Amazon Aktie: Drei Säulen, drei Risiken
Veröffentlicht am: 22.10.2026 um 01:20 Uhr | Redaktion boerse-global.deEvercore hält an seiner positiven Sicht auf Amazon fest. Nach dem vierten Amazon Day Symposium bleibt das Haus bei "Outperform" und bestätigt das Kursziel von 355 Dollar. Die Aktie schloss zuletzt nahezu unverändert bei 262,63 Dollar, der Spielraum nach oben ist also deutlich.
Was Evercore aus dem Symposium mitnimmt
14 Branchenexperten diskutierten fünf Bereiche: Amazon Leo, Retail, Infrastruktur und Logistik, digitale Werbung sowie AWS. Unter den Teilnehmern waren sieben Amazon-Veteranen mit zusammen mehr als 66 Jahren Konzernerfahrung.
Bei AWS hält Evercore ein Wachstum von mindestens Mitte 30 Prozent für nachhaltig. Die Nachfrage soll das Angebot bis 2028 übersteigen, die Margen sollen hoch bleiben. Die Werbung gilt dank Prime Video und Marktanteilsgewinnen weiter als Wachstums- und Margentreiber. Im US-Handel stützen Prime, schnellere Lieferung und Händlerbindung die Position. Frische Lebensmittel könnten ein zusätzliches Feld öffnen.
Das Urteil hängt damit weniger an einem Segment als am Zusammenspiel von Cloud, Werbung und Handel.
Die Zahlen liefern bereits
Im zweiten Quartal wuchs der AWS-Umsatz um 37 Prozent auf 42,2 Milliarden Dollar, das schnellste Tempo seit 18 Quartalen. Die AWS-Marge stieg auf 39,4 Prozent, nach 32,9 Prozent im Vorjahr.
Die Werbeerlöse legten um 26 Prozent zu und wuchsen damit schneller als der Konzernumsatz mit 20 Prozent. Der Konzern steigerte sein operatives Ergebnis um 43 Prozent auf 27,5 Milliarden Dollar.
Wo die Experten uneins sind
Die Panelisten stritten über Agentic Shopping, also Einkäufe über KI-Agenten. Sie sahen entweder ein Risiko für Amazons Erlöse aus der Produktsuche oder eine Partnerschaft wie mit ChatGPT. Logistikexperten hielten es für möglich, dass die Kosten pro Lieferung ihren Tiefpunkt erreicht haben. Die kurzfristige Profitabilität schneller Lebensmittellieferung stellten sie bei den heutigen Warenkorbgrößen infrage.
Bei AWS könnten günstigere offene Modelle die Preisprämie und die Margen belasten. Für Amazon Leo dürften begrenzte Startkapazitäten den Ausbau bis 2030 bremsen. Ein Panelist sah im besten Fall Platz zwei mit 20 bis 25 Prozent Marktanteil.
Auch Hedgefonds-Gründer Ken Griffin spielt in diese Debatte hinein. Er hält eine KI-Blase für "nahezu sicher", rechnet aber damit, dass die Gewinner danach Märkte jahrzehntelang prägen. Zudem erwartet er, dass Unternehmen bei teuren Premium-Modellen genauer hinsehen und häufiger zu günstigen offenen Alternativen greifen.
Am 29. Oktober legt Amazon nach vorläufiger Planung die Zahlen zum dritten Quartal vor. Dann zeigt sich, ob AWS und Werbung das Tempo halten und wie stark die hohen KI-Investitionen den Cashflow belasten.
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