OpenAI nach Kanada einbestellt: KI-Firma soll Warnungen vor Amokläufer verschwiegen haben
24.02.2026 - 09:33:37 | boerse-global.deDie kanadische Regierung hat führende Sicherheitsvertreter des KI-Riesen OpenAI nach Ottawa einbestellt. Grund sind Vorwürfe, das Unternehmen habe Strafverfolgungsbehörden nicht über die gewalttätigen Online-Aktivitäten eines Amokläufers informiert. Der Notfallgipfel am heutigen Dienstag folgt auf Enthüllungen, wonach OpenAI das Konto des Täters aus Tumbler Ridge bereits acht Monate vor der Bluttat gesperrt hatte – ohne die Polizei zu alarmieren.
Internes System erkannte Gewaltfantasien im Juni 2025
Bereits im Juni 2025 meldeten OpenAIs automatische Missbrauchserkennungssysteme ein ChatGPT-Konto des damals 18-jährigen Jesse Van Rootselaar. Medienberichten zufolge hatte der Nutzer in mehreren Chats gewalttätige Szenarien und detaillierte Diskussionen über Schusswaffengewalt entwickelt. Das Unternehmen bestätigte, das Konto daraufhin wegen Verstoßes gegen die Nutzungsrichtlinien gesperrt zu haben.
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Doch trotz dieser alarmierenden Hinweise informierte der KI-Entwickler weder die Royal Canadian Mounted Police (RCMP) noch andere lokale Behörden. Unternehmensvertreter begründeten dies damit, dass ihre interne Schwelle für eine Kontaktaufnahme mit der Polizei eine unmittelbare und glaubwürdige Gefahr schwerer körperlicher Schäden erfordere. Man habe damals nicht auf eine konkrete Planung eines realen Anschlags geschlossen.
Intern soll es jedoch Diskussionen gegeben haben: Etwa ein Dutzend Mitarbeiter debattierte darüber, die kanadische Polizei einzuschalten. Die Führungsebene blieb bei ihrer Position und verwies auf Datenschutzbedenken sowie die potenzielle Belastung für den Jugendlichen und seine Familie durch eine Übermeldung. Diese Haltung steht nach dem tödlichen Ausgang vom 10. Februar nun unter massivem öffentlichen und behördlichen Druck.
Regierung bestellt KI-Firma zum Krisengespräch ein
Die Enthüllung, dass ein Technologiekonzern lebensrettende Informationen zurückhielt, löste sofortige Reaktionen der Bundesregierung aus. Kanadas KI-Minister Evan Solomon nannte die Entscheidung des Unternehmens, die Polizei nicht zu informieren, „zutiefst beunruhigend“. Er ordnete an, dass das leitende Sicherheitsteam von OpenAI aus den USA nach Ottawa reisen muss.
Bei dem heutigen Treffen wollen die Bundesbeamten die genauen Sicherheitsprotokolle, Eskalationsverfahren und die spezifischen Meldeschwellen des Unternehmens hinterfragen. Solomon kündigte an, alle regulatorischen Optionen zu prüfen, um sicherzustellen, dass KI-Plattformen kritische Sicherheitsdaten künftig nicht zurückhalten können. Das Ergebnis des Treffens wird die kommende kanadische Gesetzgebung zur Überwachungs- und Meldepflicht generativer KI-Dienste maßgeblich beeinflussen.
Provinzregierung wirft OpenAI Vertuschung vor
Besonders scharfe Kritik kommt aus British Columbia, wo das Massaker stattfand. Premierminister David Eby erklärte, die Technologiefirma habe eine klare Chance verpasst, den schrecklichen Verlust von Menschenleben in Tumbler Ridge zu verhindern. Sein Frust richtet sich auch gegen den Zeitplan der Kommunikation.
Denn Vertreter von OpenAI trafen sich ausgerechnet am Tag der Tat und am Folgetag, dem 10. und 11. Februar, mit Beamten der Provinzregierung. Bei diesen vorgeplanten Terminen, die der Eröffnung eines Regionalbüros galten, erwähnten die Unternehmensvertreter ihr Vorwissen über die Gewaltfantasien des Schützen mit keinem Wort – selbst nachdem die Polizei den Täter öffentlich identifiziert hatte.
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Erst am 12. Februar bat der KI-Entwickler das Büro des Premierministers um die Kontaktdaten der RCMP. Provinzpolitiker verurteilen diese Vorgehensweise als schwerwiegenden Mangel an Transparenz und unternehmerischer Verantwortung.
Schock für die KI-Branche: Ende der Selbstregulierung?
Für die Strafverfolgungsbehörden kommt die Meldung zu spät. Die RCMP bestätigte, erst nach dem Massaker von OpenAI kontaktiert worden zu sein. Ermittler werten nun die digitalen Spuren des Täters aus.
Der Vorfall sendet Schockwellen durch die globale Technologiebranche. Er legt ein massives regulatorisches Schlupfloch offen: Im Gegensatz zu traditionellen sozialen Medien, wo Nutzer Inhalte verbreiten, geht es bei generativer KI um private, interaktive Ideenentwicklung. Das schafft einzigartige ethische Dilemmata für Sicherheitsteams, die Nutzerprivatsphäre und öffentliche Sicherheit abwägen müssen.
Branchenanalysten gehen davon aus, dass die Tragödie von Tumbler Ridge als Katalysator für verpflichtende Meldeframeworks speziell für KI-Entwickler wirken wird. Der Fall zeigt die Unzulänglichkeit, Standard-Datenschutznormen der Tech-Branche auf Systeme anzuwenden, die gewalttätige Szenarien simulieren und verfeinern können. Die kanadische Reaktion könnte Plattformen weltweit zwingen, ihre Meldeschwellen für Strafverfolgungsbehörden drastisch zu senken.
Die Ära der Selbstregulierung für KI-Sicherheitsteams dürfte damit beendet sein. Sie wird wahrscheinlich durch eine neue Phase strenger staatlicher Aufsicht und verpflichtender Bedrohungsmeldungen in der gesamten Tech-Branche abgelöst.
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