Apple Aktie: Goldman senkt Gewinnschätzungen trotz Kaufempfehlung
Veröffentlicht am: 07.11.2026 um 20:13 Uhr | Redaktion boerse-global.deHöhere Umsätze treffen auf sinkende Gewinnschätzungen
Apples nächste Bewährungsprobe liegt in der Profitabilität des Wachstums. Die Erwartungen an den Absatz bleiben stark, während Gewinnprognosen sinken. Für Anleger entscheidet sich daran, ob das Geschäft die anspruchsvolle Bewertung rechtfertigen kann.
Goldman Sachs erhöhte die Umsatzschätzungen für 2027–2029 jeweils um etwa 1%, senkte die Gewinnschätzungen je Aktie jedoch jeweils um etwa 2%. Die Bank erwartet damit mehr Geschäft, aber weniger Ertrag als zuvor angenommen.
Diese Verschiebung ist für die Anlageentscheidung wichtiger als ein isoliert höheres Umsatzziel. Steigende Speicherkosten und Ausgaben für den Siri-KI-Rollout belasten die Profitabilität. Wer auf weiteres Wachstum setzt, muss deshalb zugleich darauf vertrauen, dass Apple die zusätzlichen Kosten über Absatz, Preise oder Produktmix auffangen kann.
Gleichzeitig senkte auch dieses Haus seine Gewinnschätzungen. Optimismus für die Aktie und vorsichtigere Ertragserwartungen bestehen damit nebeneinander.
Entscheidend ist der Ertrag aus zusätzlichem Geschäft
Die zentrale Kennzahl ist die Bruttomarge. Für das Dezemberquartal 2026 stellt Apple eine Spanne von 45–46% in Aussicht. Sie zeigt, wie viel vom Umsatz nach den unmittelbaren Umsatzkosten übrig bleiben soll.
Für Anleger steht damit die Qualität des Wachstums auf dem Prüfstand. Eine starke Nachfrage hilft der Aktie vor allem dann, wenn Apple daraus genügend zusätzlichen Gewinn erwirtschaftet. Höhere Stückzahlen allein könnten bei anhaltendem Kostendruck zu wenig sein, um weiter steigende Gewinnerwartungen zu begründen.
Hinzu kommt die Entwicklung der Services. Apple erwartet hier im Dezemberquartal ein Wachstum von 8–9%. Goldman Sachs verweist neben den Speicherkosten ausdrücklich auf das verlangsamte Servicegeschäft als Belastung für den Gewinnausblick.
Beide Entwicklungen müssen zusammen betrachtet werden: Wenn Hardware wächst und Services langsamer zulegen, gewinnt die Kostenkontrolle zusätzlich an Bedeutung. Die entscheidende Frage lautet deshalb, ob Apple seine Ertragskraft trotz dieser Kombination stabilisieren kann.
Starke Hardware und höhere Preise könnten helfen
Für das positive Szenario spricht die Nachfrage nach Apples wichtigsten Geräten. Im Septemberquartal 2026 legte der iPhone-Umsatz um 17% zu, der Mac-Umsatz um 24%. Diese Entwicklung liefert eine Grundlage für weiteres Wachstum.
Die Anlegerthese wäre tragfähig, sofern diese Nachfrage auch bei höheren Preisen Bestand hat. Bloomberg-Journalist Mark Gurman erwartet für 2027 und darüber hinaus weitere Preiserhöhungen bei Apple-Hardware. Sollten Kunden diese akzeptieren, könnte Apple einen Teil der höheren Kosten weiterreichen.
Für das Dezemberquartal 2026 prognostiziert Apple insgesamt ein Umsatzwachstum von 7–10%. Die Perspektive bleibt damit auf Expansion gerichtet, obwohl die Profitabilität unter Druck steht.
Goldman Sachs hält vor diesem Hintergrund an seiner Kaufempfehlung fest. Die Bank sieht weiterhin Chancen im Hardwaregeschäft, berücksichtigt die Kostenbelastung aber durch niedrigere Gewinnschätzungen. Das positive Szenario verlangt folglich beides: robuste Nachfrage und eine schrittweise bessere Übersetzung zusätzlicher Erlöse in Gewinn.
Die Bewertung lässt wenig Raum für Enttäuschungen
Das ernsthafte Gegenargument liegt in der Kombination aus hoher Bewertung und nachlassendem Gewinnwachstum. Laut Bernstein wurde Apple mit dem 35,1-Fachen der erwarteten Gewinne gehandelt. Der Durchschnitt seit 2016 lag bei 22,7.
Ein solcher Bewertungsaufschlag erhöht die Anforderungen an die künftige Geschäftsentwicklung. Wenn steigende Kosten länger anhalten oder Preiserhöhungen die Nachfrage schwächen, könnte selbst ordentliches Umsatzwachstum die Erwartungen an den Gewinn verfehlen.
Bernstein senkte seine Gewinnschätzung je Aktie für 2027 von 9,90 auf 9,78 US-Dollar. Auch für das Folgejahr nahm das Haus seine Prognose zurück.
Das Risiko betrifft damit mehr als eine vorübergehend schwächere Marge. Sollten sich weitere Abwärtsrevisionen anschließen, müsste die Bewertung auf einer niedrigeren Gewinnbasis bestehen. Besonders anspruchsvoll wäre das, wenn das Servicewachstum zugleich weiter an Schwung verliert und höhere Hardwarepreise den Absatz bremsen.
Das Dezembergeschäft muss die Ertragskraft bestätigen
Für Anleger ergibt sich eine bedingte Perspektive: Solange die Hardware-Nachfrage trägt und Apple höhere Kosten auffangen kann, bleibt weiteres Gewinnwachstum plausibel. Verschärft sich dagegen der Margendruck, steigt bei der anspruchsvollen Bewertung das Rückschlagrisiko.
Der nächste operative Prüfstein ist das Dezemberquartal 2026. Entscheidend wird sein, ob Apple das angekündigte Wachstum mit der in Aussicht gestellten Profitabilität verbinden kann. Besonders aussagekräftig wäre dabei, ob die Gewinnschätzungen nach den bisherigen Kürzungen wieder Stabilität gewinnen.
Danach rücken mögliche Hardware-Preiserhöhungen im Jahr 2027 in den Fokus. Gurmans Erwartung beschreibt einen möglichen Hebel, dessen Wirkung von der Kundenreaktion abhängt. Akzeptieren Käufer höhere Preise, könnte das die Ertragskraft stützen. Reagiert die Nachfrage empfindlich, würde Apples Spielraum gegenüber steigenden Kosten enger.
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