Sivers Semiconductors Aktie: Ermittlungen wegen Insiderhandel
18.06.2026 - 15:37:03 | boerse-global.de
Starke Kursgewinne, schwere Vorwürfe – bei Sivers Semiconductors klaffen Realität und Stimmung auseinander. Die Aktie kletterte in den vergangenen 30 Tagen um satte 107 Prozent. Am Donnerstag stieg der Kurs weiter auf 9,24 Euro. Hinter den Kulissen kämpft der Chipentwickler jedoch mit juristischem Druck und einem Umbruch an der Spitze.
Beben in der Chefetage
Auf der Hauptversammlung am 15. Juni strukturierte das Unternehmen seinen Aufsichtsrat neu. Bami Bastani bleibt Vorsitzender. Joakim Nideborn rückt als sein Stellvertreter auf. Kurz vor dem Treffen traten drei prominente Köpfe ab. Darunter befanden sich Vize-Chef Tomas Duffy sowie die Gründer Erik Fallström und Keith Halsey.
Der Grund für den plötzlichen Abgang wiegt schwer. Schwedische Staatsanwälte ermitteln wegen des Verdachts auf Insiderhandel. Das neue Gremium muss nun Ruhe in das Unternehmen bringen.
Parallel dazu braut sich in den USA Ärger zusammen. Mehrere Anwaltskanzleien prüfen Klagen wegen möglicher Falschinformationen an Investoren. Der Auslöser ist ein Bericht des Leerverkäufers Ningi Research von Anfang Juni. Dieser wirft Sivers zweifelhafte Methoden bei der Umsatzverbuchung vor.
Eine öffentliche Stellungnahme des Managements zu den Vorwürfen steht noch aus. Die Unsicherheit spiegelt sich in der extremen Schwankungsbreite der Aktie wider. Die annualisierte Volatilität liegt aktuell bei enormen 237 Prozent.
Schwache Zahlen, wachsende Pipeline
Operativ zeigt sich ein gemischtes Bild. Im ersten Quartal brach der Umsatz um 22 Prozent auf 61,9 Millionen Schwedische Kronen ein. Das operative Ergebnis rutschte mit 13,8 Millionen Kronen ins Minus.
Zudem korrigierte Sivers die Bilanzen für 2024 und 2025 nachträglich. Der Fehlbetrag für 2025 stieg dadurch deutlich an.
Demgegenüber steht eine wachsende Auftragspipeline. Diese legte seit Jahresbeginn um 77 Prozent auf 799 Millionen US-Dollar zu. Hoffnung macht auch eine neue Partnerschaft mit GlobalFoundries. Gemeinsam entwickeln die Firmen Chip-Lösungen für den KI-Markt. Nennenswerte Umsätze aus diesem Deal fließen aber wohl erst Ende 2026.
Um den Betrieb zu sichern, beschlossen die Aktionäre eine neue Wandelanleihe. Die Finanzspritze bringt rund 327.000 US-Dollar ein. Sie läuft bis Ende 2029 und wird mit 10,85 Prozent verzinst.
Am 6. August präsentiert Sivers den Bericht zum zweiten Quartal. Dann muss das neue Management beweisen, dass es die internen Probleme löst. Vor allem aber warten Investoren auf den angekündigten Umsatzschub im zweiten Halbjahr.
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