Telegram: Russland drosselt Messenger-Dienst
16.01.2026 - 23:52:12Russland verschärft den Druck auf den Messenger-Dienst Telegram und drosselt gezielt die Download-Geschwindigkeiten. Grund sind aus Sicht der Behörden zu langsame Reaktionen auf Löschaufforderungen.
Offizielle Begründung: Zu lasche Inhaltskontrolle
Die Maßnahmen bestätigte der Vizevorsitzende des Duma-Ausschusses für Informationspolitik, Andrei Swinzow, am Freitag. Zwar kooperiere die Telegram-Führung, doch die Geschwindigkeit bei der Entfernung markierter Inhalte reiche nicht aus. Swinzow kritisierte insbesondere anonyme Kanäle, die seiner Ansicht nach nicht schnell genug gesperrt würden. Die Drosselung sei ein „Signal“, um Telegram zu strengerer Compliance zu zwingen. Die Behörden warten auf Maßnahmen gegen Kanäle, die nach ihrer Darstellung „dreiste Lügen“ zum Ukraine-Krieg oder kursmanipulierende Inhalte verbreiten. Die Einschränkungen seien reversibel und würden bei Besserung aufgehoben.
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Systematischer Ausbau der Netzkontrolle
Der Schritt gegen Telegram ist Teil einer langen Reihe von Internet-Eingriffen. Bereits im August 2025 hatte der Medienaufsicht Roskomnadzor Sprach- und Videoanrufe bei Telegram und WhatsApp eingeschränkt. Seit dem Ukraine-Krieg 2022 hat der Kreml den Zugang zu Plattformen wie Signal, Viber und YouTube stark beschnitten. Ein Bericht von Top10VPN zeigt das Ausmaß: Russland führte 2025 die globale Statistik bei Netzsperren an – mit über 37.000 Stunden Unterbrechungen. Experten sehen in den offiziellen Begründungen, wie dem Schutz vor Drohnenangriffen, oft nur einen Vorwand für systematische Informationskontrolle.
Komplizierte Beziehung zum Kreml
Das Verhältnis zwischen Staat und Plattform bleibt ambivalent. Trotz des Drucks und eines Blockadeversuchs 2018 nutzen viele russische Behörden und Offizielle Telegram weiterhin für eigene Kommunikation und öffentliche Verlautbarungen. Diese Doppelnutzung unterstreicht, wie tief der Dienst in der russischen Gesellschaft verankert ist. Ein Totalverbot wäre äußerst disruptiv und unbeliebt. Die aktuelle Drosselung fällt in die Zeit der russischen „digitalen Souveränität“-Offensive. Diese zielt darauf ab, inländische Alternativen wie den regierungsnahen Messenger Max zu fördern. Swinzow deutete an, dass ein komplettes WhatsApp-Verbot bis Ende 2026 möglich sei.
Was bedeutet das für die Nutzer?
Für die geschätzten 100 Millionen Nutzer in Russland bedeutet die Drosselung spürbare Einbußen beim Herunterladen von Medien. Die Zukunft der Plattform hängt nun von der Reaktion des Unternehmens ab. Gründer Pavel Durov, der stets für Privatsphäre und freie Meinungsäußerung eintrat, steht vor einem Dilemma. Soll er den Forderungen einer autoritären Regierung nachgeben oder seine Prinzipien wahren? Für viele Russen geht es um den Zugang zu einer der letzten verbliebenen Quellen für unzensierte Informationen in einem zunehmend abgeschotteten digitalen Raum.


