Gold: Bärisches Chartbild trotz Krise
Veröffentlicht am: 29.07.2026 um 21:17 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Zwischen Nahost-Eskalation und Fed-Poker sucht Gold vergeblich nach klarer Richtung. Die Feinunze hält sich zwar über der Marke von 4.000 Dollar, doch das Chartbild spricht eine andere Sprache als die geopolitische Nachrichtenlage. Ein Widerspruch, der Anleger vor der Zinsentscheidung der US-Notenbank am Abend ins Grübeln bringt.
Die Europäische Zentralbank setzte den Referenzkurs für eine Feinunze zuletzt auf 4.004 Dollar fest — rund 25 Dollar weniger als am Vortag. Zuvor hatte sich das Edelmetall im Tagesverlauf noch bis auf 4.050 Dollar erholt, gestützt von einem schwächeren US-Dollar. Das Aufwärtspotenzial blieb dabei begrenzt: Gold notiert unterhalb seiner 21-, 50- und 100-Tage-Durchschnittslinien, ein technisch bärisches Signal, das die fundamentale Unterstützung durch die Krisenlage im Nahen Osten überlagert.
Fed-Sitzung als Belastungsfaktor
Erstmals seit dem vorläufigen Stopp der US-Angriffe auf den Iran haben Teherans Streitkräfte wieder US-Ziele in der Region attackiert. Präsident Donald Trump kündigte Vergeltung an. Die Ölpreise ziehen als Folge erneut an und schüren Inflationssorgen — eigentlich ein klassischer Nährboden für steigende Goldpreise.
Doch der Markt blickt heute Abend auf die zweite Sitzung von Fed-Chef Kevin Warsh. Aktuell rechnen laut Terminmarkt nur rund 29 Prozent der Marktteilnehmer mit einer Zinserhöhung, das Gros erwartet ein Halten der Spanne zwischen 3,50 und 3,75 Prozent. Für die Sitzung am 16. September fällt das Bild deutlich anders aus: Nur noch 22 Prozent gehen davon aus, dass die Fed die Zinsen dort unverändert lässt — der Rest rechnet mit einer Anhebung, teilweise um einen halben Prozentpunkt.
Genau diese Verschiebung der Erwartungen belastet Gold zusätzlich. Steigende Ölpreise durch Transportprobleme am Persischen Golf nähren die Debatte um eine straffere Geldpolitik, was Zinserhöhungswetten stützt und Edelmetalle unter Druck setzt — obwohl ein Großteil dieser Zinswende bereits seit Monaten eingepreist ist.
Für die kommenden Stunden bleibt die Fed-Kommunikation der entscheidende Faktor. Signalisiert Notenbankchef Warsh im Ausblick eine restriktivere Haltung für den September, dürfte Gold kurzfristig weiter unter Druck geraten. Sollte die Rhetorik dagegen datenabhängig und zurückhaltend bleiben, hätte das Edelmetall angesichts der ungelösten Nahost-Lage genügend fundamentale Unterstützung, um sich über der 4.000-Dollar-Marke zu behaupten.
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