Wohnungsmarkt: Defizit erreicht historische Höchstmarke
16.02.2026 - 16:31:12Deutschland fehlen aktuell 1,4 Millionen Wohnungen. Das belegen neue Daten des Pestel-Instituts und das Frühjahrsgutachten der Immobilienweisen. Trotz leichter Erholungssignale in der Baubranche klafft eine riesige Lücke – Verbände warnen vor einer „strukturellen Krise“.
Die Zahlen sprechen eine klare Sprache
Das Defizit von 1,4 Millionen Einheiten betrifft längst nicht mehr nur Ballungszentren, sondern frisst sich in die Fläche. Besonders drastisch ist die Lage in Nordrhein-Westfalen (ca. 376.000 fehlende Wohnungen) und Bayern (ca. 233.000). Um die Lücke bis 2030 zu schließen und die laufende Nachfrage zu decken, wären jährlich 400.000 bis 410.000 Neubauten nötig.
Die Realität sieht anders aus: Für 2026 prognostizieren Experten lediglich rund 200.000 Fertigstellungen. Das ist nur die Hälfte des benötigten Volumens. Selbst optimistische Szenarien der Bauindustrie gehen nur von einer Stabilisierung auf diesem niedrigen Niveau aus.
Eine strukturelle Krise, keine kurze Delle
Das Gutachten des Zentralen Immobilien Ausschusses (ZIA) attestiert der Branche eine tiefgreifende, strukturelle Schwäche. Zwar rechnet der Zentralverband Deutsches Baugewerbe für 2026 erstmals wieder mit einem leichten Umsatzplus – getrieben von Tiefbau und Infrastruktur. Der klassische Wohnungsbau hinkt jedoch hinterher.
Die Probleme sind vielfältig:
* Baugenehmigungen liegen deutlich unter Vor-Krisen-Niveau.
* Gestiegene Baukosten und hohe regulatorische Hürden bremsen Projekte aus.
* Viele genehmigte Vorhaben werden nicht realisiert, der „Bauüberhang“ schwindet.
Politischer Streit verschärft die Lage
Die Brisanz der Zahlen wird durch den aktuellen Konflikt um das „Klimaschutzprogramm 2026“ verschärft. Der Spitzenverband der Wohnungswirtschaft GdW übt scharfe Kritik an den Regierungsplänen. Verbandspräsident Axel Gedaschko warnt: Ambitionierte Klimaziele seien ohne verlässliche Finanzierung zum Scheitern verurteilt.
Branchenvertreter bemängeln eine verunsichernde „Stop-and-Go“-Politik bei Fördermitteln. Das Bündnis „Soziales Wohnen“ fordert einen „Bund-Länder-Pakt“, der den sozialen Wohnungsbau zur Chefsache macht. Der Bedarf ist enorm: Laut Mieterbund könnten in den kommenden Jahren rund zwei Millionen preisgebundene Wohnungen fehlen.
Warum der „Bau-Turbo“ verpuffte
Noch vor zwei Jahren setzte die Politik auf Maßnahmenpakete und einen „Bau-Turbo“. Diese Hoffnungen zerbrachen an der Realität aus Zinswende und Materialkosteninflation. Die aktuelle Krise ist komplexer als frühere Wohnungsnot-Phasen: Es mangelt nicht an Land oder Kapazität, sondern an wirtschaftlicher Darstellbarkeit.
Mieten im Neubau müssten oft über 20 Euro pro Quadratmeter liegen, um kostendeckend zu sein – ein Preis, der für viele unerschwinglich ist.
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Keine schnelle Entspannung in Sicht
Für Wohnungssuchende gibt es keine baldige Entwarnung. Der Vorlauf von der Planung bis zur Fertigstellung beträgt im Geschosswohnungsbau oft über 30 Monate. Selbst eine sofortige Investitionswelle würde erst 2028/29 neue Wohnungen bringen.
Der Druck auf die Bestandsmieten dürfte weiter steigen, weil Ausweichmöglichkeiten fehlen. Die Branche blickt nun gespannt auf Nachbesserungen am Klimaschutzprogramm und neue Impulse aus dem Bauministerium. Die Frage bleibt: Kann der drohende dauerhafte Stillstand noch abgewendet werden?
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