OpenAI, Mission

OpenAI streicht „sicher“ aus seiner Mission

17.02.2026 - 14:53:12 | boerse-global.de

OpenAI hat sein Leitbild geändert, ein ultraschnelles Codier-Modell auf alternativer Hardware vorgestellt und dem chinesischen Rivalen DeepSeek Industriespionage vorgeworfen.

Die Mission des KI-Pioniers OpenAI hat sich subtil, aber folgenschwer verändert. Gleichzeitig startet das Unternehmen ein neues, ultraschnelles Codier-Modell auf alternativer Hardware und erhebt schwere Spionagevorwürfe gegen einen chinesischen Rivalen.

OpenAI hat das Wort „sicher“ aus seinem offiziellen Leitbild gestrichen. Diese Woche bekannt gewordene Dokumente zeigen, dass der ursprüngliche Satz, künstliche allgemeine Intelligenz (AGI) „sicher zum Wohle der Menschheit“ zu entwickeln, ersetzt wurde. Die neue Mission lautet nun nur noch, „sicherzustellen, dass AGI der gesamten Menschheit nützt“. Kritiker sehen darin eine Abkehr von den ethischen Gründungsprinzipien.

Mission im Wandel: Von Sicherheit zu Shareholder-Value?

Die Änderung fiel Analysten in Steuerdokumenten für das Geschäftsjahr 2024 auf, die Ende 2025 veröffentlicht wurden. Entfernt wurde nicht nur das Adjektiv „sicher“, sondern auch der wichtige Zusatz, dass die Arbeit „nicht durch die Notwendigkeit finanzieller Rendite eingeschränkt“ sein werde.

Hintergrund ist die Umwandlung von OpenAI in eine Public Benefit Corporation (PBC) im Oktober 2025. Diese Rechtsform erlaubt es, gemeinnützige Ziele zu verfolgen, muss aber auch finanzielle Interessen der Anteilseigner berücksichtigen. Rechtsexperten vermuten, dass die sprachliche Glättung das Unternehmen vor Klagen von Aktionären schützen soll – die Bewertung von OpenAI liegt inzwischen bei über 500 Milliarden Euro.

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Für Ethik-Wächter ist die Sache klar: Der Schritt symbolisiere die endgültige Loslösung von den altruistischen Sicherheitsversprechen der Gründungszeit. „Die kommerzielle Realität hat die Ideale eingeholt“, kommentiert ein Beobachter.

GPT-5.3-Codex-Spark: Schneller codieren ohne Nvidia

Mitten in der Governance-Debatte treibt OpenAI seine Produktstrategie voran. Am 12. Februar stellte das Unternehmen die Forschungsvorschau von GPT-5.3-Codex-Spark vor. Dieses spezialisierte Modell für Entwickler setzt auf zwei technische Neuerungen:

Es ist für extreme Geschwindigkeit optimiert und kann über 1.000 Tokens pro Sekunde generieren. Damit soll es „sofortige“ Coding-Assistenten ermöglichen, bei denen Latenz das größte Problem ist.

Noch bedeutsamer ist der Hardware-Wechsel: Das Modell läuft vollständig auf Cerebras Wafer Scale Engine 3-Chips und nicht, wie in der Branche üblich, auf Nvidia-GPUs. Die erstmals öffentlich demonstrierte Partnerschaft mit Cerebras zeigt, wie OpenAI seine Lieferkette diversifiziert, um Engpässe bei Grafikkarten zu umgehen.

Parallel wurde das Legacy-Modell GPT-4o am 13. Februar offiziell eingestellt. Alle Nutzer wurden auf die Architekturen GPT-5.2 und GPT-5.3 migriert.

Vorwürfe gegen China und Jagd auf Agenten-Talent

Die Woche brachte auch neue geopolitische Spannungen. OpenAI übermittelte dem China-Ausschuss des US-Kongresses am 14. Februar ein Memorandum mit schweren Vorwürfen. Der chinesische Rivale DeepSeek habe systematisch OpenAIs Modelle „destilliert“, heißt es darin.

Mit „raffinierten Methoden“ habe DeepSeek API-Beschränkungen umgangen, um seine eigenen Modelle mit ChatGPT-Ausgaben zu trainieren – ein klarer Fall von geistigem Diebstahl, so OpenAI. Die Vorwürfe kommen kurz vor einer großen Modellveröffentlichung von DeepSeek und heizen den Wettlauf um die AGI-Vorherrschaft weiter an.

Zudem baute OpenAI sein Team für „agentische“ KI aus. Am 16. Februar bestätigte das Unternehmen die Verpflichtung von Peter Steinberger, dem österreichischen Schöpfer des Open-Source-Tools OpenClaw. Dieses Werkzeug für autonome KI-Agenten war Ende 2025 durch seine Fähigkeit aufgefallen, komplexe Aufgaben in der realen Welt auszuführen. Steinbergers Wechsel signalisiert, dass OpenAI über reine Textgenerierung hinaus will: hin zu Systemen, die aktiv Computer bedienen und mehrstufige Workflows für Nutzer ausführen können.

Reifeprüfung für einen KI-Giganten

Die Häufung der Ereignisse zeigt ein Unternehmen im rasanten Wandel vom idealistischen Forschungsprojekt zum reifen Konzernriesen. Die missionarische Sprache weicht juristisch abgesicherten Formulierungen. Die Technologie-Strategie setzt nicht mehr nur auf größere Modelle, sondern auch auf Infrastruktur-Unabhängigkeit und praktische Anwendbarkeit.

Kann OpenAI den Spagat zwischen gemeinnützigem Anspruch und kommerziellem Druck meistern? Die Frage drängt, denn ein Börsengang noch in diesem Jahr gilt als wahrscheinlich. Die Spannung zwischen den Wurzeln und der neuen Realität war nie größer.

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