Bitcoin, Gold

Bitcoin: Wie Gold, nur stärker

Veröffentlicht am: 03.09.2026 um 17:33 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Bitcoin korreliert so eng mit Gold wie seit 2020 nicht mehr, während der Kurs nach dem Anstieg über 80.000 Dollar wieder nachgab.

Bitcoin und Gold im Gleichschritt: Kursrally trotz Rücksetzer
Ein goldener Barren liegt auf einer dunklen, texturierten Oberfläche bei weichem Licht. Illustration mit AI erstellt.

Bitcoin und Gold bewegen sich derzeit so eng im Gleichschritt wie seit sechs Jahren nicht mehr. Die 90-Tage-Korrelation der beiden Anlageklassen erreichte während des jüngsten Ausverkaufs am Anleihemarkt ihren höchsten Stand seit 2020 — jener Zeit, in der Notenbanken und Regierungen mit massiven Stimulusprogrammen auf die Corona-Krise reagierten. Für Marktbeobachter ist das mehr als eine Randnotiz.

Fluchtwährung unter Strom

Ausgelöst wurde die Angleichung durch steigende Renditen am langen Ende der US-Staatsanleihen, verstärkt durch verstärkte Käufe langlaufender Bonds von US-Finanzminister Scott Bessent. In der Woche nach dem Renditesprung legte Bitcoin um 22,4 Prozent zu — der stärkste Wochengewinn seit März 2024. Gold gewann im selben Zeitraum rund 5 Prozent, während Aktien nachgaben.

Bitwise-Analyst André Dragosch bringt die Entwicklung auf den Punkt: Wenn die Sorge vor Währungsentwertung zunimmt, unterscheiden Investoren immer weniger zwischen Bitcoin und Gold. Bitcoin wirke dann wie eine verstärkte Version des Edelmetalls. Passend dazu zeigte sich die Kryptowährung Ende August auch negativ korreliert zum Dollar-Index — ein schwacher Dollar wirkt demnach als Rückenwind für beide Anlagen.

Gleichzeitig lockerte sich die Bindung an den Aktienmarkt. Die 30-Tage-Korrelation zum S&P 500 näherte sich während der August-Rally der Null-Linie. Glassnode-Analysten warnen jedoch: Solche plötzlichen Entkoppelungen bei Anleihe-Ausverkäufen erwiesen sich historisch meist als kurzlebig, eher lokale Erschöpfungserscheinung als struktureller Regimewechsel.

Bloomberg-Analyst Eric Balchunas ergänzt einen Kontrapunkt zur oft gehörten These, Bitcoin sei bloß ein gehebeltes Tech-Investment: Über die vergangenen sechs Monate lag die Korrelation zu US-Aktien niedriger als jene von Gold, Small Caps, Emerging Markets oder Treasurys zum Aktienmarkt.

Zwischen Rekordlauf und Rücksetzer

Preislich zeigt sich das Bild gemischt. Nach einem Monatsplus von 25 Prozent kletterte Bitcoin Ende August über 80.000 Dollar, fiel zuletzt aber wieder auf rund 76.000 bis 77.600 Dollar zurück.

Glassnode identifiziert zwischen 83.000 und 86.000 Dollar eine Ansammlung langfristiger Halter-Bestände, während der wichtigste Akkumulationsboden zwischen 62.000 und 65.000 Dollar liegt. Bitcoin bewegt sich damit derzeit genau zwischen beiden Zonen.

Der Anteil der im Gewinn liegenden Bitcoin-Bestände stieg zuletzt auf 68 Prozent, verglichen mit 65 Prozent bei ähnlichem Kursniveau im Mai — ein Hinweis auf frisches Kapital, das seit den Tiefs eingestiegen ist. Spot-Bitcoin-ETFs verzeichneten auf dem Höhepunkt der Rally tägliche Zuflüsse von durchschnittlich 290 Millionen Dollar, bei einem Handelsvolumen von nahezu 3 Milliarden Dollar pro Tag.

Die stärkere Kopplung an Gold liefert ein Argument für Bitcoin als Absicherung gegen Währungsrisiken. Ob die lockere Bindung zum Aktienmarkt Bestand hat, dürfte sich beim nächsten Stresstest an den Anleihemärkten zeigen — und damit auch, ob die 80.000-Dollar-Marke als Sprungbrett oder als Deckel wirkt.

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