Post, Brief

Post startet digitalen Brief in der Grundversorgung

05.01.2026 - 19:30:12

Die Schweizerische Post steht vor ihrer größten Modernisierung seit Jahrzehnten. Ab April 2026 wird der gesicherte „Digitale Brief“ fester Bestandteil der staatlichen Grundversorgung – eine Reaktion auf schwindende Papierpost und steigende Kosten.

Der Bundesrat ebnete den Weg Ende Dezember. Das Kernstück: ein freiwilliges, hybrides System. Empfänger können wählen, ob sie ihre Post digital in einer sicheren Plattform oder weiterhin physisch erhalten wollen. Wer sich für digital entscheidet, bekommt Dokumente wie amtliche Schreiben oder Bankauszüge elektronisch zugestellt – mit der gleichen rechtlichen Verbindlichkeit wie ein versiegelter Papierbrief.

Doch das „Hybrid“ hat einen besonderen Clou. Selbst digital eingereichte Sendungen werden auf Wunsch ausgedruckt, kuvertiert und analog zugestellt. So soll verhindert werden, dass technikferne Bürger abgehängt werden. „Das System ist konsequent empfängerorientiert“, heißt es aus Regierungskreisen. Es geht um einen Brückenschlag in die digitale Zukunft, ohne Zwang.

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Lockerere Zustellzeiten für stabile Finanzen

Parallel zur Digitaloffensive erhält die Post mehr betriebliche Flexibilität. Die strengen Pünktlichkeitsvorgaben wurden gelockert. Statt 97 Prozent aller Briefe müssen nur noch 90 Prozent aller Sendungen pünktlich ankommen. Diese Harmonisierung auf ein einheitliches Ziel soll der Post helfen, Spitzenlasten – wie vor Weihnachten – besser zu bewältigen, ohne das ganze Jahr über überdimensionierte Kapazitäten vorhalten zu müssen.

Eine umstrittene Pläne wurde jedoch vom Tisch gefegt: Die Post muss weiterhin jedes ganzjährig bewohnte Haus anfahren. Die während der Vernehmlassung diskutierte Einschränkung auf „Siedlungen“ fand keine Mehrheit. Die flächendeckende Versorgung der Schweiz bleibt damit gewahrt.

Preisanpassungen und digitale Anreize

Die Veränderungen sind für Verbraucher bereits spürbar. Seit dem 1. Januar 2026 gelten neue Tarife. Ein Standard-Paket bis 2 Kilogramm kostet nun 9 Franken, für Economy-Pakete und internationale Kleinsendungen wurden jeweils 50 Rappen aufgeschlagen.

Gleichzeitig setzt die Post weiter auf Anreize für die Digitalisierung. Wer sein Paket online aufgibt, erhält weiterhin einen Rabatt. Für Geschäftskunden wurde dieser sogar temporär auf 2 Franken pro Economy-Paket erhöht. Die Strategie ist klar: Kostendeckung fördern und Nutzer in die digitalen Selbstbedienungskanäle lenken.

Sichere Zustellung durch staatliche E-ID

Die technische Grundlage für den vertraulichen Digitalbrief bildet die neue staatliche E-ID, die 2026 eingeführt wird. Die digitale Mailbox der Post wird voraussichtlich mit der staatlichen „Swiyu“-Wallet verknüpft. Diese Integration soll Betrug verhindern und die rechtssichere, digitale Zustellung sensibler Dokumente erst ermöglichen.

Der entscheidende Unterschied zu privaten Anbietern: Der Dienst ist Teil der gesetzlichen Grundversorgung. Er unterliegt damit der strengen Aufsicht des Bundes in puncto Datenschutz und Postgeheimnis.

Start im April – was kommt danach?

Bis zum Start am 1. April liegt der Fokus auf der technischen Umsetzung und Aufklärung. Die Post wird in den kommenden Wochen Informationskampagnen starten, um das Opt-in-Verfahren für den digitalen Service zu erklären.

Beobachter sehen in der gesetzlichen Verankerung des Digitalbriefs einen Wendepunkt. Das „Papier-zuerst“-Denken in der Verwaltungskommunikation könnte damit ausgedient haben. Der Bundesrand hat weitere Modernisierungen bereits in Aussicht gestellt – etwa die Aufnahme digitaler Zahlungsdienste in den Grundversorgungsauftrag. Für die Schweizer Post ist klar: Sie wird 2026 zur hybriden Institution, die für jeden Haushalt die Brücke zwischen analoger und digitaler Welt schlagen muss.

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