USA, Rohstoff-Allianz

USA und EU schmieden strategische Rohstoff-Allianz gegen China

25.04.2026 - 14:00:42 | boerse-global.de

Washington und Brüssel einigen sich auf strategische Rohstoffpartnerschaft. Ziel ist die Reduzierung der Abhängigkeit von chinesischen Exporten.

USA und EU schmieden strategische Rohstoff-Allianz gegen China - Foto: über boerse-global.de
USA und EU schmieden strategische Rohstoff-Allianz gegen China - Foto: über boerse-global.de

Das Abkommen soll die Abhängigkeit von chinesischen Exporten reduzieren – und markiert eine seltene Einigkeit zwischen Washington und Brüssel.

Bei hochrangigen Gesprächen am 24. und 25. April unterzeichneten US-Außenminister Marco Rubio und EU-Handelskommissar Maroš Šef?ovi? ein entsprechendes Memorandum of Understanding (MoU) samt Aktionsplan. Ziel ist es, Handelspolitiken zu koordinieren, gemeinsame Standards zu etablieren und möglicherweise Mindestpreise für essenzielle Rohstoffe einzuführen – etwa für die Verteidigungs-, Halbleiter- und Elektroautoindustrie.

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Rohstoffe als strategisches Druckmittel

Die aktuelle Überkonzentration dieser Ressourcen in einem einzigen Markt stelle ein unannehmbares Risiko für die nationale Sicherheit dar, betonte Rubio. Peking hatte zuletzt selbst Exportbeschränkungen für verschiedene Hochtechnologie-Mineralien verhängt.

Der Aktionsplan, den US-Handelsbeauftragter Jamieson Greer und seine europäischen Kollegen beaufsichtigen, sieht unter anderem die Koordinierung strategischer Reserven vor. Auch grenzüberschreitende Mindestpreise sind im Gespräch – ein Mechanismus, der verhindern soll, dass heimische Industrien durch Billigimporte aus nicht-marktwirtschaftlichen Ländern unter Druck geraten. Bereits vor Ende 2026 könnten erste Pilotprojekte starten, ähnlich einer Vereinbarung zwischen den USA und Japan vom März.

Harmonisierte Standards für Bergbau und Verarbeitung sind ein weiterer Kernpunkt. Durch angeglichene Subventionen und Umweltauflagen wollen die USA und die EU einen widerstandsfähigeren transatlantischen Markt für Batterie-Rohstoffe und Militärtechnik schaffen.

Doch die neue Harmonie hat Grenzen: Europäische Hersteller zahlen weiterhin 50 Prozent US-Zölle auf Stahl und Aluminium. Immerhin: Die Gespräche über diese Abgaben sollen sich in eine positive Richtung bewegen.

US-Kongress verschärft Exportkontrollen für Chip-Technologie

Parallel zum Rohstoffdeal treibt das US-Repräsentantenhaus die Verschärfung von Exportkontrollen für Halbleitertechnik voran. Ein Ausschuss hat rund 20 Maßnahmen gebilligt, die Chinas Zugang zu modernen Chips und Fertigungsanlagen einschränken sollen.

Darunter der Match Act von Abgeordnetem Michael Baumgartner, der US-Exportbeschränkungen mit denen internationaler Verbündeter harmonisieren will. Der Stop Stealing Our Chips Act setzt Anreize für Whistleblower, während der Deterring American AI Model Theft Act Sanktionen gegen chinesische KI-Firmen vorsieht.

Peking reagierte scharf. Ein Sprecher des Handelsministeriums warnte vor einer Überdehnung des nationalen Sicherheitsbegriffs, die globale Lieferketten stören würde. China werde notwendige Maßnahmen zum Schutz seiner Interessen ergreifen.

Die Spannungen verschärfen sich durch Verzögerungen bei Exportlizenzen des US-Industrie- und Sicherheitsbüros (BIS). Viele Halbleiterfirmen berichten von ungewöhnlich langen Wartezeiten – mit Verlusten in dreistelliger Millionenhöhe. US-Wirtschaftsminister Howard Lutnick wollte sich vor dem Kongress nicht zur Wiedereinführung bestimmter Exportregeln äußern, stellte aber klar: Keine H200-Chips seien nach China exportiert worden.

US-Sanktionen: Keine Ausnahmen mehr für russisches und iranisches Öl

Das US-Finanzministerium verschärft zudem den Kurs bei Energiesanktionen. Finanzminister Scott Bessent bestätigte: Die Ausnahmegenehmigungen für russische und iranische Ölimporte werden nicht verlängert. Eine befristete Ausnahme im März diente der Stabilisierung der Weltmärkte, als der Ölpreis über 100 Dollar pro Barrel stieg. Inzwischen sei die russische Ölmenge auf dem Wasser weitgehend absorbiert, so Bessent. Weitere Ausnahmen seien nicht nötig – obwohl iranische Offizielle warnen, die Produktion müsse wegen der verschärften Blockade binnen Tagen gedrosselt werden.

Deutschland reagiert mit Tankrabatt und Krisenprämie

Die geopolitischen Verwerfungen – insbesondere der Iran-Konflikt seit Ende Februar 2026 – treffen auch den europäischen Markt. Der Bundestag und Bundesrat haben eine befristete Energiesteuersenkung verabschiedet: den sogenannten Tankrabatt. Vom 1. Mai bis Ende Juni sinken die Steuern auf Benzin und Diesel um rund 17 Cent pro Liter. Grund: Die Spritpreise erreichten Ende April über 2,15 Euro pro Liter für Diesel.

Zusätzlich führen die Abgeordneten eine steuerfreie Krisenprämie von bis zu 1.000 Euro ein. Arbeitgeber können diese bis Mitte 2027 freiwillig an Beschäftigte zahlen. Branchenverbände und Wirtschaftsforscher kritisieren die Maßnahme jedoch als ungerecht für kleinere Unternehmen.

US-Zollrückzahlungen: CAPE-Portal gestartet

Nach einem Urteil des Obersten US-Gerichtshofs im Februar 2026, das bestimmte Zölle für illegal erklärte, hat der US-Zoll- und Grenzschutz (CBP) am 19. April das CAPE-Portal gestartet. Importeure können dort Rückerstattungen bereits gezahlter Abgaben beantragen. Die Bearbeitung soll 60 bis 90 Tage dauern.

EU bereitet neue Zoll- und Digitalregeln vor

Die EU rüstet sich ebenfalls für regulatorische Änderungen. Ab 1. Juli 2026 gilt ein Pauschalzoll von 3 Euro pro Kategorie für kleine E-Commerce- und Postsendungen aus Nicht-EU-Ländern mit einem Warenwert bis 150 Euro. Die bisherige Zollfreigrenze entfällt – ein Schlag gegen die Massenware chinesischer Onlinehändler.

Gleichzeitig treibt Brüssel das Digital-Omnibus-Reformpaket voran. Es sieht Anpassungen des Datengesetzes und der DSGVO vor, um das Training Künstlicher Intelligenz zu erleichtern.

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Analyse: Vom Freihandel zum „gemanagten“ Handel

Die Kombination aus Rohstoffpakt und verschärften Exportkontrollen zeigt einen grundlegenden Wandel: Weg vom Freihandel, hin zum „De-Risking“. Die Kooperation bei Rohstoffen ist pragmatisch – weder die USA noch die EU können mineralische Unabhängigkeit allein erreichen. Doch die Instrumente wie Mindestpreise und koordinierte Subventionen deuten auf eine gemanagte Handelsordnung hin.

Die industriellen Auswirkungen sind bereits spürbar. US-Wirtschaftsminister Lutnick berichtet von Kapitalzuflüssen und einem 16-Jahres-Tief beim Handelsdefizit. Neue Arbeitsplätze in der Fertigung ließen aber zwei bis drei Jahre auf sich warten. Unternehmen müssen sich auf ein zunehmend komplexes Compliance-Umfeld einstellen – erschwert durch Personalwechsel in den US-Ministerien.

Ausblick: Gipfeltreffen Trump – Xi im Mai

Die Zukunft der transatlantischen Beziehungen hängt maßgeblich vom Erfolg der Rohstoff-Pilotprojekte und der Lösung verbleibender Handelshemmnisse ab. Ein hochkarätiges Treffen zwischen Präsident Trump und Xi Jinping ist für Mai 2026 geplant – zuvor wegen des Nahost-Konflikts verschoben. Der Ausgang könnte die globale Handelsdynamik und die Schärfe künftiger Exportbeschränkungen entscheidend beeinflussen.

In Europa liegt der Fokus auf der Umsetzung großer Digital- und Sicherheitsregularien. Die meisten Bestimmungen des EU AI Act treten am 2. August 2026 in Kraft, bis Jahresende müssen die Mitgliedstaaten eine Digitale ID-Wallet bereitstellen.

Unternehmen auf beiden Seiten des Atlantiks müssen sich auf ein Handelsregime einstellen, das nationale Sicherheit und Lieferketten-Resilienz über kurzfristige Kosteneffizienz stellt. Der Rohstoffpakt könnte als Blaupause für künftige sektorale Abkommen dienen – vorausgesetzt, die grundlegenden Spannungen bei den Zöllen lassen sich entschärfen.

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