Britische Regierung startet Offensive gegen Cyberkriminalität
17.02.2026 - 22:01:12Die britische Regierung drängt Unternehmen mit einer nationalen Kampagne zum digitalen Schutz. Hintergrund sind alarmierende Zahlen: Mehr als jeder dritte Verbraucher war im vergangenen Jahr von einem Datendiebstahl betroffen.
Die Initiative des Ministeriums für Wissenschaft, Innovation und Technologie (DSIT) und des National Cyber Security Centre (NCSC) zielt vor allem auf kleine und mittlere Unternehmen (KMU). Sie sollen das staatlich unterstützte Cyber-Essentials-Programm nutzen. Dieses bietet einen klaren Rahmen, um sich vor den häufigsten Online-Bedrohungen zu schützen. Der Vorstoß kommt zu einem kritischen Zeitpunkt: Cyberangriffe kosten die britische Wirtschaft schätzungsweise 17,3 Milliarden Euro pro Jahr. Jedes zweite Kleinunternehmen erlitt in den letzten zwölf Monaten einen Vorfall.
Kampagne „Lock the Door“: KMU im Fokus
Die Kernbotschaft der Kampagne ist eindeutig: Kein Unternehmen ist zu klein für Cyberkriminelle. Die Aktion, die über soziale Medien, Radio und Unternehmensnetzwerke läuft, soll Cybersicherheit für KMU ohne eigene IT-Abteilungen verständlich machen. „Angreifer sind nicht wählerisch, was die Größe betrifft. Sie suchen Schwachstellen, wo immer sie sie finden können“, betonte NCSC-Chef Richard Horne.
Das Cyber-Essentials-Programm umfasst fünf technische Kontrollen: Firewalls, sichere Konfiguration, Zugangskontrolle, Malware-Schutz und Software-Updates. „Cyberrisiken sind fundamentale Geschäftsrisiken, vergleichbar mit Diebstahl oder Feuer“, erklärte Cyberministerin Baroness Lloyd. Die Regierung warnt: Ein einziger größerer Vorfall kann ein kleines Unternehmen durchschnittlich 230.000 Euro kosten. Die Initiative markiert einen strategischen Wechsel – von reiner Aufklärung hin zu konkretem Handeln.
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Jeder Dritte betroffen: Der hohe Preis für Verbraucher
Eine heute veröffentlichte Studie des Retail Technology Show (RTS) unterstreicht die Dringlichkeit. 36 Prozent der über 1.000 befragten Käufer wurden im letzten Jahr von einem Händler kontaktiert, weil ihre Daten kompromittiert wurden. In der Gen-Z-Altersgruppe sind es sogar 53 Prozent.
Die Erkenntnis wächst: 76 Prozent sehen Cyberkriminalität als zunehmendes Risiko für den Einzelhandel. Diese persönlichen Erfahrungen untergraben das Verbrauchervertrauen. Allerdings würden 67 Prozent der Kunden Marken die Treue halten, die Sicherheitsvorfälle schnell und effektiv lösen. Die Zahlen passen zu einem Anstieg der Cyberangriffe in Großbritannien um 129 Prozent im letzten Jahr. Das NCSC bearbeitete 2025 durchschnittlich vier größere Vorfälle pro Woche. Die Folgen von Angriffen auf Unternehmen treffen damit direkt und massiv die Bevölkerung.
Neue Gesetze: Cyber Security and Resilience Bill
Parallel zur Kampagne treibt die Regierung ein neues Gesetz voran. Der Cyber Security and Resilience (Network and Information Systems) Bill ist die größte Überarbeitung der Cybersicherheitsvorschriften seit 2018.
Das Gesetz soll der Regierung agilere Befugnisse geben, um auf neue Bedrohungen der national Sicherheit zu reagieren. Es erweitert die Definition eines meldepflichtigen Vorfalls: Künftig sollen auch Sicherheitskompromisse und Ransomware-Angriffe gemeldet werden, nicht nur solche, die „erhebliche Störungen“ verursachen. Diese legislative Stärkung, kombiniert mit der öffentlichen Kampagne, verfolgt eine Doppelstrategie. Sie soll die Sicherheit kritischer Infrastrukturen und digitaler Dienste erhöhen – von der Gesundheitsversorgung bis zu Energie und Wasser.
Analyse: Eine Nation in erhöhter Alarmbereitschaft
Die gebündelten Maßnahmen zeigen eine klare Antwort auf eine eskalierende Bedrohungslage. Neue Regierungsdaten bestätigen, dass 82 Prozent der mittleren und großen Unternehmen im letzten Jahr einen Cybervorfall erlebten. Das Problem ist systemisch und betrifft alle Größenordnungen.
Der Fokus auf Cyber Essentials ist ein pragmatischer Ansatz, um das grundlegende Sicherheitsniveau in der gesamten Wirtschaft anzuheben. Durch einen einfachen und erreichbaren Standard will die Regierung die Tür für opportunistische, weniger ausgefeilte Angriffe zuschließen. Diese machen einen Großteil der Bedrohungen aus. Kampagne und Gesetzentwurf bilden zusammen eine umfassende Strategie. Ziel ist es, das Vereinigte Königreich für eine breite Palette böswilliger Akteure zu einem schwierigeren und weniger lukrativen Ziel zu machen.
Ausblick: Vom Wissen zum Handeln
Das unmittelbare Ziel ist ein starker Anstieg der Zertifizierungen nach Cyber Essentials bei KMU. Die Regierung lockt mit Anreizen: Die Zertifizierung kann bei der Vergabe von Staatsaufträgen helfen und berechtigten Firmen Zugang zu kostenloser Cyberversicherung verschaffen.
Der weitere Weg des Gesetzes durch das Parlament wird entscheidend sein. Sein Inkrafttreten wird Aufsichtsbehörden angemessene Befugnisse geben und einen flexibleren Rechtsrahmen für künftige Bedrohungen schaffen. Die kombinierten Anstrengungen unterstreichen eine zentrale Botschaft der britischen Cybersicherheitsexperten: Proaktive Cyber-Resilienz ist im heutigen digitalen Umfeld keine Option mehr. Sie ist eine Grundvoraussetzung für das Überleben von Unternehmen und die nationale Sicherheit.
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