Amazon Aktie: FTC klagt wegen Werbepraktiken
Veröffentlicht am: 02.09.2026 um 04:12 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die US-Handelsbehörde Federal Trade Commission (FTC) hat gemeinsam mit mehr als 20 US-Bundesstaaten eine Klage gegen Amazon eingereicht. Im Zentrum der Vorwürfe stehen die Werbepraktiken auf der Handelsplattform des Konzerns. Medienberichten zufolge wird dem Unternehmen vorgeworfen, die Mindestpreise, die Werbetreibende zahlen müssen, heimlich angehoben zu haben.
Diese Nachricht belastete den Kurs im gestrigen Handel spürbar. Das Papier schloss am Dienstag bei 219,75 Euro, was einem Rückgang von 1,7 Prozent entspricht. Damit notiert der Wert fast punktgenau auf seinem 50-Tage-Durchschnitt von 219,70 Euro.
Vorwürfe im Werbegeschäft und Kartellbedenken
Laut Reuters zielt die Klage der FTC auf die Preisgestaltung im hochprofitablen Anzeigengeschäft ab. Die Behörden werfen Amazon vor, durch intransparente Mechanismen die Kosten für Händler künstlich in die Höhe getrieben zu haben.
Für Amazon kommt dieser juristische Gegenwind zu einem Zeitpunkt, an dem das Unternehmen bereits unter verstärkter Beobachtung durch Regulierungsbehörden weltweit steht. Das Werbegeschäft gilt als einer der wichtigsten Wachstumstreiber und Margenbringer des Konzerns, weshalb rechtliche Einschränkungen in diesem Bereich von Investoren mit Sorge betrachtet werden.
Parallel zu diesen regulatorischen Herausforderungen engagiert sich Amazon verstärkt in Sicherheitsfragen der Tech-Branche. Am Donnerstag gehörte das Unternehmen zu einer Gruppe führender Technologiekonzerne, die in einem gemeinsamen Warnbrief einen verstärkten Schutz gegen KI-gestützte Hackerangriffe forderten. Diese Initiative unterstreicht die wachsende Bedeutung von Sicherheitsinfrastrukturen in Zeiten rasanter KI-Entwicklung.
Expansionskurs in der Cloud-Sparte AWS
Abseits der juristischen Auseinandersetzungen treibt Amazon seine technologische Aufrüstung massiv voran. Wie Medienberichten zu entnehmen ist, hat die Cloud-Tochter Amazon Web Services (AWS) ihre Partnerschaft mit Nvidia deutlich erweitert.
In den Jahren 2027 und 2028 plant AWS demnach den Einsatz von zusätzlichen zwei Millionen Hochleistungs-Chips von Nvidia in seinen Rechenzentren. Damit würde die Gesamtzahl der eingesetzten Grafikprozessoren (GPUs) auf über drei Millionen Einheiten steigen.
Diese Investition ist Teil der Strategie, die Führungsposition im Bereich Cloud-Infrastruktur und Künstliche Intelligenz zu festigen. In diesem Zusammenhang steht AWS laut Reuters zudem in frühen Verhandlungen mit dem chinesischen Start-up Moonshot AI. Dabei geht es um Umsatzbeteiligungsvereinbarungen für das Hosting des Modells Kimi K3 auf der AWS-Infrastruktur.
Auch wenn diese Gespräche noch in einem frühen Stadium und unverbindlich sein sollen, zeigen sie die Bestrebungen von Amazon, internationale KI-Modelle exklusiv an die eigene Plattform zu binden.
Finanzielle Lage und Ausblick auf das dritte Quartal
Die finanzielle Basis für diese Milliardeninvestitionen lieferte unter anderem das zweite Quartal 2026. Amazon meldete einen Umsatz von 200,6 Milliarden US-Dollar und einen verwässerten Gewinn je Aktie von 5,75 US-Dollar. Ein wesentlicher Teil des Nettoergebnisses resultierte dabei aus einem nicht-operativen Vorsteuergewinn in Höhe von 53,4 Milliarden US-Dollar, der primär auf die Beteiligung am KI-Unternehmen Anthropic zurückzuführen ist.
Für das laufende dritte Quartal hat das Management einen Nettoumsatz zwischen 197 Milliarden und 202 Milliarden US-Dollar in Aussicht gestellt. Das operative Ergebnis wird in einer Spanne von 22,5 Milliarden bis 26,5 Milliarden US-Dollar erwartet.
Analysten von Bay Area Ideas hatten die Aktie bereits am 26. August auf „Buy“ hochgestuft und dabei insbesondere das beschleunigte Wachstum bei AWS sowie die starken Absatzzahlen des zweiten Quartals hervorgehoben.
Anleger blicken nun auf den Herbst: Die Veröffentlichung der Ergebnisse für das dritte Quartal wird für den 28. oder 29. Oktober erwartet. Bis dahin dürfte die Entwicklung der kartellrechtlichen Auseinandersetzung in den USA einer der bestimmenden Faktoren für die Kursbildung bleiben. Nachdem sich vor rund zwei Wochen Großinvestoren bei Amazon positioniert hatten, hat der Wert seither 2,6 Prozent verloren.
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