Amazon Aktie: Cashflow-Sorgen belasten Anleger
Veröffentlicht am: 30.10.2026 um 14:33 Uhr | Redaktion boerse-global.deAmazon liefert das schnellste Cloud-Wachstum seit knapp fünf Jahren und wird dafür vom Markt abgestraft. Vorbörslich verlor die Aktie rund sieben Prozent. Der Grund: Die KI-Investitionen fressen den Cashflow auf.
Cloud stark, Bilanz belastet
Die Cloud-Sparte AWS legte im dritten Quartal um 39 Prozent auf 46 Milliarden Dollar zu. Der Konzernumsatz von 201,9 Milliarden Dollar verfehlte die Erwartungen jedoch knapp, ebenso der Gewinn je Aktie von 1,89 Dollar gegenüber erwarteten 1,96 Dollar. Die operative Marge erreichte mit 13,9 Prozent einen Rekord.
Schwerer wiegt der freie Cashflow. Auf Zwölfmonatssicht rutschte er auf minus 42,4 Milliarden Dollar, nach einem Plus von 14,8 Milliarden Dollar im Vorjahr. Hauptgrund sind deutlich höhere Ausgaben für KI-Infrastruktur.
Für 2026 plant Amazon Investitionen von rund 220 Milliarden Dollar. Im Jahr 2027 sollen sie "meaningfully" höher ausfallen. Die Umsatzprognose für das vierte Quartal von 240 bis 247 Milliarden Dollar liegt zudem in der Mitte unter dem Konsens.
Sektorweiter Druck
Amazon steht nicht allein. Alphabet schloss am Donnerstag rund 13 Prozent im Minus, der schwächste Handelstag der Firmengeschichte, ebenfalls wegen ausufernder Investitionen und negativem Cashflow. Intel brach vorbörslich um etwa 25 Prozent ein. Microsoft dagegen legte zu, weil der Konzern cashflow-positiv blieb. Die Nasdaq-Futures gaben zeitweise rund zwei Prozent nach.
Marktbeobachter sehen darin eine Neubewertung des KI-Risikos. Hinzu kommt, dass Fed-Chef Kevin Warsh am 2-Prozent-Inflationsziel festhält und damit Zinssenkungsfantasien dämpft. Das belastet hoch bewertete Wachstumswerte.
Analysten bleiben überwiegend zuversichtlich
Die Kursziele streuen breit, die Grundrichtung bleibt positiv:
- Evercore ISI: 355 Dollar
- KeyBanc: 345 Dollar (zuvor 350 Dollar), Overweight
- Mizuho: 335 Dollar (zuvor 330 Dollar), Outperform
- BofA: 317 Dollar, Buy
- Raymond James: 250 Dollar, Outperform
Mizuho verweist auf ein erwartetes AWS-Wachstum von 40 Prozent jährlich über zwei Jahre, der Konsens liegt bei 34 Prozent. Goldman Sachs senkte das Ziel leicht auf 370 Dollar, Canaccord spricht von einer Überreaktion auf die Ausgaben. KeyBanc sieht AWS bis 2028 mit mindestens 40 Prozent wachsen.
Am Donnerstag schloss die Aktie bei 243,79 Dollar. Vorbörslich notierte sie bei rund 226 Dollar und damit deutlich über dem 52-Wochen-Tief von 196 Dollar. Ob die Marke hält, hängt am Cashflow-Ausweis: Hält Amazon die 2027er-Ausgaben im Rahmen, stützt das die Analystenziele. Steigen sie weiter, bleibt der Druck bestehen.
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