Zuckerabgabe, Bundeskabinett

Zuckerabgabe kommt 2028: Bundeskabinett beschließt Eckwerte

29.04.2026 - 11:57:11 | boerse-global.de

Die Bundesregierung führt eine gestaffelte Zuckersteuer auf Erfrischungsgetränke ein. Jährliche Einnahmen von 450 Millionen Euro sollen die Krankenkassen entlasten.

Zuckerabgabe kommt 2028: Bundeskabinett beschließt Eckwerte - Foto: über boerse-global.de
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Das beschloss das Bundeskabinett am 28. April im Rahmen des Haushalts 2027. Getränke mit weniger als fünf Gramm Zucker pro 100 Milliliter bleiben steuerfrei. Zwischen fünf und acht Gramm werden 26 Cent pro Liter fällig, darüber 32 Cent. Fruchtsäfte sind ausgenommen.

Die jährlichen Einnahmen von rund 450 Millionen Euro sollen die gesetzliche Krankenversicherung entlasten. Finanzminister Lars Klingbeil und Gesundheitsministerin Warken betonten die Notwendigkeit für die Beitragsstabilität.

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Die Ernährungsindustrie kritisiert den Schritt als reines Stopfen von Haushaltslöchern. Mediziner und Organisationen wie Foodwatch feiern ihn dagegen als längst überfälligen Meilenstein. Über 4.000 Ärzte und 1.000 Ernährungsberater forderten in einem Appell die Umsetzung und verwiesen auf Mexiko: Dort sank der Softdrink-Konsum nach einer ähnlichen Abgabe um 37 Prozent.

Die Kosten der Fehlernährung

Hintergrund der Entscheidung sind steigende Gesundheitsausgaben. Experten beziffern die jährlichen Kosten durch zuckerbedingte Krankheiten auf rund 3,5 Milliarden Euro.

Ab 2027 kommt eine weitere Regulierung: Die Gastronomie muss ein staatliches Tierhaltungslogo für Fleisch einführen. Der Dehoga warnt vor erheblichem Bürokratieaufwand für rund 100.000 Betriebe und prognostiziert steigende Preise für Schnitzel und Currywurst.

Warum Abnehmen allein nicht reicht

Eine Studie der Universität Birmingham in „EMBO Reports“ liefert eine ernüchternde Erkenntnis: Adipositas hinterlässt epigenetische Spuren im Immunsystem. Die DNA-Methylierung in den CD4+-T-Zellen speichert den Zustand der Fettleibigkeit – selbst fünf bis zehn Jahre nach erfolgreichem Gewichtsverlust.

Das erklärt, warum das Risiko für Typ-2-Diabetes oder bestimmte Krebsarten auch nach einer Gewichtsreduktion erhöht bleibt. Weder Sport noch moderne Medikamente wie Semaglutid konnten diese Veränderungen kurzfristig rückgängig machen. Als Hauptauslöser identifizierten die Forscher gesättigte Fettsäuren, insbesondere Palmitinsäure.

Die Universität Konstanz untersuchte zudem die unmittelbare Wirkung von Zucker auf das Nervensystem. Ergebnis: Zuckerkonsum verhindert, dass der Körper nach Belastungsphasen in den Entspannungsmodus schaltet. Obwohl die Probanden subjektiv Ruhe empfanden, blieb der Sympathikus aktiv. Experten raten daher, vor Entspannungsübungen auf Zucker zu verzichten.

Protein-Boom und die Antwort auf „Food Noise“

Der Markt für Protein-Produkte wuchs 2025 um 30 Prozent. Ernährungsberaterin Natalie Rizzo warnt jedoch vor einseitiger Fixierung: Rund 89 Prozent der Bevölkerung sind bereits ausreichend mit Proteinen versorgt. Ein Übermaß an künstlich angereicherten Produkten führe zur Vernachlässigung wichtiger Ballaststoffe. Empfohlen werden 1,2 bis 1,6 Gramm Protein pro Kilogramm Körpergewicht.

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Im Fokus steht zunehmend das Phänomen „Food Noise“ – ein permanentes, hormonell bedingtes Verlangen nach Nahrung. Boehringer Ingelheim präsentierte Daten zu seinem Wirkstoff Survodutid. In einer Phase-3-Studie erzielte er einen Gewichtsverlust von 16,6 Prozent über 76 Wochen. Der Fokus liegt auf viszeralem Fett und Lebererkrankungen. Der globale Markt für Abnehmmedikamente wird auf bis zu 150 Milliarden US-Dollar geschätzt.

Globale Trends, lokale Folgen

Weltweit haben bereits 117 Länder ähnliche Zuckersteuern eingeführt. Die WHO empfiehlt maximal 50 Gramm freien Zucker pro Tag. Deutschland liegt beim Pro-Kopf-Verbrauch zuckerhaltiger Getränke mit 125 Litern jährlich europaweit an der Spitze.

Die wissenschaftlichen Befunde zum epigenetischen Gedächtnis des Immunsystems geben der Prävention eine neue Dringlichkeit. Wenn Übergewicht Spuren hinterlässt, die über ein Jahrzehnt nachwirken, gewinnt die frühkindliche Ernährung enorm an Bedeutung.

Auch die Industrie reagiert: Experte Godo Röben prognostiziert eine Verschiebung hin zu pflanzlichen Proteinen – ein Verhältnis von 60 zu 40 Prozent wäre das Ziel. Eine Studie in „Neurology“ mit über 92.000 Teilnehmern zeigt jedoch: Eine pflanzenreiche Ernährung senkt das Demenzrisiko nur um bis zu 12 Prozent, wenn die Qualität stimmt. Ungesunde pflanzliche Ernährung mit viel raffiniertem Zucker erhöht das Risiko sogar um sechs Prozent.

Was bis 2028 passiert

Bis zur Einführung der Zuckerabgabe sind intensive Debatten über die Zweckbindung der Mittel zu erwarten. Ministerpräsident Daniel Günther fordert, die Einnahmen explizit für Kindergesundheit zu reservieren.

Die Pharmaindustrie wird ihre Kapazitäten für GLP-1-Präparate weiter ausbauen. Verbraucherschützer warnen vor neuen Trends wie Ballaststoff-Limonaden, deren Wirkung wissenschaftlich nicht hinreichend belegt ist.

Unternehmen der Ernährungsindustrie müssen ihre Rezepturen anpassen – ein Effekt, der in Großbritannien bereits zur signifikanten Reduktion des Zuckergehalts in Erfrischungsgetränken geführt hat. Die langfristige Herausforderung bleibt die Verhaltensänderung der Konsumenten.

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