OpenAI Aktie: Börsengang gerät ins Wanken
Veröffentlicht am: 21.07.2026 um 16:06 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Ein Börsengang mit einer angepeilten Bewertung von rund einer Billion US-Dollar sollte eigentlich noch dieses Jahr über die Bühne gehen. Jetzt mehren sich Anzeichen, dass daraus nichts wird. Berater sollen dem Management empfohlen haben, den Schritt an die Börse auf 2027 zu verschieben — mit möglicherweise weitreichenden Folgen für den gesamten KI-Sektor.
OpenAI hatte im Juni vertraulich Unterlagen bei der US-Börsenaufsicht SEC eingereicht. Auslöser für die Zweifel ist unter anderem der Kursverlauf von SpaceX: Der Raumfahrtkonzern war Anfang Juni mit einem Emissionsvolumen von über 85 Milliarden US-Dollar an die Börse gegangen, zunächst mit einer Bewertung von 1,77 Billionen Dollar — seither hat sich der Kurs spürbar abgeschwächt. Die aktuell volatilen Technologiemärkte lassen offenbar Zweifel aufkommen, ob eine Billionen-Bewertung derzeit durchsetzbar wäre.
Wer zuerst an die Börse geht, setzt den Maßstab
Sollte OpenAI zögern, könnte Konkurrent Anthropic die Nase vorn haben. Wer als Erster an den Markt geht, legt fest, an welchen Kennzahlen sich Erfolg in der Branche misst — der Nachzügler muss sich daran orientieren oder gute Gründe für eine abweichende Bewertung liefern. Für OpenAI wäre eine Verzögerung besonders unangenehm: Das Unternehmen gilt als abhängig von frischem Kapital vom öffentlichen Markt, um seine hohen Verluste zu finanzieren.
Der Wettbewerbsdruck kommt nicht nur von Anthropic. Chinesische Anbieter wie Moonshot AI mit seinem Modell Kimi K3 sollen auf einigen Branchenbenchmarks bereits vor den Systemen von OpenAI und Anthropic liegen. US-Finanzminister Scott Bessent brachte deshalb mögliche Sanktionen gegen China ins Spiel — der Vorwurf lautet, chinesische Modelle seien aus US-Systemen destilliert worden. Ein Gespräch beider Länder zum Thema KI ist für September angesetzt.
Zusätzliche Unsicherheit bringt der Rücktritt des Leiters der US-Regulierungsbehörde CAISI nach nur drei Monaten im Amt. Wer künftig die KI-Politik der Regierung koordiniert, bleibt vorerst offen — ein Posten, der seit dem Rückzug des früheren KI-Beraters im März ebenfalls unbesetzt ist.
Für OpenAI bleibt die Gemengelage aus regulatorischem Gegenwind, chinesischer Konkurrenz und einem möglichen Wettlauf mit Anthropic entscheidend für Timing und Bewertung des eigenen Börsengangs. Bis zur SEC-Prospektveröffentlichung dürfte sich zeigen, welches der drei Szenarien tatsächlich eintritt.
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