Gold, Kurs

Gold: Kurs stürzt nach Warsh-Rede

Veröffentlicht am: 02.09.2026 um 00:24 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Gold verbilligt sich wegen höherer Zinserwartungen und teurerem Öl, während Zentralbanken und ETFs ihre Nachfrage weiter ausbauen.

Goldpreis fällt nach Warsh-Rede trotz starker Notenbankkäufe
Mehrere Goldbarren auf einer dunklen, reflektierenden Oberfläche bei gedimmtem Licht. Illustration mit AI erstellt.

Der Goldpreis ist am heutigen Dienstag um 2,9 Prozent auf 4.325,25 US-Dollar je Feinunze gefallen, nachdem er am Vortag noch bei 4.452,18 Dollar geschlossen hatte. Auslöser ist eine hawkische Rede von Fed-Vorsitzendem Kevin Warsh, der sich entschieden für eine strikte Inflationskontrolle ausgesprochen hat.

An den Terminmärkten ist die Erwartung einer Zinserhöhung im September laut CME FedWatch-Daten auf über 65 Prozent gestiegen. Steigende Zinsen mindern die Attraktivität des zinslosen Edelmetalls gegenüber verzinsten Anlagen.

Verschärft wird der Druck durch steigende Ölpreise infolge der Eskalation im Nahen Osten. Nach einem US-Angriff auf eine iranische Insel hat der Iran nach Medienberichten Gegenschläge gegen die Vereinigten Arabischen Emirate und Jordanien geführt.

Normalerweise profitiert Gold von geopolitischen Krisen als sicherer Hafen – diesmal überwiegt jedoch die Sorge vor importierter Inflation über steigende Energiepreise, die wiederum die Zinserwartungen weiter anheizt.

Hinzu kommen frische US-Inflationsdaten: Die PCE-Teuerung für Juli lag im Juli bei 3,7 Prozent und damit über den Erwartungen, die Kernrate kletterte auf 3,3 Prozent. Beide Werte untermauern Warshs Argumentation und liefern der Fed vor der Sitzung am 15. und 16. September zusätzliche Munition für eine straffere Geldpolitik.

Bereits Ende Juli hatte das Offenmarktkomitee den Leitzins zwar unverändert bei 3,50 bis 3,75 Prozent belassen, allerdings stimmten drei Mitglieder für eine Erhöhung – die erste einheitliche Gegenstimmen-Mehrheit seit 2016.

Notenbanken kaufen weiter in Rekordtempo

Der kurzfristige Kursrutsch steht in deutlichem Kontrast zur strukturellen Nachfrage der Zentralbanken. Der World Gold Council meldete für das zweite Quartal Nettokäufe von 288,9 Tonnen, ein Plus von 62 Prozent gegenüber dem Vorjahr und das stärkste zweite Quartal in der Datenhistorie des Verbands.

Die People's Bank of China setzte diesen Trend fort: Im Juli kaufte sie laut Bloomberg 20 Tonnen hinzu, den größten monatlichen Anstieg seit Oktober 2023, und hält damit im 21. Monat in Folge an ihrem Akkumulationskurs fest.

Auf Jahressicht summieren sich Chinas Zukäufe auf 60 Tonnen, der Bestand liegt nun bei rekordhohen 2.377,5 Tonnen. Auch die polnische Notenbank baute ihre Reserven 2026 um 82 Tonnen auf 632 Tonnen aus.

Parallel dazu bleiben Anleger über Gold-ETFs investiert. Die Bestände des SPDR Gold Shares erhöhten sich laut Medienberichten bis zum 26. August auf 1.045,50 Tonnen, ein Wochenzuwachs von 10,84 Tonnen mit einem Nettokapitalzufluss von 1,97 Milliarden Dollar.

Der World Gold Council bezifferte die weltweiten ETF-Zuflüsse bis Ende Juli auf 11 Milliarden Dollar beziehungsweise 39 Tonnen, wobei Asien den größten Beitrag lieferte, gefolgt von Europa, während Nordamerika unter dem Strich Abflüsse verzeichnete.

Liquiditätsmaßnahme des Finanzministeriums als Gegengewicht

Ein weiterer Faktor könnte den aktuellen Abwärtsdruck bremsen: Das US-Finanzministerium hat die maximalen Volumina seiner Liquiditätsunterstützungs-Rückkäufe für längerlaufende Staatsanleihen ab dem 9. September von 2 auf mindestens 4 Milliarden Dollar je Operation verdoppelt. Die Ankündigung ließ die Anleiherenditen sinken und den Dollar schwächer werden, was Gold zeitweise Auftrieb verlieh, wie sich bereits am 19. August zeigte.

Für Anleger bleibt die Gemengelage widersprüchlich: Kurzfristig dominieren Zinserwartungen und Ölpreisschock die Preisbildung, während die strukturelle Nachfrage von Zentralbanken und ETF-Investoren den langfristigen Trend stützt. Die kommende FOMC-Sitzung am 15. und 16. September dürfte richtungsweisend dafür sein, ob sich der aktuelle Rücksetzer fortsetzt oder als Kaufgelegenheit im übergeordneten Aufwärtstrend erweist.

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