Zoll, Verfahren

Zoll stellt Hunderte Verfahren nach deutschlandweiter Bau-Bilanz

21.03.2026 - 00:00:36 | boerse-global.de

Eine großangelegte Schwerpunktaktion des Zolls deckt massive Verstöße gegen Arbeits- und Aufenthaltsrecht in der deutschen Baubranche auf. Mehr als 800 Verfahren wurden eingeleitet.

Zoll stellt Hunderte Verfahren nach deutschlandweiter Bau-Bilanz - Foto: über boerse-global.de
Zoll stellt Hunderte Verfahren nach deutschlandweiter Bau-Bilanz - Foto: über boerse-global.de

Die deutsche Bauwirtschaft steht nach einer großangelegten Schwerpunktkontrolle des Zolls im Fokus. Seit Beginn der koordinierten Aktion am 10. März 2026 wurden mehr als 800 Ermittlungsverfahren eingeleitet. Die Bilanz bis zum 20. März offenbart massive Verstöße gegen Arbeits- und Aufenthaltsrecht.

Über 800 Verfahren nach Kontrollwelle

Die Finanzkontrolle Schwarzarbeit (FKS) setzte rund 3.200 Beamte bundesweit ein. Sie überprüften etwa 8.000 Beschäftigte auf Baustellen und die Geschäftsunterlagen von mehr als 300 Unternehmen. Die vorläufige Ausbeute ist gewaltig: Behörden leiteten etwa 340 Strafverfahren und 500 Bußgeldverfahren ein.

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Zu den häufigsten Vergehen zählen rund 250 Fälle von mutmaßlich illegalem Aufenthalt und 220 Verstöße gegen das Arbeitnehmer-Entsendegesetz. In mindestens 40 Fällen sollen Sozialversicherungsbeiträge vorenthalten worden sein. „Das sind nur die Erstbefunde“, betonen Zollsprecher. Die tiefgehende Auswertung beschlagnahmter Lohn- und Buchhaltungsunterlagen läuft noch.

Fluchtversuche und versteckte Arbeiter

Die regionalen Meldungen der vergangenen Woche lesen sich wie Krimiberichte. Im Kreis Waldshut flohen am 18. März vier Personen von einer Baustelle, um den Kontrollen zu entgehen. Die Polizei stellte sie. Nun laufen vier Strafverfahren wegen illegalen Aufenthalts – plus Ermittlungen gegen den Arbeitgeber wegen Lohnbetrugs und Beihilfe.

Im Saarlouis fanden Beamte mehrere Arbeiter in der dunklen Rohbauhülle eines Gebäudes versteckt. Fünf Männer aus Bosnien, Serbien, Moldau und Georgien wurden vorläufig festgenommen. Sie sollen ohne erforderliche Genehmigung gearbeitet haben. In Dortmund und Gelsenkirchen deckten 114 Beamte 44 mutmaßliche Mindestlohnverstöße auf. In Bielefeld fanden sich 17 Fälle illegaler Auslandsbeschäftigung und fünk Verdachtsfälle von Scheinselbstständigkeit.

Kampf gegen Lohn-Dumping und Sozialbetrug

Ein Kernziel der Aktion war die Durchsetzung des gesetzlichen Mindestlohns. Seit 1. Januar 2026 gilt bundesweit ein Bruttostundenlohn von 13,90 Euro. Der Zoll prüfte auch die Einhaltung höherer, branchenspezifischer Mindestlöhne etwa im Dachdecker-, Gerüstbauer- oder Malerhandwerk.

Private Absprachen unterhalb dieser Schwellen sind nichtig und können hohe Geldstrafen nach sich ziehen. Besonderes Augenmerk lag auf der Scheinselbstständigkeit. Dabei stufen Unternehmen Beschäftigte vorsätzlich falsch als Freiberufler ein, um Sozialabgaben und Arbeitnehmerschutz zu umgehen.

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Bau als Problembranche – hoher wirtschaftlicher Schaden

Die Baubranche gilt als anfälligste Branche für Verstöße gegen das Arbeitsrecht. Die aktuellen Zahlen fügen sich in ein bekanntes Bild: Schon 2025 leitete die FKS in Bauhaupt- und -nebengewerben über 10.000 Strafverfahren ein. Rund 60 Prozent des gesamten, vom Zoll aufgedeckten finanziellen Schadens entfiel im Vorjahr auf diesen Sektor.

Experten warnen vor der doppelten Schadwirkung. Schwarzarbeit und illegale Beschäftigung entziehen den Sozialkassen wichtige Beiträge. Zugleich schaffen sie unfaire Wettbewerbsvorteile für unseriöse Firmen. Ehrliche Betriebe können mit den gedrückten Lohnkosten nicht mithalten.

Die Justiz geht scharf gegen systematische Verstöße vor. Das Landgericht Dortmund verhängte kürzlich eine fast dreijährige Haftstrafe in einem Lohnbetrugsfall von 2,7 Millionen Euro.

Lange Nachwirkungen der Kontrollen

Die Baustellen-Razzien waren nur der erste Akt. In den kommenden Wochen und Monaten werten FKS-Experten die beschlagnahmten Dokumente detailliert aus. Sie vergleichen Stundenzettel, Lohnkonten und Kontoauszüge. Weitere Unregelmäßigkeiten und Strafverfahren sind wahrscheinlich.

Fälle illegalen Aufenthalts gehen an die Ausländerbehörden. Sie entscheiden über die weiteren rechtlichen und aufenthaltsrechtlichen Konsequenzen. Für betroffene Unternehmen droht mehr als eine Geldstrafe. Bei schweren Verstößen und Sozialbetrug riskieren sie den langfristigen Ausschluss von lukrativen öffentlichen Aufträgen. Die Behörden wollen vorenthaltene Beiträge zurückholen und abschrecken.

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