USA, Handelspolitik

USA schärfen Handelspolitik gegen China – Europa unter Druck

10.04.2026 - 03:51:33 | boerse-global.de

Verschärfte US-Zölle und die Blockade der Straße von Hormus belasten globale Lieferketten. Deutsche Unternehmen sehen sich mit steigenden Kosten und großer Unsicherheit konfrontiert.

USA schärfen Handelspolitik gegen China – Europa unter Druck - Foto: über boerse-global.de
USA schärfen Handelspolitik gegen China – Europa unter Druck - Foto: über boerse-global.de

Die USA bereiten eine deutliche Verschärfung ihrer Handelspolitik gegenüber China vor. Diese drohende Eskalation belastet bereits jetzt die globalen Märkte und stellt europäische Exporteure vor erhebliche Herausforderungen. Deutsche Unternehmen beklagen zunehmend Unsicherheit und steigende Kosten.

Drohkulisse aus Zöllen und Sanktionen

Die Ankündigung möglicher 100-Prozent-Zölle auf chinesische Waren im Oktober 2025 markierte den Startschuss für eine härtere Gangart. Bereits am 1. November 2025 traten spezifische Abgaben in Kraft: 25 Prozent auf Lastwagen und Teile, 10 Prozent auf Busse. Die US-Regierung begründete dies mit dem Ziel, Handelsungleichgewichte auszugleichen.

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Die Maßnahmen weiten sich aus. Seit April 2026 drohen Washington sogar 50 Prozent Zölle für Länder, die Iran militärisch unterstützen. Diese Entwicklung fiel mit der erneuten Sperrung der Straße von Hormus am 8. April 2026 zusammen. Die Blockade dieser vitalen Schifffahrtsroute lässt die Ölpreise stark schwanken und belastet die weltweiten Lieferketten.

Gleichzeitig versucht die US-Administration, die Bürokratie für Unternehmen zu reduzieren. Seit dem 9. April 2026 werden Zölle auf Stahl, Aluminium und Kupfer vereinfacht berechnet – basierend auf dem Gesamtwert der importierten Ware, nicht mehr auf dem Metallgehalt. Branchen wie Kosmetik, Chemie und Möbel wurden von bestimmten Abgaben befreit.

Digitale Werkzeuge und europäische Reformen

Parallel zu den Zöllen rüstet Washington die Überwachung auf. Das US-Arbeitsministerium stellte am 8. April 2026 vier digitale Tools vor, darunter LaborShield und ImportWatch. Sie sollen Importeuren helfen, Zwangsarbeit in ihren Lieferketten zu identifizieren und auszuschließen.

In Europa schreitet die Modernisierung des Zollwesens voran. Die geplante EU-Zollreform 2026 wurde am 9. April konkretisiert. Die Freigrenze von 150 Euro für Importe entfällt. Plattformen wie AliExpress und Temu haften künftig als „fiktive Importeure“ für jede Sendung – unabhängig vom Wert. Ein neuer EU-Zolldatenhub soll bis 2028 kommen.

Rechtliche Altlasten beschäftigen weiterhin die Behörden. Nach einem Urteil des Obersten Gerichtshofs vom 20. Februar 2026 können Importeuer Rückerstattungen für bestimmte Sonderzölle aus den Jahren 2025/2026 beantragen. Das Rückerstattungssystem CAPE sei zu 85 Prozent fertig, meldete die Zollbehörde am 31. März. Ein Ersatzzoll von 10 Prozent gilt noch bis zum 24. Juli 2026.

Regionale Verschiebungen und deutsche Sorgen

Die neuen Handelsbarrieren verändern globale Warenströme. Ein Beispiel ist Vietnam: Die Exporte von Meeresfrüchten stiegen im ersten Quartal 2026 um 7,8 Prozent auf 2,64 Milliarden Dollar. China trieb das Wachstum mit einem Plus von 45 Prozent an. Gleichzeitig gingen die vietnamesischen Exporte in die USA, nach Japan und Südkorea um etwa 10 Prozent zurück.

Für die deutsche Wirtschaft zeichnet sich ein düsteres Bild. Das ifo Institut warnte am 9. April 2026, umfassende US-Zölle könnten die Industrieproduktion in der EU um 1,32 Prozent drücken. Der Bundesverband Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA) sieht trotz einer kurzen Stabilisierung im Februar keine nachhaltige Erholung der Exporte.

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„Der Zoll-Chaos durch die wechselnde US-Politik verunsichert viele deutsche Firmen bei Investitionsentscheidungen“, so der BGA. Kritische Faktoren seien die geschlossene Hormus-Straße und hohe Energiekosten. Letztere schlagen sich direkt an der Tankstelle nieder: Super E10 kostete am 22. März über 2 Euro, Diesel 2,31 Euro pro Liter. Steuern und Abgaben machen bis zu 55 Prozent des Preises aus.

Ausblick: Entscheidungen stehen an

Die kommenden Monate bringen weitere Weichenstellungen. Am 8. Juli 2026 führen US-Behörden neue digitale Meldepflichten für Importeure ein. Eine Woche später, am 15. Juli, tritt das Handelsabkommen zwischen der EU und Großbritannien über Gibraltar in Kraft. Es schafft Grenzkontrollen ab und etabliert eine Freihandelszone.

Die größte Unbekannte bleibt das Verhältnis zwischen Washington und Peking. Die Drohung mit 100-Prozent-Zöllen schwebt weiter über den Märkten. Dass die US-Regierung noch schärfere Exportkontrollen zurückhält, deutet auf eine strategische Reserve hin. Sollten die diplomatischen oder wirtschaftlichen Beziehungen zu China weiter abkühlen, könnte sich die Lage rasch zuspitzen.

Für die globale Wirtschaft bedeutet dies: Die Phase der Transformation und Unsicherheit im Welthandel ist noch lange nicht vorbei. Anpassungsfähigkeit und eine genaue Beobachtung der politischen Entwicklungen werden für Unternehmen überlebenswichtig sein.

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