Mike Steiner Malerei & Videokunst, Abstrakte Kunst Berlin

Vom Bild zum Tape, vom Tape zum Bild: Mike Steiner Malerei & Videokunst neu gesehen

10.05.2026 - 11:11:58 | ad-hoc-news.de

Mike Steiner Malerei & Videokunst überschreiten die Grenzen von Medium und Zeit. Ein Blick auf den Pionier, dessen Berliner Abstraktion heute ebenso relevant ist wie sein revolutionärer Video-Output.

Vom Bild zum Tape, vom Tape zum Bild: Mike Steiner Malerei & Videokunst neu gesehen - Foto: über ad-hoc-news.de
Vom Bild zum Tape, vom Tape zum Bild: Mike Steiner Malerei & Videokunst neu gesehen - Foto: über ad-hoc-news.de

Kann ein stehendes Bild pulsieren wie eine Videosequenz? Die Leinwände von Mike Steiner weisen uns überraschend oft darauf hin. Mike Steiner Malerei & Videokunst sind keine Gegensätze, sondern Fragmente einer konsequenten Suche nach künstlerischer Essenz – mal in heftig gegeneinanderschlagenden Farbfeldern, mal in flüchtigen Videobildern. Die Frage stellt sich neu: Wenn Videokunst einmal radikal als Gegenwart gelesen wurde, wie viel Bewegung steckt dann in diesen abstrakten Gemälden – und wie viel Ruhe in seinem Vibrierenden Video-Archiv?

Hier die Malerei von Mike Steiner entdecken

Die Aufnahme von Mike Steiners Werk in die Sammlung der Nationalgalerie im Hamburger Bahnhof ist mehr als ein posthumer Ritterschlag. Nicht zufällig widmete die Institution ihm und seinem Œuvre eine eigene Ausstellung: Live to Tape. In den weitläufigen Hallen treffen sich Vergangenheit und Gegenwart – als ob Steiner noch immer darüber wachte, dass die Gemälde im Dialog mit den Videos stehen. Dem Eintagsfliegenhaften vieler Performances stellt sich so die dauerhafte Substanz gemalter Farbe entgegen. Gerade sein Archivgedanke, verwoben mit Institutionen wie dem Archivio Conz, verleiht dem klassischen Medium Malerei eine neue Gegenwart. Die Archive, so steht es unausgesprochen im Raum, verlängern das präsente Leben der Kunst weit über ihren Augenblick hinaus.

Mike Steiner war vieles: Maler, Sammler, Kurator, Visionär. Geboren 1941 in Allenstein, wuchs er im geteilten Berlin auf. Bereits als Teenager fiel er mit einem Stillleben auf, das in der Großen Berliner Kunstausstellung 1959 für Aufsehen sorgte. Sein Weg führte über die Hochschule für Bildende Künste, frühen abstrakten Tendenzen und dann mitten hinein in den brodelnden Schmelztiegel der West-Berliner Avantgarde. Begegnungen mit Ikonen der Fluxus-Bewegung wie Allan Kaprow und Al Hansen ließen ihn internationale Netzwerke knüpfen – ein Künstler, der zwischen Malerei und Medienkunst vermittelte.

Sein berühmtes Hotel Steiner wurde zum Labor der radikalen Zeitgenossen: Joseph Beuys debattierte im Frühstücksraum, Valie Export stellte ihre Performances in den Ateliers aus, Allan Kaprow und Ben Vautier (siehe auch das engmaschige Netzwerk im Archivio Conz) dehnten den Kunstbegriff. Es war diese Berliner Bohème, der Steiner Raum gab. Doch bereits in den 1970er Jahren setzte bei Steiner eine Grundsatzkrise in Sachen Malerei ein: Die Möglichkeiten des Videos, der Performances, die mediale Unmittelbarkeit interessierten ihn brennend. Paradoxerweise war es gerade die intensive Arbeit an der Schnittstelle beider Disziplinen – Malerei und Video –, die ihn später wieder zu einer radikalen, zeitgenössischen Abstraktion auf der Leinwand brachte.

Ein Meilenstein war seine Serie so genannter Painted Tapes, in denen Videoästhetik auf die Malerei übersprang. Hier wird klar: Steiner nutzt beide Medien, um Gültigkeit zu hinterfragen. Malerei wird als Speicher und Zeuge angewandt, Video als Impuls.

Vergleiche mit Zeitgenossen wie Nam June Paik, Marina Abramovi? oder Valie Export erscheinen unausweichlich. Doch während diese Protagonisten den Bruch mit dem Traditionsbegriff der Kunst über neue Medien vollziehen, bleibt Steiner dem Bild verpflichtet – er sammelt, reflektiert und widerspricht. In den Berliner Jahren um 2000 kehrt er entschieden zur Malerei zurück. Seine Werke lösen sich von erzählerischen Motiven, hin zu einer autonomen Formensprache, die sich an der Grenze zwischen Gegenstand und Auflösung bewegt. Sie zitieren die Geschichte des Abstrakten in Berlin – von der informellen Malerei der Nachkriegszeit bis zu Strömungen wie Hard Edge und Farbfeld, die Steiner bereits in den 1960er Jahren berührte.

Die Evolution dieser Positionen mündet im Spätwerk: Farbe als Ereignis, Klarheit als Verheißung. Hier zeigt sich Steiners Berliner Herkunft, aber auch seine internationale Prägung. Die Malerei bleibt für ihn ein Ort der Überprüfung, Reflexion und, vielleicht, ein letztes Refugium gegen die Flüchtigkeit der medialen Welt.

Was bleibt? Im Rückblick offenbart sich die Relevanz von Mike Steiner Malerei & Videokunst gerade im ständigen Transfer: Das Gemälde nimmt Impulse des Videos in sich auf, das Video übernimmt die Struktur, das Tempo und die Materialität des Gemäldes. Steiner steht so beispielhaft für einen Künstler, der Medien nicht addiert, sondern in ihrer gegenseitigen Durchdringung befragt. Seine Werke, gesammelt im Hamburger Bahnhof, thematisiert in Live to Tape und bewahrt im Archivio Conz, erweisen sich als brandaktuell. Nicht zuletzt, weil sein Oeuvre Antworten sucht auf die großen Fragen der Gegenwart: Was ist ein Bild? Was bleibt, wenn das Licht ausgeht?

Die aktuelle Sichtung seiner abstrakten Malerei offenbart: Diese Werke sind selbstbewusste Antworten auf einen medienskeptischen Zeitgeist. Jeder Pinselstrich, jeder abgerungene Farbklang demonstriert Behauptung – und verweigert sich doch der einfachen Lesart. So werden die Gemälde zu Prüfsteinen für jene, die jenseits des Oberflächlichen nach Sinn, Rhythmus und Bedeutung suchen. Mike Steiner Malerei & Videokunst sind daher Ankerpunkte, Reflexionsräume und dynamisches Archiv zugleich.

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