Deutsche Bank Aktie: Millionenklage vom Tisch
Veröffentlicht am: 07.09.2026 um 13:32 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Ein jahrelanger Rechtsstreit um die Monte-dei-Paschi-Affäre ist beendet. Die Deutsche Bank hat sich mit einem ehemaligen Investmentbanker außergerichtlich geeinigt, der 152 Millionen Euro Schadenersatz gefordert hatte. Details der Einigung nannte das Geldhaus nicht, betonte aber, der finanzielle Effekt im dritten Quartal 2026 falle nur gering aus.
Das Landgericht Frankfurt hatte die für diesen Donnerstag angesetzte Verhandlung bereits abgesagt, nachdem der Kläger seine Klage zurückgezogen hatte. Der Mann sah seine Karriere durch ein italienisches Strafverfahren beschädigt und warf der Bank vor, ihn als Sündenbock vorgeschoben zu haben.
Hintergrund waren komplexe Derivategeschäfte, die die Deutsche Bank 2008 mit der Banca Monte dei Paschi di Siena abgeschlossen hatte und die später neu klassifiziert wurden. 2019 verurteilte ein italienisches Gericht mehrere ehemalige Deutsche-Bank-Mitarbeiter, 2022 kamen im Berufungsverfahren jedoch Freisprüche für alle Beklagten.
Vier weitere Klagen bleiben offen
Der aktuelle Vergleich ist nicht der einzige. Mit einem sechsten Ex-Mitarbeiter hat sich die Bank ebenfalls bereits geeinigt. Vier weitere entsprechende Klagen sind noch in London anhängig, mit einem Streitwert von zusammen umgerechnet rund 700 Millionen Euro. Die Deutsche Bank weist sämtliche Vorwürfe weiterhin zurück und kündigte an, sich "entschieden" gegen die verbliebenen Forderungen zu verteidigen.
Die Aktie reagierte auf die Nachricht kaum merklich. Der juristische Ballast aus der MPS-Affäre wiegt an der Börse offenbar deutlich leichter als noch vor Jahren.
Warburg Research sieht mehr Potenzial
Parallel zur juristischen Entlastung kam frischer Rückenwind von der Analystenseite. Warburg Research hob das Kursziel für die Deutsche Bank von 39 auf 41,50 Euro an und beließ die Einstufung bei "Buy".
Analyst Andreas Pläsier begründet den optimistischeren Blick mit erwarteten Impulsen aus steigenden EZB-Leitzinsen sowie mit Überraschungspotenzial durch das deutsche Investitionspaket, KI-bedingte Effizienzgewinne und wachsende Anlagevolumina in den kommenden zwei Jahren.
Für die laufende Handelswoche kommen weitere Impulse hinzu: Der EZB-Zinsentscheid und US-Verbraucherpreiszahlen dürften zeigen, ob sich die von Warburg unterstellte Zinsfantasie tatsächlich materialisiert. Die vier verbliebenen Londoner Klagen bleiben derweil ein offener Posten, den Anleger im Hinterkopf behalten dürften.
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