USA wollen trotz Attacken mit Iran reden - Chamenei beerdigt
Veröffentlicht: 10.07.2026 um 06:35 Uhr, dpa.de"Die Vereinigten Staaten setzen sich weiterhin für eine Lösung ein, und die technischen Gespräche laufen weiter", sagte ein US-Regierungsbeamter der Deutschen Presse-Agentur. Katar, Pakistan und andere regionale Vermittler bemühen sich nach Informationen des US-Nachrichtenportals "Axios" darum, die Spannungen abzubauen und die Verhandlungen über ein Atomabkommen wiederzubeleben.
In den vergangenen Tagen hatte das US-Militär mehrere Angriffswellen gegen Ziele im Iran geflogen. Begründet wurde dies mit Attacken auf Handelsschiffe in der Straße von Hormus, für die die USA Teheran verantwortlich machten. Der Iran reagierte mit eigenen Angriffen. Dabei gerieten auch Kuwait, Bahrain und Jordanien, die wichtige US-Militärbasen beherbergen, wieder unter Beschuss.
Das Verhalten der iranischen Führung stelle einen Verstoß "inakzeptablen Ausmaßes" gegen das im Juni vereinbarte Rahmenabkommen dar, sagte der US-Beamte der dpa. Das Abkommen sollte eine 60-tägige Verhandlungsphase ermöglichen und den Weg zu einer dauerhaften Beilegung des Konflikts ebnen.
Irans oberster Führer Chamenei beerdigt
Die jüngste Eskalation überschattete das Staatsbegräbnis für das frühere iranische Staatsoberhaupt Ajatollah Ali Chamenei. Mehr als vier Monate nach seiner Tötung wurde er im Imam-Resa-Schrein seiner Heimatstadt Maschhad im Nordosten des Landes unter Ausschluss der Öffentlichkeit bestattet, wie mehrere iranische Medien in der Nacht übereinstimmend berichteten.
Die Trauerzeremonien laufen bereits seit rund einer Woche. Chamenei war am 28. Februar durch einen israelischen Luftangriff auf seinen Amtssitz in Teheran getötet worden. Mehr als fünf Wochen lang führten die USA und Israel daraufhin Krieg gegen den Iran, bis Anfang April eine Waffenruhe vereinbart wurde. Zum neuen Staatsoberhaupt im Iran wurde Chameneis Sohn Modschtaba ernannt, der öffentlich jedoch seither nicht auftrat.
Berichte: Israel warnte Trump vor iranischem Mordkomplott
Wie unterdessen das "Wall Street Journal" und der US-Fernsehsender CNN unter Berufung auf nicht genannte Quellen berichteten, hat Israel die US-Regierung vor iranischen Plänen zur Ermordung von Präsident Donald Trump gewarnt. Demnach habe die Führung in Teheran den mutmaßlichen Plan erst kürzlich ausgearbeitet. Die US-Regierung habe zuletzt derlei Warnungen häufig erhalten, die von Israel sei aber neu und habe sich auf einen konkreten Anschlagsplan bezogen, zitierte CNN einen US-Regierungsbeamten.
Andere US-Vertreter hätten die Vermutung geäußert, Israels Warnung könne ein Versuch sein, Trump hinsichtlich seines weiteren Vorgehens im Konflikt mit dem Iran zu beeinflussen, berichtete der US-Sender weiter. Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hatte zuletzt für einen deutlich härteren Kurs gegenüber Teheran plädiert und geriet darüber mit Trump aneinander. Trump hatte auf dem Rückflug vom Nato-Gipfel in Ankara nicht wie erwartet die neue Air Force One benutzt und damit Spekulationen über Sicherheitsrisiken des Geschenks aus dem Golfemirat Katar angeheizt. "Ich bin die Nummer eins auf der Todesliste des Irans", sagte der Präsident später.
Was wird aus den Verhandlungen?
Trump hatte dem Iran zuletzt mit noch heftigeren Angriffen gedroht, sollte Teheran weiter auf Schiffe in der Straße von Hormus feuern. Am Rande des Nato-Gipfels hatte er die Waffenruhe offen infrage gestellt und Zweifel an einer Fortsetzung der Verhandlungen geäußert. "Ich denke, es ist vorbei", sagte er.
"Axios" zitierte derweil eine Quelle, wonach die Vermittler davon ausgingen, dass die jüngsten iranischen Angriffe in der für den globalen Handel mit Öl, Gas und Dünger wichtigen Meerenge von Kräften innerhalb der iranischen Führung initiiert wurden, die das Rahmenabkommen ablehnten und untergraben wollten.
Die Straße von Hormus hat sich in dem Konflikt für den Iran als stärkstes wirtschaftliches und militärisches Druckmittel entpuppt. Die Wiedereröffnung der Meerenge ist ein zentrales Element des Rahmenabkommens. Irans Militärführung besteht darauf, laut dem Abkommen allein verantwortlich für die Verwaltung der Meerenge zu sein. Der Schiffsverkehr dort ist weiterhin stark eingeschränkt. Aus Sicht Teherans sei eine Kapitulation "keine realistische Option", schrieb der israelische Iran-Experte Danny Citrinowicz auf X.
Experte: Iran hält an Druckmittel fest
Irans Entscheidungsträger gingen davon aus, dass ihnen weiterhin Möglichkeiten zur Eskalation bleiben, darunter die Fähigkeit, den Druck im Roten Meer und rund um die strategisch wichtige Meerenge Bab al-Mandab am Eingang zum Roten Meer zu erhöhen, schrieb der Experte. Störungen des regionalen Schiffsverkehrs hatten zu steigenden Ölpreisen geführt. Aus Sicht Teherans könnten die Energiemärkte daher weiter ein Druckmittel darstellen, hieß es. Teheran werde kaum bereit sein, dieses Mittel freiwillig aufzugeben.
Damit stünden die USA "vor einer schwierigen strategischen Entscheidung", schrieb Citrinowicz. Entweder sie setzten ihren Kurs fort und riskierten damit eine weitere Eskalation in der Region sowie erneuten Druck auf die globalen Energiemärkte - oder Washington kehre an den Verhandlungstisch zurück und behandele bestimmte Sicherheitsfragen in separaten diplomatischen Kanälen.
Laut "Axios" sind die Vermittler der Ansicht, dass die beiden Konfliktparteien - ungeachtet der jüngsten Eskalation - in früheren Gesprächsrunden Fortschritte auf dem Weg zu einem Atomabkommen erzielt hätten. Die Vermittlerstaaten wollten denn auch verhindern, dass die Rahmenvereinbarung scheitert, hieß es. Gegenüber der Nachrichtenagentur dpa bekräftigte der US-Beamte im Zusammenhang mit den nach seinen Angaben weiterhin laufenden technischen Gesprächen, dass der Iran niemals über eine Atomwaffe verfügen dürfe.
