Shein, Verfahren

Shein: EU leitet Verfahren wegen gefährlicher Produkte und manipulativer Praktiken ein

19.02.2026 - 07:22:12

Die EU-Behörden prüfen den Fast-Fashion-Riesen wegen gefährlicher Produkte, manipulativer Plattformgestaltung und intransparenter Algorithmen. Bei Verstößen drohen hohe Geldstrafen.

Die EU-Kommission geht mit einem formellen Verfahren gegen den chinesischen Fast-Fashion-Riesen Shein hart ins Gericht. Im Fokus stehen gefährliche Waren, süchtig machendes Plattformdesign und intransparente Algorithmen.

Dieser Schritt markiert eine neue Eskalationsstufe im Ringen der EU mit globalen Online-Plattformen. Es ist ein entscheidender Praxistest für den neuen Digital Services Act (DSA), der große Anbieter zu strengerem Verbraucherschutz verpflichtet. Die Kommission prüft nun, ob Shein seine Nutzer ausreichend vor unsicheren Produkten schützt und ein faires digitales Umfeld bietet.

Illegale Produkte und mangelhafter Jugendschutz

Ein Kernvorwurf betrifft den Verkauf illegaler Waren. Besonders brisant: Die Plattform soll kinderähnliche Sexpuppen angeboten haben, was in Frankreich bereits zu Ermittlungen führte. Zwar behauptet Shein, den Verkauf weltweit gestoppt zu haben. Die EU-Behörden zweifeln jedoch an der Wirksamkeit der internen Kontrollen.

Die Untersuchung erstreckt sich auf ein breites Spektrum potenziell gefährlicher Artikel. Dazu gehören Kosmetika, Elektronik und Spielzeug, die europäischen Sicherheitsnormen nicht entsprechen könnten. Auch Kleidung, die laut Umweltorganisationen mit gesundheitsschädlichen Chemikalien belastet ist, steht im Fokus. Die zentrale Frage lautet: Bewertet Shein die Risiken angemessen und verhindert aktiv den Verkauf solcher Produkte?

Manipulative Muster und undurchsichtige Algorithmen

Ein weiterer Schwerpunkt ist das gezielt süchtig machende Design der App. Die Kommission prüft, ob Mechanismen wie Bonusprogramme, Countdown-Angebote und spielerische Belohnungen (Gamification) Nutzer zu übermäßigem Konsum verleiten. Solche „Dark Patterns“ sind nach dem DSA streng reguliert.

Kritik gibt es auch an der Intransparenz der Empfehlungsalgorithmen. Große Plattformen müssen laut DSA offenlegen, wie ihre Systeme Produkte vorschlagen. Zudem ist eine Alternative ohne Profiling verpflichtend. Erste Einschätzungen deuten darauf hin, dass Shein diese Vorgaben möglicherweise nicht erfüllt.

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Teil der verschärften EU-Strategie gegen Tech-Giganten

Das Verfahren ist kein Einzelfall, sondern Teil einer umfassenden EU-Strategie. Seit Shein als „Very Large Online Platform“ eingestuft ist, unterliegt es den schärfsten DSA-Regeln. Diese verlangen proaktive Risikoanalysen, transparente Werbung und effektive Meldesysteme.

Die formelle Untersuchung folgt auf frühere Auskunftsersuche der Kommission, deren Beantwortung durch Shein als unzureichend bewertet wurde. Die Behörden können nun interne Dokumente anfordern und Befragungen durchführen. Betont wird jedoch, dass die Eröffnung des Verfahrens kein Schuldspruch ist.

Hohe Strafen bis hin zur Plattform-Sperrung drohen

Die Konsequenzen für Shein könnten massiv sein. Bei Verstößen drohen Geldstrafen von bis zu 6 Prozent des weltweiten Jahresumsatzes. Die Kommission könnte das Unternehmen auch zu verbindlichen Maßnahmen verpflichten. In politischen Kreisen werden bereits Forderungen nach einer zeitweisen Sperrung der Plattform laut.

Shein beteuert seine Kooperationsbereitschaft und verweist auf Investitionen in DSA-Compliance, etwa durch Altersüberprüfungen. Der Ausgang des Verfahrens wird Signalwirkung haben – nicht nur für Shein, sondern für das gesamte Geschäftsmodell des Ultra-Fast-Fashion-Handels in Europa.

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