Sifa-Studie, Fachkräfte

Sifa-Studie: Fachkräfte sehen Sicherheitskultur in der Krise

20.03.2026 - 00:00:34 | boerse-global.de

Eine neue Studie offenbart Lücken in der betrieblichen Sicherheitskultur, während die reformierte DGUV Vorschrift 2 die Rolle der Fachkraft für Arbeitssicherheit grundlegend modernisiert.

Sifa-Studie: Fachkräfte sehen Sicherheitskultur in der Krise - Foto: über boerse-global.de

Eine neue Studie zeigt massive Defizite in der deutschen Sicherheitskultur – pünktlich zur größten Reform der Arbeitssicherheit seit Jahren. Die Fachkraft für Arbeitssicherheit (Sifa) steht vor einem dramatischen Wandel.

Eine Umfrage im Auftrag von TÜV Rheinland, veröffentlicht am 18. März 2026, offenbart alarmierende Lücken. Demnach bewerten zwar 68 Prozent der befragten 1.000 Sicherheitsfachkräfte die Sicherheitskultur in ihrem Unternehmen als gut. Doch fast ein Drittel sieht erheblichen Nachholbedarf. Besorgniserregend: 11,2 Prozent halten die Sicherheitskultur für „gar nicht entwickelt“, und 24 Prozent vermissen eine Vorbildfunktion der Führungsebene.

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Die Daten treffen auf einen historischen Umbruch. Zum 1. Januar 2026 tritt die reformierte DGUV Vorschrift 2 in Kraft. Sie modernisiert die Arbeitssicherheit grundlegend – und verändert die Rolle der Sifa nachhaltig.

Haftung der Sifa: Beraten, nicht anweisen

Im Kern bleibt die rechtliche Stellung der Fachkraft für Arbeitssicherheit unverändert. Ihre Aufgabe ist es, den Arbeitgeber zu beraten und zu unterstützen. Die Verantwortung für die Umsetzung von Maßnahmen trägt aber allein der Unternehmer. Die Sifa agiert in einer Stabsfunktion ohne direkte Weisungsbefugnis.

„Die persönliche Haftung der Sifa ist streng begrenzt“, erklärt ein Rechtsexperte. „Sie tritt nur im Fall grober Fahrlässigkeit oder vorsätzlichen Handelns ein.“ Ein sogenanntes Beratungsverschulden liegt vor, wenn die Fachkraft nachweislich falsch berät, akute Gefahren ignoriert oder lebensbedrohliche Mängel nicht meldet. Bei gewissenhafter Erfüllung ihrer Pflichten ist das Haftungsrisiko minimal.

Das ändert sich 2026 für Unternehmen

Die neue DGUV Vorschrift 2 bringt konkrete Erleichterungen und neue Pflichten. Eine zentrale Neuerung: Die Schwelle für vereinfachte Betreuungsmodelle wie das Unternehmermodell wird von 10 auf 20 Mitarbeiter angehoben. Das entlastet kleine Betriebe bürokratisch.

Zudem wird die digitale Beratung offiziell zugelassen. Nach einem zwingend erforderlichen Erstbesuch vor Ort dürfen bis zu einem Drittel der Grundbetreuungspflichten per Video oder Telefon erledigt werden. In begründeten Fällen sind sogar 50 Prozent möglich. Diese Flexibilität soll den Realitäten moderner, dezentraler Arbeitswelten Rechnung tragen.

Neue Wege in den Beruf und Pflicht zur Weiterbildung

Gegen den Fachkräftemangel öffnet die Reform den Beruf für neue Qualifikationen. Künftig können auch Absolventen der Naturwissenschaften, der Humanmedizin, der Psychologie oder der Ergonomie Sifa werden. Bisher war der Zugang fast ausschließlich Ingenieuren, Technikern und Meistern vorbehalten.

Diese Erweiterung ist eine direkte Antwort auf die Herausforderungen der Studie. Denn als größte Hürden für ihre Arbeit nennen 44,6 Prozent der Sifas den wachsenden psychischen Druck am Arbeitsplatz. 45 Prozent beklagen mangelnde Akzeptanz von Sicherheitsregeln durch die Belegschaft.

„Die klassische, technikzentrierte Sicherheitsarbeit reicht nicht mehr aus“, so ein Analyst. „Psychosoziale Risiken erfordern neue Kompetenzen.“ Das unterstreicht auch das neue „Sifa 3.0“-Konzept der Berufsgenossenschaften, das stärker auf Beratungskompetenz setzt als auf reines Regelwissen.

Gleichzeitig verschärft die Reform die Qualitätssicherung. Sicherheitsfachkräfte und Betriebsärzte müssen ihre fortlaufende Weiterbildung künftig im Jahresbericht dokumentieren. Das soll sicherstellen, dass ihr Wissen stets auf dem neuesten Stand ist – und schützt sie vor Haftungsrisiken durch veraltete Expertise.

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Ausblick: Vom Kontrolleur zum strategischen Berater

Die Studie und die Reform zeichnen ein klares Bild: Die Sifa wird sich vom technischen Kontrolleur zum ganzheitlichen Unternehmensberater wandeln. Die Nachfrage nach Fachkräften mit Hintergründen in Psychologie und Ergonomie wird steigen.

Unternehmen, die ihre Sicherheitsexperten früh in Entscheidungsprozesse einbinden, sind klar im Vorteil. Sie können die komplexen Anforderungen der neuen Arbeitswelt – von psychischer Gesundheit bis zur digitalen Ergonomie – proaktiv gestalten. Die Fachkraft für Arbeitssicherheit bleibt rechtlich im Hintergrund. Ihre strategische Bedeutung für den Unternehmenserfolg und den Schutz der Mitarbeiter wächst jedoch rasant.

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