Warum Alstoms Coradia iLint jetzt mehr als ein Versuch ist
17.06.2026 - 19:55:18 | ad-hoc-news.deVerantwortlich: ad hoc news Fachredaktion Zubehoer & Komponenten. Vor der Veroeffentlichung am 17.06.2026, 19:52 Uhr geprueft. Details im Impressum.
Der Coradia iLint von Alstom wirkt von außen wie ein moderner Regionalzug, aber wenn er anrollt, fehlt das gewohnte Dieselbrummen, statt Abgasfahnen steigt nur feiner Wasserdampf in die kühle Morgenluft. Wer einsteigt, hört vor allem das Surren der Elektromotoren und merkt: Hier fährt Wasserstoff, nicht Diesel.
Hintergruende zur Alstom-Aktie und Wasserstoffschiene
Wie stark Alstom auf alternative Antriebe setzt und welche Rolle der Coradia iLint im Konzernportfolio spielt, laesst sich im Zusammenspiel von Produkt-News und Unternehmenskennzahlen besser einordnen.
Was den Wasserstoff-Zug ausmacht
Technisch steckt im Coradia iLint ein Elektrozug mit Brennstoffzelle auf dem Dach, die Wasserstoff in Strom fuer die Fahrmotoren und die Bordnetze umwandelt. Der Tank fasst genug Gas fuer Reichweiten von bis zu rund 1.000 Kilometern pro Fuellung.
Alstom hat den Zug speziell fuer nicht elektrifizierte Regionalstrecken entwickelt, auf denen sich Oberleitungen wirtschaftlich kaum lohnen. Hier ersetzt der iLint klassische Dieseltriebwagen und soll Emissionen und Laerm deutlich senken.
Im Alltag auf der Strecke
Bekannt wurde der Coradia iLint vor allem in Niedersachsen, wo er im Netz rund um Cuxhaven und Bremervoerde im regulaeren Fahrgastbetrieb unterwegs war. Fahrgaeste berichten von einer gelasseneren, ruhigeren Fahrt, weil das Motorengedroehn fehlt.
Auch in weiteren Laendern wurden Test- und Pilotbetriebe gestartet, etwa in Oesterreich, Italien und Frankreich. Fuer Betreiber ist spannend, dass der Zug in bestehende Regionalnetze integriert werden kann, solange Wasserstofftankstellen strategisch platziert sind.
Staerken und praktische Grenzen
Die grosse Staerke des Coradia iLint ist sein lokal emissionsfreier Betrieb: Es entstehen im Fahrbetrieb nur Wasserdampf und Waerme, keine CO2- oder Stickoxid-Abgase wie beim Dieselzug. Das macht ihn fuer Regionen mit Luftqualitaetszielen besonders attraktiv.
Gleichzeitig haengt die Klimabilanz stark davon ab, wie der Wasserstoff erzeugt wird. Gruener Wasserstoff ist knapp und teuer, grauer Wasserstoff reduziert zwar lokal die Emissionen, verschiebt sie aber lediglich in vorgelagerte Industrien und Kraftwerke.
Wie sich der Zug anfuehlt
Im Innenraum fuehlt sich der Coradia iLint wie ein aktueller Regionalzug an: grosse Fenster, LED-Beleuchtung, uebersichtliche Informationsdisplays. Beim Anfahren merkt man die Elektrodynamik, der Zug zieht gleichmaessig an, ohne das Ruckeln alter Dieseltriebwagen.
Die Geraeusche konzentrieren sich auf Fahrwerks- und Windgeraesche, gerade auf freier Strecke wirkt die Fahrt fast unerwartet leise. Wer neben der Strecke steht, nimmt den Zug eher als gleitende Bewegung wahr, nicht als lautstarken Koloss.
Wirtschaftliche Perspektive fuer Betreiber
Fuer Verkehrsbetriebe stellt sich die Frage, ob sie lieber in Wasserstoffzuege wie den Coradia iLint oder in batterieelektrische Triebwagen investieren. Die Antwort haengt von Streckenlaengen, Taktung und der existierenden Infrastruktur ab.
Wasserstoff bietet Vorteile bei langen, duennen Linien, bei denen Batterien schnell an Grenzen stossen wuerden. Dagegen koennen Akkuzuege auf kuerzeren, dichter befahrenen Strecken mit Zwischenladungen wirtschaftlicher sein.
Wo der Coradia iLint aneckt
Ein Knackpunkt bleibt der Aufbau einer verlaesslichen Wasserstoffversorgung entlang der Strecken. Tankanlagen, Logistik und gegebenenfalls Elektrolyseure kosten zusaetzlich und muessen in ohnehin knappe Oeffi-Budgets passen.
Hinzu kommt, dass die Technologie noch jung ist und Betreiber Erfahrungen sammeln muessen: Wie verhalten sich Kosten fuer Wartung und Brennstoffzellenueberholung im Lebenszyklus, wie robust ist das System im harten Winterbetrieb?
Alstom im Wettbewerb um die gruenere Schiene
Der Coradia iLint ist nur ein Baustein in Alstoms Strategie, emissionsarme Zugflotten fuer unterschiedlichste Netze anzubieten. Neben Wasserstoff setzt das Unternehmen auf batteriebetriebene Regionalzuege und klassische Elektroloks fuer elektrifizierte Korridore.
Damit positioniert sich Alstom als Partner fuer Bahnbetreiber, die ihren CO2-Fussabdruck senken muessen, aber mit sehr unterschiedlichen Ausgangslagen kaempfen. Vom dicht elektrifizierten Netz bis zur laendlichen Dieselstrecke soll sich fuer jede Situation ein Zug finden.
Einordnung fuer Anleger und Branche
Im Ergebnis zeigt der Coradia iLint, wie ernst Alstom das Thema alternative Antriebe nimmt und wie frueh der Konzern bereit war, Wasserstoff auf die Schiene zu bringen. Fuer Bahnbetreiber ist das ein Signal, dass mittelfristig echte Dieselalternativen bereitstehen koennen.
Die Aktie von Alstom S.A. (FR0010220475) notiert an der Euronext Paris; sie spiegelt die Chancen durch neue Antriebskonzepte ebenso wider wie die Investitionszyklen im weltweiten Bahngeschaeft.
Wesentliche Fakten zum Coradia iLint
- Produkt: Coradia iLint Wasserstoffzug
- Hersteller: Alstom S.A.
- Kategorie: Zubehoer/Ersatzteil - alternative Antriebstechnologie im Regionalverkehr
- Markteinfuehrung: erste Kundenverkehre ab Ende 2018
- UVP / Preis: nicht offiziell kommuniziert, projektspezifische Angebote
- Verfuegbarkeit: fuer Regionalnetze in mehreren europaeischen Laendern im Rahmen von Flottenprojekten
- Zielgruppe: oeffentliche und private Bahnbetreiber auf nicht elektrifizierten Strecken
- Besonderheit / USP: lokal emissionsfreier Betrieb mit Brennstoffzellenantrieb und Wasserstofftanks statt Diesel
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