USA, München

USA drängen in München auf digitale Allianz gegen Cyber-Bedrohungen

13.02.2026 - 11:09:12

Die USA starten eine diplomatische Offensive für engere Cybersicherheitskooperation mit Verbündeten, um staatliche Angriffe abzuwehren und kritische Infrastrukturen zu schützen.

Die USA fordern eine engere internationale Zusammenarbeit im Cyberspace, um sich gegen staatliche Hackerangriffe zu wappnen. Auf der Münchner Sicherheitskonferenz warnte der US-Cyberkoordinator vor den Grenzen nationaler Alleingänge.

München — In einer klaren Botschaft an die Verbündeten hat die US-Regierung diese Woche eine neue diplomatische Offensive für mehr Cybersicherheit gestartet. Auf der Münchner Cyber-Sicherheitskonferenz (MCSC) betonte National Cyber Director Sean Cairncross am Donnerstag: Die komplexe Bedrohungslage erfordere tiefere Integration, keine Abschottung. Die Appelle kommen zu einem heiklen Zeitpunkt. Viele europäische Staaten schwanken zwischen der Abhängigkeit von US-Technologie und dem Wunsch nach digitaler Souveränität.

„America First“ heißt nicht „America Alone“

In seiner Grundsatzrede versuchte Cairncross, den „America First“-Ansatz seiner Regierung für den digitalen Raum neu zu definieren. Es gehe nicht um Isolation, sondern um eine „saubere“ Technologie-Infrastruktur, die auf Systemen verbündeter Nationen aufbaut. Der gemeinsame Feind sei klar: staatlich geförderte Spionage und Erpressungsbanden, vor allem aus China und Russland.

Die bisherige, fragmentierte Abwehr habe die Risikokalkulation dieser Akteure nicht verändert, so Cairncross. Die USA setzten nun auf einen „Whole-of-Government“-Ansatz. Diplomatie, Strafverfolgung und Geheimdienste sollen besser verzahnt werden, um Angreifern spürbare Kosten aufzuerlegen. Diese diplomatische Offensive begleitet die Vorbereitungen einer neuen nationalen Cyber-Strategie. Sie wird den Cyberspace offiziell zu einem strategischen Gebiet wie Land, Luft und See erklären – was eine koordinierte internationale Antwortstruktur erfordert.

Europas zwiespältige Antwort: Souveränität vs. Sicherheit

Der US-Ruf nach engerer Bindung stößt in Europa auf ein gespaltenes Echo. In den letzten Wochen haben sich hier die Bestrebungen verstärkt, die Abhängigkeit von amerikanischer Technologie zu verringern. Hintergrund sind Handelsstreitigkeiten und Sanktionen.

Erst vor wenigen Wochen kündigte Frankreich an, US-Plattformen wie Microsoft Teams und Zoom durch die eigene Lösung „Visio“ ersetzen zu wollen – aus Gründen der nationalen Sicherheit. Auch Belgien beklagte jüngst einen Verlust digitaler Autonomie durch die US-Datenvorherrschaft.

Doch es gibt auch Gegenstimmen. Der Stabschef der französischen Armee betonte am Dienstag, angesichts der wachsenden Bedrohung durch Russland seien starke Bindungen an die USA und ihre Rüstungsindustrie „entscheidend“. Europa müsse zwar eigene Kapazitäten aufbauen, die akute Sicherheitslage erfordere aber weiterhin Interoperabilität mit US-Streitkräften. Diese Spaltung zeigt den schmalen Grat, den die US-Delegation in München beschreiten muss.

Weckruf aus Polen: Angriff auf die Energie-Infrastruktur

Die Dringlichkeit engerer Partnerschaften unterstrich ein gravierender Vorfall nur 24 Stunden vor Konferenzbeginn. Die US-Cybersicherheitsbehörde CISA veröffentlichte eine Warnung vor einem zerstörerischen Cyberangriff auf den polnischen Energiesektor im Dezember.

Die Angreifer nutzten einfache Standardpasswörter für internetfähige Geräte, um sich im Netzwerk zu bewegen. Sie beschädigten Steuerungseinheiten und löschten Daten von Bedienoberflächen. Sicherheitsexperten in München werteten den Fall als Lehrstück: Schwachstellen in operationaler Technik (OT) kennen keine Grenzen und bedrohen kritische Infrastrukturen weltweit. Durch die Weitergabe der polnischen Daten wollte CISA ähnliche Angriffe auf US- und Alliierte-Stromnetze verhindern – ein konkretes Beispiel für den geforderten „digitalen Zusammenhalt“.

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Neue Partnerschaft mit der Wirtschaft gefordert

Ein zentraler Pfeiler der US-Strategie ist eine Neuausrichtung der Public-Private-Partnership. Die Privatwirtschaft trage die Hauptlast beim Schutz kritischer Infrastrukturen, habe aber oft nicht den vollständigen Geheimdienst-Überblick der Behörden, so Cairncross.

Die US-Regierung sucht nach einem neuen Rahmen für den Informationsaustausch, der über freiwillige Meldungen hinausgeht. Konzernvorstände sollen genau wissen, welche staatlichen Akteure ihre Netzwerke angreifen, um Ressourcen gezielter einzusetzen. Im Gegenzug bietet die US-Regierung an, ihre eigenen offensiven Cyber-Fähigkeiten und Strafverfolgungsinstrumente einzusetzen, um die Bedrohungen für diese Unternehmen auszuschalten.

Dieser Ansatz steht im Kontrast zu einigen europäischen Regulierungen, die US-Beamte kritisierten. Ein zu stark auf Bestrafung von Opferunternehmen ausgerichteter Ansatz ersticke die nötige Transparenz. Stattdessen brauche es ein kooperatives Abwehrmodell, in dem Staat und Industrie an einem Strang ziehen.

Ausblick: Von der Rhetorik zur operativen Realität

Die US-Delegation wird am Rande der Konferenz eine Reihe bilateraler Gespräche führen, um die Kooperationsrahmen zu konkretisieren. Außenminister Marco Rubio wird die Botschaft voraussichtlich verstärken und Cyber-Kooperation direkt mit breiteren Wirtschafts- und Militärbündnissen verknüpfen.

Für Branchenanalysten sind die kommenden Monate der Lackmustest für diese neue Diplomatie. Die Bedrohungslage 2026 wird voraussichtlich Rekordzahlen an Schwachstellen und aggressivere staatliche Akteure bringen. Die Geschwindigkeit, mit der USA und Verbündete ihre Differenzen in der „digitalen Souveränität“ überbrücken, könnte über die Widerstandsfähigkeit der globalen Digitalwirtschaft entscheiden. Die neue nationale Cyber-Strategie der USA soll den Weg von der diplomatischen Rhetorik in die operative Realität ebnen.

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