OFSI verschärft Sanktionsregime: Höhere Strafen und neue Compliance-Regeln
17.02.2026 - 22:00:12Das britische Amt für Finanzsanktionen (OFSI) geht mit einem verschärften Regelwerk gegen Verstöße vor. Die Reformen bedeuten mehr Transparenz, aber auch deutlich höhere Risiken für Unternehmen.
London – Großbritannien verschärft den Kampf gegen Verstöße gegen Finanzsanktionen entscheidend. Das dem Finanzministerium unterstellte Office of Financial Sanctions Implementation (OFSI) hat neue Leitlinien veröffentlicht, die den zivilrechtlichen Durchsetzungsrahmen transparenter und härter machen. Kern der Reform sind ein neues Bewertungssystem für Verstöße, feste Strafen und die geplante Verdopplung der Höchststrafen. Für international tätige Unternehmen, auch aus Deutschland, steigt der Druck, ihre Compliance-Systeme zu überprüfen.
Vier-Stufen-Modell und Anreize für Kooperation
Im Zentrum der Neuerungen steht ein überarbeitetes Verfahren zur Fallbewertung. Das OFSI führt ein vierstufiges Modell ein, um die Schwere von Verstößen differenzierter einordnen zu können. Parallel dazu schafft die Behörde zwei neue Wege für Unternehmen, um Straferleichterungen zu erhalten.
Das neue Vergleichsverfahren (Settlement Scheme) bietet eine Strafminderung von 20 Prozent, wenn ein Unternehmen den Verstoß einräumt und einen Vergleich akzeptiert. Zusätzlich gibt es das „Early Account Scheme“ (EAS). Hier können Firmen, die einen internen Verstoß aufdecken, dem OFSI proaktiv einen umfassenden Bericht vorlegen. Im Gegenzug für diese frühe Kooperation und Offenlegung winkt eine weitere Reduzierung der Geldstrafe. Diese Instrumente sollen die Aufklärung beschleunigen und Ermittlungen verkürzen.
Feste Strafen und drohende Strafverdopplung
Eine weitere Neuerung betrifft standardisierte Bußgelder. Für bestimmte Vergehen – wie Verstöße gegen Meldepflichten oder Lizenzauflagen – führt das OFSI nun feste Geldstrafen in Höhe von 5.000 oder 10.000 Britischen Pfund ein. Dies soll die Ahndung weniger schwerwiegender Verstöße vereinfachen.
Weitaus gravierender ist jedoch ein geplantes Gesetzesvorhaben der Regierung: Die maximale Strafe für Sanktionsverstöße soll verdoppelt werden. Statt bislang 1 Million Pfund oder 50 Prozent des Verstoßwerts (je nachdem, was höher ist) könnten künftig bis zu 2 Millionen Pfund oder 100 Prozent des Werts fällig werden. Diese drastische Erhöhung, die eine Gesetzesänderung erfordert, sendet bereits jetzt ein klares Abschreckungssignal.
Hintergrund: Geopolitische Spannungen treiben Reform
Die Verschärfung erfolgt in einer Phase intensivierter Sanktionsdurchsetzung. Bereits im April 2025 führte das OFSI 240 aktive Untersuchungen. Die neuen Verfahren sollen helfen, diese wachsende Fallzahl effizienter zu bearbeiten. Experten sehen die Reform als logische Konsequenz der gestiegenen geopolitischen Bedeutung von Sanktionen, insbesondere seit dem Krieg in der Ukraine.
Für Unternehmen bedeutet dies: Die Anforderungen an robuste Compliance-Systeme steigen massiv. Die Möglichkeit auf Strafmilderung durch Kooperation betont jedoch auch den Wert einer transparenten Fehlerkultur und schneller interner Aufklärung. Passend dazu startete das OFSI erst diese Woche eine Konsultation zu einem „Ownership and Control Test“, um die Anwendung von Sanktionen in komplexen Konzernstrukturen zu klären.
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Die Botschaft aus London ist eindeutig. Die Zeiten nachsichtiger Behandlung sind vorbei. Unternehmen mit Geschäftsbeziehungen nach Großbritannien sollten ihre Risikobewertungen und Screening-Prozesse dringend überprüfen, um teure Strafen und Reputationsschäden zu vermeiden.
@ boerse-global.de
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