Gold, Einbruch

Gold: 3,6 Prozent Einbruch durch Zinsangst

Veröffentlicht am: 31.10.2026 um 04:15 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Höhere Ölpreise und US-Inflationsdaten drückten Gold, während chinesische ETF-Käufe im September zunahmen.
Ein Stapel Goldbarren auf einem dunklen Holztisch bei natürlichem Lichteinfall. Illustration mit AI erstellt.

Steigende Ölpreise und hartnäckige US-Inflationssorgen haben Gold gestern belastet. Die Tagesveränderung betrug -3,6%, der Schlusskurs lag bei 3.875,35 USD je Feinunze. Reuters führte den Rückgang auf höhere Energiekosten sowie stärkere US-Wachstums- und Inflationsdaten zurück. Sie verstärkten die Erwartungen weiterer Zinserhöhungen durch die Federal Reserve. Damit überwog am Goldmarkt die Sorge vor einer strafferen Geldpolitik.

Höhere Energiekosten verschärfen den Zinsdruck

Für Gold ist dieser Zusammenhang entscheidend: Das Edelmetall wirft keine Zinsen ab. Steigende Zinserwartungen beeinträchtigen deshalb seine Attraktivität gegenüber verzinslichen Anlagen. Die höheren Ölpreise wirkten gestern über die Inflations- und Zinserwartungen als Belastung.

Bereits am Donnerstag hatte Reuters über diesen Zusammenhang berichtet. Höhere Energiepreise und anhaltende Inflationssorgen nährten demnach die Erwartung länger hoher US-Zinsen. Der jüngste Rückgang steht damit im Zusammenhang mit einem geldpolitisch ungünstigen Umfeld.

Hinzu kommt ein möglicher Verkaufsdruck aus anderen Marktbereichen. Commerzbank-Analysten verwiesen am Donnerstag auf mögliche Zwangsverkäufe und Nachschussforderungen im Zuge fallender Technologieaktien. Gold könnte dadurch auch dann verkauft werden, wenn Anleger Liquidität für andere Positionen benötigen. Die Analysten beschrieben damit einen zusätzlichen möglichen Belastungsfaktor, keinen bestätigten Umfang solcher Verkäufe.

Preisprognosen unterscheiden sich nach Zeithorizont

Als Belastungen nannten die Befragten hohe US-Renditen, einen starken US-Dollar und länger hohe Zinsen. Ihre Erwartungen fallen für das laufende und das kommende Jahr unterschiedlich aus.

Für 2026 sank die mittlere Prognose des durchschnittlichen Goldpreises auf 4.495 US-Dollar je Feinunze. Drei Monate zuvor hatte sie bei 4.509 US-Dollar gelegen.

Die Abwärtsrevision betrifft damit den erwarteten Jahresdurchschnitt. Sie ist weder ein kurzfristiges Kursziel noch die Aussage, dass Gold dieses Niveau zum Jahresende erreichen werde. Ebenso wenig bedeutet die schwächere Einschätzung für das laufende Jahr, dass die Befragten ihre Erwartungen für alle Zeiträume gesenkt haben.

Für 2027 stieg die mittlere Prognose vielmehr auf 4.650 US-Dollar je Feinunze. In der vorherigen Umfrage hatte sie 4.610 US-Dollar betragen.

Chinesische Nachfrage setzt einen Gegenakzent

Während die Zinserwartungen den Preis belasteten, kamen aus China Hinweise auf zusätzliche Nachfrage. Damit erreichten sie den höchsten Stand seit fünf Monaten.

Reuters führte den Anstieg auf Vorratsaufbau vor der Feiertagswoche Golden Week und zusätzliche Anlegernachfrage zurück. Auch die vom World Gold Council gemeldeten Daten zu börsengehandelten Goldfonds zeigten stärkere Käufe.

Die chinesischen Gold-ETF-Bestände nahmen im September gegenüber dem Vormonat um 11 Tonnen auf einen Monatsend-Rekord von 304 Tonnen zu.

Das spricht für Nachfrage nach Goldanlagen trotz des schwierigen Zinsumfelds. Die chinesischen Käufe bilden damit einen Gegenakzent zum Verkaufsdruck, der zuletzt den Markt bestimmte.

Auch die Goldabhebungen an der Shanghai Gold Exchange stiegen im September: Sie erreichten 92 Tonnen und lagen damit 48 Prozent über dem Augustniveau.

Für Anleger stehen somit zwei gegenläufige Kräfte im Mittelpunkt: Die chinesische Nachfrage bietet Unterstützung, während höhere US-Zinserwartungen die Attraktivität des unverzinslichen Edelmetalls belasten. Im gestrigen Handel gab das Zinsumfeld die Richtung vor.

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