Südkorea setzt auf Kohle und Atomkraft in Energiekrise
18.03.2026 - 00:00:26 | boerse-global.deSüdkoreas Regierung reagiert auf die anhaltende Nahost-Krise mit einem drastischen energiepolitischen Kurswechsel. Der effektive Verschluss der Straße von Hormus zwingt das rohstoffarme Land, kurzfristig die heimische Energieversorgung über Klimaziele zu stellen. Ein neues Abkommen mit Japan soll zudem Handelskonflikte verhindern.
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Notfallmaßnahmen gegen Versorgungsengpässe
Angesichts der blockierten globalen Öl- und Gaslieferungen bereitet sich Seoul auf einen längeren Krisenfall vor. Präsident Lee Jae Myung wies die Regierung am 17. März 2026 an, alle notwendigen Schritte einzuleiten. Südkorea ist in hohem Maße von Energieimporten abhängig – traditionell stammen etwa 70 Prozent des Öls und 20 Prozent des Flüssigerdgases (LNG) aus der Golfregion.
Neben diplomatischen Offensiven für alternative Ölquellen prüft die Regierung nun strikte Eingriffe. Potenzielle Exportkontrollen für strategische Güter und ein Rotationssystem für Autokennzeichen zur Energieeinsparung stehen im Raum. Zudem soll ein Nachtragshaushalt vulnerable Bevölkerungsgruppen und exportorientierte Unternehmen stützen. Bereits am 12. März hatte das Land 22,46 Millionen Barrel aus seinen strategischen Ölreserven freigegeben – die größte derartige Maßnahme in der Landesgeschichte.
Energiepolitischer Richtungswechsel: Mehr Kohle und Atom
Die geopolitische Zuspitzung erzwingt eine sofortige Neuausrichtung der Stromerzeugung. Vertreter der regierenden Demokratischen Partei kündigten am 16. März an, bestehende Beschränkungen für Kohlekraftwerke aufzuheben. Die Obergrenze für die Kohleverstromung soll von bisher 70 auf 80 Prozent der installierten Kapazität angehoben werden.
Parallel plant die Regierung einen signifikanten Ausbau der Atomenergie. Die Wartungsarbeiten an sechs Reaktoren werden vorgezogen, um deren Auslastung von unter 70 auf 80 Prozent zu steigern. Ziel ist es, die Abhängigkeit von teurem und schwer verfügbarem LNG zu reduzieren. Um Verbraucher zu entlasten, gilt seit dem 13. März eine Preisobergrenze für Benzin von umgerechnet etwa 1,15 Euro pro Liter, die alle zwei Wochen angepasst wird.
Strategische Partnerschaft mit Japan als Stabilitätsanker
Während innenpolitisch der Krisenmodus herrscht, sucht Südkorea international Stabilität. Ein entscheidender Schritt ist das am 15. März in Tokio unterzeichnete bilaterale Partnerschaftsabkommen mit Japan. Kern der Vereinbarung ist der gegenseitige Verzicht auf einseitige Exportbeschränkungen.
Diese Regelung soll einen Rückfall in die Handelskonflikte von 2019 verhindern, als Japan Exportkontrollen für kritische Halbleitermaterialien gegen Südkorea verhängte. Zentral ist auch der Aufbau einer Gas-Allianz: Die koreanische KOGAS und Japans größter Energieerzeuger JERA vereinbarten LNG-Tauschgeschäfte für Engpass-Situationen. Diese Kooperation bildet ein wichtiges Fundament, um Preisspitzen oder Lieferausfälle proaktiv abzufedern.
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Zwischen Energiesicherheit und Klimazielen
Die aktuellen Entwicklungen verdeutlichen das Spannungsfeld zwischen nationaler Versorgungssicherheit und globalen Nachhaltigkeitszielen. Der temporäre Rückgriff auf Kohle kollidiert mit Südkoreas langfristigen Dekarbonisierungsplänen und könnte die Scope-3-Emissionen internationaler Konzerne mit Lieferketten in dem Land beeinflussen.
Gleichzeitig zeigt die Drohung mit Exportkontrollen, wie schnell geopolitische Krisen in Handelsbeschränkungen münden können. Unternehmen sind gefordert, ihre Lieferketten auf potenzielle Engpässe bei südkoreanischen Exportgütern zu überprüfen. Die strategische Annäherung an Japan wird von Branchenexperten hingegen als positives Signal gewertet. Sie schafft rechtliche Sicherheit und fördert die Stabilität im ostasiatischen Wirtschaftsraum.
Die kommenden Wochen werden zeigen, ob Seoul die angedrohten Exportkontrollen tatsächlich umsetzt. Diese Entscheidung hängt maßgeblich von der weiteren Entwicklung in der Straße von Hormus ab. Langfristig betonen Regierungsvertreter zwar die Notwendigkeit des Ausbaus erneuerbarer Energien. Bis dahin jedoch bilden Atomkraft, Kohle und strategische Allianzen das Rückgrat von Südkoreas Energieversorgung.
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