Gold: Ausbruch trotz hoher Realzinsen
Veröffentlicht am: 07.08.2026 um 16:46 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Eigentlich müsste der Goldpreis unter Druck stehen. Die Realzinsen in den USA – Kapitalmarktzinsen minus Inflation – kratzen an einem Mehrjahreshoch, was für das zinslose Edelmetall normalerweise Gift ist. Trotzdem klettert Gold auf ein Sieben-Wochen-Hoch über 4.300 Dollar je Feinunze. Diese Diskrepanz wirft die Frage auf, welches Narrativ gerade die Preisfindung dominiert.
Die Antwort liegt vermutlich im Auftritt von Fed-Chef Kevin Warsh, der zuletzt betont dovish klang. Seine Aussagen haben die Inflationserwartungen offenbar stärker in den Vordergrund gerückt als die hohen Marktzinsen selbst. Hinzu kommen geopolitische Risiken: Der Iran hält mit seinem Plan zur Kontrolle der Straße von Hormus die Spannungen im Nahen Osten am Köcheln, was tendenziell stützend für Gold als Krisenwährung wirkt. Niedrigere Ölpreise haben zudem dazu geführt, dass Marktteilnehmer ihre Wetten auf weitere Fed-Zinsschritte zurückgefahren haben.
Charttechnik zeigt Überhitzung
Ausgehend von der psychologisch wichtigen Marke von 4.000 Dollar hat Gold in den vergangenen Tagen fast acht Prozent zugelegt und dabei die 50-Tage-Linie als erstes technisches Kaufsignal überwunden. Der Kurs notiert damit deutlich über dem 200-Perioden-Durchschnitt bei 4.129 Dollar – ein Zeichen für einen intakten längerfristigen Aufwärtstrend.
Kurzfristig warnen die Indikatoren allerdings vor einer Überhitzung. Der RSI liegt bei 72,6 Punkten und damit im überkauften Bereich, während sich der Kurs der Widerstandszone bei 4.369 Dollar nähert – jener Marke, die zugleich das 50-Prozent-Fibonacci-Retracement markiert. Ein klarer Ausbruch darüber könnte laut den Bulls-Szenarien Bewegungsraum bis in Richtung 4.467 Dollar eröffnen, ein Scheitern an der Hürde dagegen einen Rücksetzer Richtung 4.220 Dollar wahrscheinlicher machen.
Der Blick richtet sich auf die Jobdaten
Die eigentliche Richtungsentscheidung dürfte der US-Arbeitsmarktbericht liefern. Händler halten sich mit größeren Positionierungen erkennbar zurück, bis die Nonfarm-Payrolls-Zahlen vorliegen – sie gelten als entscheidender Impulsgeber für die nächsten Fed-Zinserwartungen und damit auch für den Dollar. Bis dahin bleibt der Bereich zwischen rund 4.271 und 4.360 Dollar eine Zone ohne klare Kontrolle einer der beiden Marktseiten, in der sich Ausbruchsversuche in beide Richtungen als Fehlsignale erweisen könnten.
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