VW und Arbeitnehmer treffen sich am 30. September
Veröffentlicht am: 23.09.2026 um 16:46 Uhr | dpa, AD HOC NEWSAm 30. September treffen sich Vertreter des Unternehmens, der IG Metall und des Betriebsrats zu einem sogenannten Überprüfungsgespräch in Hannover, wie die Deutsche Presse-Agentur aus Kreisen der Verhandler erfuhr. Zuvor hatte das "Handelsblatt" über den Termin berichtet.
Bei dem Gespräch soll es um die Frage gehen, ob und wie VW DE0007664039 die Zusagen aus dem Zukunftstarifvertrag 2024 weiter einhält. Der Abschluss war hart erkämpft worden. Erst nach Warnstreiks und einem einwöchigen Verhandlungsmarathon kurz vor Weihnachten gab es eine Einigung. Der Kompromiss sieht den Abbau von 35.000 Jobs in Deutschland bis 2030 vor. Zudem wurden Bonuszahlungen und Zulagen gekürzt und Lohnerhöhungen auf Eis gelegt. VW verzichtet im Gegenzug auf betriebsbedingte Kündigungen und Werkschließungen - und sagte Investitionen und neue Produkte für die deutschen Standorte zu.
Zweifel an den Zusagen
Diese Abmachungen sehen IG Metall und Betriebsrat angesichts der deutlich verschärften Sparpläne des Konzerns in Gefahr. Äußerungen des VW-Vorstands hätten erhebliche Zweifel daran geweckt, ob das Unternehmen an den vereinbarten Investitions- und Produktzusagen uneingeschränkt festhalten will, hieß es. Daher hatten die Arbeitnehmer Mitte September eine Klausel des Tarifvertrags gezogen - und damit das Gespräch erzwungen. Bislang war nur bekannt, dass das Treffen noch bis Monatsende stattfinden muss.
Der niedersächsische IG-Metall-Chef und VW-Verhandlungsführer Thorsten Gröger sagte damals: "Vertragstreue ist keine Einbahnstraße". Man akzeptiere keine Politik des Aufschiebens, Relativierens oder Verwischens verbindlicher Zusagen. Die Zugeständnisse der Belegschaft aus der Auseinandersetzung 2024 gab es laut VW-Betriebsratschefin Daniela Cavallo nicht zum Nulltarif: "Deshalb erwarten wir, dass diese Vereinbarungen Bestand haben".
VW verweist auf veränderte Lage
Volkswagen hatte das Gespräch wenig später begrüßt und darauf verwiesen, dass sich die Rahmenbedingungen in der Autoindustrie in den vergangene eineinhalb Jahren grundlegend verändert haben: Geopolitische Spannungen, Handelsbarrieren, wachsender Preisdruck durch chinesische Hersteller und der schnelle Wandel bei Technologien setzten das Geschäft unter Druck.
Das Gespräch sei notwendig, um sich den zusätzlichen Herausforderungen der Branche zu stellen. "Vorstand und Aufsichtsrat sind übereinstimmend der Überzeugung, dass die Ende 2024 vereinbarten Maßnahmen nicht ausreichen, um die gemeinsam vereinbarte operative Umsatzrendite von neun Prozent zu erwirtschaften", hieß es damals. Den Vorwurf, bestehende Vereinbarungen zu verletzen, wies Marken-Personalvorstand Arne Meiswinkel in einem internen Interview aber zurück. Das sei "schlichtweg falsch".
Konzern steht vor historischem Umbau
Der Aufsichtsrat hatte sich Anfang September auf einen "Zukunftsplan" des Vorstands geeinigt. Das finanzielle Kernziel: Von 100 Euro Umsatz sollen bis 2030 neun Euro operativer Gewinn übrig bleiben. Zum Halbjahr waren es 3,80 Euro. Das Management um VW-Chef Oliver Blume hat ein Mandat dafür, den Autokonzern umzubauen und Milliarden einzusparen.
Weltweit will der Vorstand in den kommenden Jahren unter anderem 50.000 Stellen streichen - zusätzlich zu bisherigen Abbauplänen im Konzern. Marken und Gesellschaften sind demnach beauftragt, das auszuplanen. Die Hälfte könnte auf deutsche Standorte entfallen. Konkrete Programme müssen aber erst mit Arbeitnehmervertretern ausgehandelt werden.
Darüber hinaus ist die Zukunft der VW-Werke in Emden, Hannover und Zwickau sowie des Audi-Standorts Neckarsulm weiter offen. Die Aufseher haben dem Vorstand aufgetragen, bis Mitte 2027 ein Konzept für die Produktionsstruktur in Europa zu erarbeiten. Für die bedrohten Werke werden "parallel und ergänzend alternative Verwendungsmöglichkeiten geprüft", hieß es.
