Gold: Rally verliert an Schwung
Veröffentlicht am: 07.08.2026 um 23:10 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Ein Arbeitsmarktbericht, der so schlecht ausfiel, dass er die Zinserwartungen in den USA über den Haufen wirft — das war der Auslöser für den kräftigsten Goldsprung seit Wochen. Doch die Rally hatte am Freitag keine lange Halbwertszeit. Kaum erreichte der Preis sein Tageshoch, drückte steigendes Öl die Notierung wieder zurück.
Schwache Jobs, schwankende Zinswetten
Der US-Arbeitsmarkt hat im Juli überraschend Stellen verloren statt gewonnen. Die Zahl der Beschäftigten außerhalb der Landwirtschaft sank um 23.000, während Volkswirte je nach Umfrage mit einem Plus zwischen 80.000 und 88.000 gerechnet hatten. Zusätzlich strichen die Statistiker die Junizahlen kräftig zusammen — von ursprünglich gemeldeten 57.000 neuen Stellen blieben nur noch 20.000 übrig.
Die Folge zeigt sich am Terminmarkt für Fed-Zinsentscheidungen. Laut CME-FedWatch-Tool fiel die eingepreiste Wahrscheinlichkeit für eine Zinserhöhung im kommenden Monat auf 44 Prozent, nach 55 Prozent am Donnerstag und noch 67 Prozent vor einer Woche. Für zinsloses Gold ist das ein klares Signal: Sinkt die Aussicht auf höhere Zinsen, sinken auch die Opportunitätskosten fürs Halten des Metalls.
Entsprechend deutlich reagierte der Preis. Die Dezember-Kontrakte legten um 96,20 Dollar beziehungsweise 2,1 Prozent auf 4.395,80 Dollar je Feinunze zu — nach einem Tageshoch mit einem Plus von bis zu 3,1 Prozent. Damit erreichte Gold sein höchstes Niveau seit mehr als einem Monat, bevor steigende Ölpreise inmitten der Unsicherheit um die Lage im Nahen Osten einen Teil der Gewinne wieder auffraßen. Die Spannungen rund um die Straße von Hormus wirken damit weniger über die geopolitische Schlagzeile selbst, sondern über den Umweg steigender Energiepreise und daraus folgender Inflationssorgen auf den Goldmarkt.
UBS bleibt bei 5.000 Dollar
Unabhängig vom Tagesgeschehen hält UBS an seinem langfristigen Kursziel fest: 5.000 Dollar je Feinunze bis zur ersten Jahreshälfte 2027. Die Bank stützt die Prognose auf drei Säulen — sinkende Realzinsen im Zuge einer erwarteten Zinssenkungsphase ab 2027, einen strukturell schwächeren Dollar angesichts hoher US-Haushalts- und Außendefizite, sowie anhaltende Käufe der Notenbanken, die laut UBS selbst in Phasen schwacher privater Nachfrage als Preisboden wirken. Als Kaufargument nennt die Bank zudem chinesische institutionelle Käufe und Zuflüsse in Gold-ETFs.
Ein Kontrapunkt zur gängigen Anleger-Erzählung liefert derweil eine aktuelle Studie im Journal of Investing. Die Autoren Rob Brown und Bo Wang von Julex Capital Management errechnen eine Korrelation zwischen Goldpreis und Inflation von lediglich 0,07 — praktisch null. Bereits 2013 hatte der damalige Fed-Chef Ben Bernanke vor dem Senat ein ähnliches Argument vorgebracht und eingeräumt, die Goldpreisbewegungen selbst nicht vollständig zu verstehen.
UBS bekräftigt sein Kursziel von 5.000 Dollar dennoch unverändert. Gemessen am jüngsten Ausbruch über 4.250 Dollar entspricht das einem Aufschlag von rund 18 Prozent — vorausgesetzt, die Bank behält recht mit ihrer Einschätzung, dass sinkende Realzinsen und ein schwächerer Dollar den Trend mittelfristig tragen.
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