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VW und Bahn: Goldene Fallschirme trotz Krisen

13.03.2026 - 00:00:15 | boerse-global.de

Während VW spart und die Bahn kämpft, sorgen hohe Abfindungen für Ex-Manager für öffentliche Kritik und stellen die Vergütungssysteme in Schlüsselindustrien infrage.

VW und Bahn: Goldene Fallschirme trotz Krisen - Foto: über boerse-global.de
VW und Bahn: Goldene Fallschirme trotz Krisen - Foto: über boerse-global.de

Während VW spart und die Bahn kämpft, sorgen Millionenzahlungen an scheidende Vorstände für öffentliche Empörung. Die Praxis wirft grundlegende Fragen zu Gerechtigkeit und Verantwortung in Deutschlands Schlüsselindustrien auf.

Volkswagen: Großzügige Abfindungen im Sparmodus

Der Wolfsburger Autoriese steckt mitten in der teuren Transformation zur Elektromobilität. Gleichzeitig eskaliert der interne Streit um milliardenschwere Sparprogramme. Vor diesem Hintergrund geraten vergangene Abfindungszahlungen in Höhe von über 40 Millionen Euro an mehrere Ex-Vorstände erneut in die Kritik.

Die Diskrepanz ist eklatant: Während für die Belegschaft der Sparkurs gilt, öffnen sich für das Top-Management weiterhin „goldene Fallschirme“. Erst Anfang März spitzte sich der Konflikt mit dem Betriebsrat über die geplanten Kürzungen zu. Kritiker monieren, dass die Vergütungssysteme zu wenig an langfristigen Erfolg und Mitarbeiterzufriedenheit gekoppelt sind.

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Deutsche Bahn: Staatskonzern unter besonderer Beobachtung

Als bundeseigenes Unternehmen steht die Bahn in der Pflicht – und unter dem Brennglas der Öffentlichkeit. Rekordverspätungen, marode Infrastruktur und milliardenschwere Steuerspritzen prägen das Bild. Die Abfindung des ehemaligen Vorstandsvorsitzenden Richard Lutz in Höhe von 2,4 bis 2,8 Millionen Euro sorgte daher für massive Kritik.

Die Summe mag im DAX-Vergleich moderat sein. Doch wie ist sie zu rechtfertigen, wenn der Konzern seine Kernaufgaben nur unzureichend erfüllt? Die Logik, dass ein Manager für sein vorzeitiges Ausscheiden nach einer mangelhaften Bilanz zusätzlich honoriert wird, ist für viele Bürger nicht nachvollziehbar.

Vertragliche Absicherung statt Verantwortung

Rechtlich sind die Millionenabfindungen in den Vorstandsverträgen verankert. Vom Aufsichtsrat ausgehandelt, sichern sie oft die Bezüge für die Restlaufzeit bei vorzeitigem Ausscheiden. Das Ziel: Hochkarätige Manager gewinnen und Rechtsstreitigkeiten vermeiden.

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In der Praxis führt dies jedoch zu einem paradoxen Effekt. Die Trennung von einem Manager wird für das Unternehmen teuer – selbst wenn seine Leistung nicht überzeugte. Corporate-Governance-Experten kritisieren seit langem diese falschen Anreize. Statt Verantwortungskultur werde eine Kultur der finanziellen Absicherung für die Führungsetage gefördert.

Grundsatzdebatte um soziale Gerechtigkeit

Die Diskussion geht weit über VW und Bahn hinaus. Sie ist eine Grundsatzfrage für die soziale Marktwirtschaft. Das Gefühl wachsender Ungleichheit schadet dem gesellschaftlichen Zusammenhalt: Top-Manager sind bei Misserfolg abgesichert, während Mitarbeiter um Jobs bangen und Kunden die Konsequenzen tragen.

Dieser Vertrauensverlust in die Wirtschaftsspitzen treibt die Debatte voran. Aktionärsvertreter fordern eine stärkere Koppelung der Vergütung an nachhaltige Erfolge. Die entscheidende Kontrollfunktion liegt bei den Aufsichtsräten.

Neue Regeln – mehr als Symbolpolitik?

Der Gesetzgeber hat reagiert. Mit dem Gesetz zur Umsetzung der zweiten Aktionärsrechterichtlinie (ARUG II) wurde das „Say on Pay“ eingeführt. Die Hauptversammlung muss nun regelmäßig über das Vergütungssystem abstimmen – das Votum erhöht den Druck auf die Aufsichtsräte.

Zudem empfiehlt der Deutsche Corporate Governance Kodex Malus- und Clawback-Klauseln. Sie erlauben es, variable Vergütung bei Pflichtverletzungen oder schlechten Ergebnissen einzubehalten oder zurückzufordern. Sowohl die Bahn als auch VW haben solche Regelungen inzwischen verankert.

Doch die entscheidende Frage bleibt: Werden diese Instrumente in der Praxis auch konsequent angewendet? Die Glaubwürdigkeit der deutschen Corporate Governance steht auf dem Prüfstand.

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