News Corp (Class A): Zwischen Medienmacht und Bewertungsabschlag – was die Aktie jetzt spannend macht
30.12.2025 - 10:25:13Während viele klassische Medienkonzerne noch immer mit rückläufigen Printauflagen und einem schwankungsanfälligen Werbemarkt kämpfen, präsentiert sich News Corp (Class A) an der Börse als vergleichsweise stabiler Wert mit speziellem Bewertungsprofil. Die Aktie, die an der Nasdaq unter dem Tickersymbol NWSA notiert, pendelte zuletzt in einer engen Handelsspanne, nachdem sie im Jahresverlauf spürbar zugelegt hatte. Das Sentiment am Markt ist verhalten optimistisch: Weder Euphorie noch Panik dominieren – vielmehr preist der Markt ein Geschäftsmodell ein, das Robustheit im Nachrichten- und Informationsgeschäft mit ausgewählten Wachstumsfeldern in Digital, Daten und Immobiliendiensten kombiniert.
Offizielle Unternehmensinformationen zu News Corp (Class A) und ihrem Geschäftsmodell
Ein-Jahres-Rückblick: Das Investment-Szenario
Wer vor rund einem Jahr in News Corp (Class A) eingestiegen ist, kann sich heute über ein solides Plus freuen. Der Kurs der A-Aktie bewegte sich damals im Bereich um die Marke von etwa 22 bis 23 US-Dollar. Aktuell notiert das Papier deutlich höher – grob im mittleren 20er-Bereich – und hat damit im Zwölfmonatsvergleich eine zweistellige Rendite im niedrigen bis mittleren Prozentbereich erbracht. Je nach exakt gewähltem Einstiegszeitpunkt ergibt sich ein Kursgewinn in einer Größenordnung von rund 15 bis 25 Prozent.
Damit hat sich die News-Corp-Aktie besser geschlagen als viele klassische Medienwerte, die in den vergangenen Monaten unter Konjunktursorgen und Werbebudgets litten. Treiber dieser Outperformance waren insbesondere die robuste Entwicklung der Nachrichten- und Informationssparte (u. a. "Wall Street Journal", "The Times"), Kostendisziplin sowie die stabile Cash-Generierung aus wiederkehrenden Abo-Geschäftsmodellen. Auch der Bewertungsabschlag gegenüber anderen globalen Medien- und Datenkonzernen spielt eine Rolle: Investoren sehen in News Corp zunehmend einen defensiven Medienwert mit optionalem Wachstumscharakter, statt eines reinen Zyklikers.
Aktuelle Impulse und Nachrichten
Zuletzt stand News Corp gleich mehrfach im Fokus der internationalen Börsenberichterstattung. Anfang der Woche sorgten erneute Spekulationen über eine stärkere Fokussierung auf margenstärkere Segmente für Aufmerksamkeit. Investoren diskutieren, inwieweit das Management um Executive Chairman Rupert Murdoch und CEO Robert Thomson bereit ist, das Portfolio weiter zu straffen und nicht zum Kerngeschäft passende Aktivitäten zu prüfen. Bereits in der Vergangenheit hatte News Corp bewiesen, dass man sich von Randbereichen trennen oder Beteiligungen neu strukturieren kann, um den Konzernwert für Aktionäre sichtbarer zu machen.
Vor wenigen Tagen griffen mehrere US-Medien zudem die Entwicklung der Digital- und Datenaktivitäten des Konzerns auf, darunter die Sparte Dow Jones, zu der auch das "Wall Street Journal" und professionelle Informationsdienste gehören. Besonders positiv wurde hervorgehoben, dass Abo-Erlöse und digitale Einnahmen inzwischen einen immer größeren Anteil am Gesamtumsatz stellen und die Anfälligkeit für konjunkturabhängige Anzeigenmärkte reduzieren. Hinzu kommt: Die Immobilienplattformen des Konzerns – etwa in Australien und den USA – gelten als attraktive Assets, die im Bewertungsmodell vieler Analysten konservativ angesetzt sind und damit zusätzlichen Puffer nach unten bieten.
Da in den letzten Tagen keine kursverändernden Ad-hoc-Mitteilungen oder größeren M&A-Transaktionen verkündet wurden, dominieren derzeit eher technische Faktoren das kurzfristige Kursbild. Marktteilnehmer sprechen von einer Konsolidierungsphase nach dem vorangegangenen Kursanstieg: Das Papier bewegt sich seit einigen Sitzungen seitwärts, wobei Rücksetzer rasch auf Kaufinteresse stoßen. Charttechniker verweisen darauf, dass die Aktie zuletzt mehrfach Unterstützung in der Nähe der 50-Tage-Linie fand, während nach oben die Zone nahe dem jüngsten Zwischenhoch als kurzfristiger Widerstand fungiert.
Das Urteil der Analysten & Kursziele
Auf der Analystenseite ist der Tenor überwiegend positiv. In den vergangenen Wochen bestätigten mehrere große Häuser ihre Kaufempfehlungen für News Corp (Class A) oder hoben sie leicht an. Bei den Kurszielen ergibt sich ein relativ homogenes Bild: Viele Analysten sehen das faire Wertpotenzial oberhalb des aktuellen Kursniveaus, was einem weiteren Aufwärtsspielraum im mittleren einstelligen bis niedrigen zweistelligen Prozentbereich entspricht.
US-Adressen wie Morgan Stanley und JPMorgan stufen die Aktie mehrheitlich mit "Overweight" bzw. "Kaufen" ein. Sie argumentieren, dass der Markt die Qualität des Abo- und Daten-Geschäfts noch nicht vollständig honoriert und dass die Summe-der-Teile-Bewertung (insbesondere inklusive der Immobilienportale) oberhalb der aktuellen Marktkapitalisierung liegt. Auch Bank of America und andere Research-Häuser sehen News Corp in einer attraktiven Position, um im globalen Wettbewerb um zahlungskräftige Informations- und Medienkunden zu bestehen. Vereinzelt gibt es zwar auch Halteempfehlungen, diese begründen sich aber eher mit dem bereits erreichten Kursanstieg denn mit fundamentalen Bedenken.
Im Konsens ergibt sich damit ein leicht über dem aktuellen Kurs angesiedeltes durchschnittliches Kursziel. Das Sentiment der Wall Street lässt sich am besten als konstruktiv beschreiben: Analysten empfehlen, Rücksetzer eher als Einstiegschance denn als Ausstiegsgrund zu betrachten, mahnen aber an, die Entwicklung des Werbemarktes und der globalen Konjunktur aufmerksam zu beobachten.
Ausblick und Strategie
Für die kommenden Monate stehen bei News Corp mehrere strategische Fragestellungen im Vordergrund. Erstens: die weitere Digitalisierung des Nachrichten- und Informationsgeschäfts. Während Printprodukte weiterhin wichtige Markenanker liefern, liegt das Wachstum klar im Digitalbereich – sei es über Online-Abonnements, spezialisierte Finanz- und Wirtschaftsdaten oder digitale Zusatzangebote. Entscheidend wird sein, wie konsequent das Management Preissetzungsmacht und Produktdifferenzierung nutzt, um steigende Kosten – etwa für Technologie, Inhalte und Regulatorik – auszugleichen.
Zweitens rückt die Rolle der Immobilienportale und Beteiligungen in den Fokus. Diese Geschäftsbereiche sind regional teilweise stark zyklisch, weisen aber strukturelle Wachstumstreiber auf: die fortschreitende Digitalisierung des Immobilienmarktes, Datenmonetarisierung und zusätzliche Serviceangebote rund um Finanzierung und Umzug. Sollten sich die Immobilienmärkte in wichtigen Kernregionen stabilisieren oder erholen, könnte dies den Bewertungshebel dieser Sparte freilegen. Denkbar wäre mittelfristig auch eine sichtbarere Separierung dieser Werte, beispielsweise durch weitere Strukturmaßnahmen oder Beteiligungsdeals.
Drittens beschäftigen sich Investoren mit der Frage, ob und wie News Corp seine Kapitalallokation anpasst. Das Unternehmen hat in der Vergangenheit sowohl in Wachstumsinitiativen investiert als auch an die Aktionäre zurückgegeben – etwa über Dividenden. Angesichts der vergleichsweise soliden Bilanz und der stetigen Cashflows könnte in Zukunft eine etwas großzügigere Ausschüttungspolitik oder eine Ausweitung von Aktienrückkaufprogrammen zum Thema werden, sofern keine größeren Übernahmen anstehen.
Risiken bleiben allerdings: Die Abhängigkeit vom regulatorischen Umfeld – insbesondere im Nachrichten- und Datenbereich – nimmt zu. Themen wie Datenschutz, Plattformregulierung oder Zahlungen großer Technologiekonzerne für die Nutzung journalistischer Inhalte können das Ertragsprofil positiv wie negativ beeinflussen. Zudem bleibt der Werbemarkt trotz zunehmender Diversifikation ein wichtiger Faktor. Eine schwächere Weltkonjunktur würde sich über Werbebudgets, Immobilienmärkte und Konsumlaune indirekt auf News Corp auswirken.
Für Anleger aus dem deutschsprachigen Raum ist News Corp (Class A) damit vor allem ein Kandidat für das Qualitäts- und Diversifikationssegment im Depot. Die Aktie bietet Zugang zu etablierten Nachrichtenmarken, professionellen Informationsdiensten und digitalen Plattformen mit Skalierungspotenzial. Wer investiert, sollte jedoch einen mittelfristigen Anlagehorizont mitbringen und kurzfristige Schwankungen – etwa infolge konjunktureller Nachrichten oder branchenspezifischer Regulierungsdebatten – einkalkulieren.
Unterm Strich spricht viel dafür, dass News Corp seinen Kurs der vergangenen Jahre fortsetzt: Fokus auf profitables Kerngeschäft, schrittweise Hebung versteckter Werte im Portfolio und eine Kapitalallokation, die den Interessen der Aktionäre verpflichtet ist. Ob die Aktie ihr Bewertungsdelta zu anderen globalen Medien- und Datenkonzernen weiter abbauen kann, hängt maßgeblich davon ab, ob es dem Management gelingt, Wachstum und Margen gleichzeitig zu steigern – und damit die Börse davon zu überzeugen, dass News Corp mehr ist als ein traditioneller Medienkonzern alter Prägung.


