Russland droht mit Stopp für Kasachstan-Öl nach Deutschland
22.04.2026 - 02:18:27 | boerse-global.deRussland will ab 1. Mai den Transit kasachischen Rohöls durch die Druzhba-Pipeline blockieren. Diese Maßnahme trifft mitten in den eskalierenden Streit um die milliardenschweren Vermögen des russischen Staatskonzerns Rosneft in Deutschland.
Schwedter Raffinerie in der Zange
Das mögliche Transitende stellt die PCK Raffinerie in Schwedt vor eine enorme logistische Herausforderung. Seit dem deutschen Stopp für russisches Rohöl Anfang 2023 ist die Anlage auf Lieferungen aus Kasachstan angewiesen. Sie versorgt rund 90 Prozent des Kraftstoffs in Berlin und Brandenburg.
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Ein kompletter Stopp würde der Raffinerie etwa 17 Prozent ihrer jährlichen Verarbeitungsmenge von bis zu 12 Millionen Tonnen entziehen. Allein im ersten Quartal 2026 lieferte Kasachstan 730.000 Tonnen Öl nach Deutschland. Die Raffineriebetreiber müssten sich dann stärker auf teurere Seetransporte über Rostock oder das polnische Gdansk verlassen. Der polnische Pipelinebetreiber PERN signalisierte bereits Unterstützungsbereitschaft.
Rosneft-Treuhandschaft als Zündstoff
Das Timing der Drohung ist kein Zufall. Es fällt mit einem tiefen politischen Graben um die Rosneft-Vermögen in Deutschland zusammen. Die EU-Kommission billigte kürzlich eine neue, unbefristete Treuhandstruktur. Sie gibt Berlin dauerhafte Kontrolle über die deutschen Tochtergesellschaften des russischen Ölriesen – inklusive der Mehrheitsbeteiligung an der PCK Raffinerie.
Moskau verurteilt diese Treuhandschaft seit langem als Enteignung und kämpft vor Gericht dagegen. Analysten sehen im Transitstopp daher ein Druckmittel des Kremls. Die Frist für einen möglichen Verkauf oder eine Verstaatlichung der Rosneft-Anteile rückt näher. Droht Berlin nun die Quittung?
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Globale Märkte unter Druck
Hinter den Kulissen kämpft Russlands Energiesektor selbst mit Problemen. Nach Drohnenangriffen auf Raffinerien musste das Land seine Ölproduktion im April um bis zu 400.000 Barrel pro Tag drosseln. Gleichzeitig machen Konflikte im Nahen Osten den europäischen Markt anfälliger für Lieferengpässe aus dem Osten.
Kann Deutschland diese doppelte Krise meistern? Das Bundeswirtschaftsministerium und die Bundesnetzagentur zeigen sich zuversichtlich, die Versorgungsschwankungen bewältigen zu können. Experten warnen jedoch vor steigenden Kosten. Alternative Lieferrouten sind deutlich teurer.
Die Raffinerie-Anteilseigner Shell und Eni werden nun die Zusammenarbeit mit deutschen und polnischen Behörden intensivieren. Die kommenden Wochen werden zeigen, ob Russland seine Drohung wahr macht oder sie nur als Verhandlungschip im milliardenschweren Rosneft-Streit einsetzt. Für die deutsche Energiewirtschaft beginnt eine weitere Phase der erhöhten Alarmbereitschaft.
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