Sivers, Semiconductors

Sivers Semiconductors Aktie: 8,2-Millionen-Deal mit ALL.SPACE

18.06.2026 - 05:09:11 | boerse-global.de

Drei Vorstandsmitglieder treten zurück, der Börsengang in New York wird aufgeschoben. Die Aktie bleibt trotz interner Turbulenzen und Ermittlungen auf hohem Niveau.

Sivers Semiconductors: Vorstandswechsel und verschobener Nasdaq-Plan
Sivers - Abstrakte Darstellung eines Halbleiterchips mit leuchtenden Datenlinien vor einer verschwommenen Satellitenschüssel. 18.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Drei Vorstandsmitglieder weg, der Nasdaq-Antrag zurückgezogen, eine Insider-Ermittlung im Gange — und die Aktie hat sich seit März trotzdem mehr als verdreißigfacht. Bei Sivers Semiconductors läuft gerade einiges gleichzeitig schief und richtig.

Turbulente Hauptversammlung in Stockholm

Die Hauptversammlung vom 15. Juni war alles andere als Routine. Kurz vor Beginn traten Vizevorsitzender Tomas Duffy sowie die Gründungsinvestoren Erik Fallström und Keith Halsey zurück. Als Ersatz wählten die Aktionäre Joakim Nideborn als neuen Vizevorsitzenden und Helena Svancar neu in den Vorstand. Bami Bastani bleibt Vorsitzender. Nideborn übernimmt die Investor Relations — eine Schlüsselrolle angesichts der weiterhin angestrebten US-Notierung. Svancar bringt zwei Jahrzehnte M&A-Erfahrung mit.

Der eigentliche Tagesordnungspunkt war der Antrag, bis zu 53,8 Millionen neue Aktien für eine Nasdaq-Zweitnotierung auszugeben. Das hätte einer Verwässerung von rund 15 Prozent entsprochen. Der Antrag wurde in letzter Minute zurückgezogen. Allerdings erteilten die Aktionäre dem Vorstand eine allgemeine Ermächtigung, dieselbe Aktienzahl künftig über Barmittel, Sacheinlagen oder Forderungsverrechnung auszugeben. Die Nasdaq-Notierung ist verschoben, nicht begraben.

Konvertible, Ermittlungen, Short-Seller

Die Hauptversammlung billigte nachträglich eine gesicherte Wandelanleihe über rund 327.000 US-Dollar. Bootstrap Europe 4.0 zeichnete die Anleihe zu einem Zinssatz von 10,85 Prozent pro Jahr. Die Laufzeit endet am 31. Dezember 2029, sofern keine vorzeitige Wandlung erfolgt.

Auf der Governance-Seite häufen sich die Probleme. Schwedens Wirtschaftskriminalitätsbehörde ermittelt wegen des Verdachts auf Insiderhandel: Details zur geplanten Nasdaq-Notierung kursierten online, bevor die offizielle Ankündigung im April erfolgte. In den 48 Stunden davor verzeichnete die Aktie auffällige Kursgewinne. Zwei US-Anwaltskanzleien prüfen mögliche Verstöße gegen Wertpapierrecht, ohne bislang Klagen eingereicht zu haben. Anfang Juni veröffentlichte der Leerverkäufer Ningi Research einen Bericht, der rund 31 Prozent der gemeldeten Umsätze für 2025 anzweifelt — mit dem Vorwurf, Forschungsfördergelder seien als kommerzielle Einnahmen verbucht worden. Sivers hat sich dazu bislang nicht öffentlich geäußert.

Pipeline gegen Probleme

Kein Wunder, dass Anleger nervös reagieren — und dennoch hält die Aktie. Zum Schlusskurs von 9,05 Euro liegt sie mehr als 103 Prozent über dem Stand vor 30 Tagen und rund 79 Prozent über ihrem 50-Tage-Durchschnitt.

Der Grund: Das Auftragsvolumen ist seit Jahresbeginn um 77 Prozent auf 799 Millionen US-Dollar gewachsen. Ein Produktionsvertrag mit dem britischen Satellitenkommunikationsunternehmen ALL.SPACE über Ka-Band-Beamforming-Chips im Wert von 8,2 Millionen US-Dollar markiert den ersten echten Schritt in die Serienfertigung — Lieferung bis 2027.

Die Zahlen selbst sind weniger erfreulich. Der Nettoverlust für 2025 wurde nach der Umstellung auf PCAOB-Standards auf 222,6 Millionen Schwedische Kronen nach oben revidiert, gegenüber ursprünglich gemeldeten 186,5 Millionen Kronen. Der Umsatz im ersten Quartal 2026 fiel um 22 Prozent auf 61,9 Millionen Kronen. CEO Vickram Vathulya führt den Rückgang auf den US-Regierungsstillstand im vierten Quartal 2025 und verzögerte Verteidigungsbudgets zurück — erwartete Erlöse sollen in der zweiten Jahreshälfte anfallen.

Am 6. August legt Sivers den Zwischenbericht für das zweite Quartal vor. Dann zeigt sich, ob die Pipeline-Fantasie mit echten Umsätzen unterfüttert wird.

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