im Mittelpunkt. An diesen Daten wird sich prüfen lassen, ob die Erwartungen weiterer Zinserhöhungen zusätzliche Unterstützung erhalten.

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