Multivitamine bremsen das biologische Altern
12.03.2026 - 00:00:19 | boerse-global.deMultivitamine können das biologische Altern um Monate verlangsamen. Das zeigt eine aktuelle Studie im Fachjournal "Nature Medicine". Gleichzeitig belegt deutsche Forschung, dass Vitamin C den Harnsäurespiegel senkt. Doch aktuelle Daten des Robert Koch-Instituts warnen vor einem weit verbreiteten Vitamin-D-Mangel.
Studie: Vitamine drosseln das Alterungstempo
Forscher der Harvard Medical School wiesen in der COSMOS-Studie nach, dass tägliche Multivitamin-Einnahme das biologische Altern bremst. Über zwei Jahre nahmen 958 gesunde Erwachsene im Durchschnittsalter von 70 Jahren die Präparate ein.
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Die Wissenschaftler nutzten fünf epigenetische Uhren, um chemische Veränderungen in der DNA zu analysieren. Das Ergebnis: Die Vitamingruppe alterte biologisch etwa vier Monate langsamer als die Placebogruppe. Besonders deutlich war der Effekt bei Personen, deren biologisches Alter zu Studienbeginn bereits höher lag.
"Die Verlangsamung betrifft Marker, die stark mit dem Sterblichkeitsrisiko korrelieren", erklärt Studienleiter Howard Sesso. Ein parallel getesteter Kakao-Extrakt zeigte hingegen keine vergleichbaren Anti-Aging-Effekte.
Vitamin C senkt Risiko für Gichtanfälle
Deutsche Forschung liefert weitere Argumente für Vitamine. Eine Studie der Universität Kiel und der Hochschule Geisenheim zeigt: Vitamin-C-reiche Getränke wie Orangensaft senken erhöhte Harnsäurewerte bereits nach einer Woche.
An der Untersuchung nahmen 40 Erwachsene mit bereits erhöhten Werten teil. Erhöhte Harnsäure gilt als Hauptrisikofaktor für Gicht, von der in Deutschland ein bis zwei Prozent der Erwachsenen betroffen sind.
Experten werten dies als wichtigen Beleg: Natürliche Vitamin-C-Quellen können aktiv zur Prävention schmerzhafter Gichtanfälle beitragen. Sie beeinflussen den Purin-Abbau im Körper positiv.
RKI warnt vor Vitamin-D-Mangel im Frühjahr
Während die Wissenschaft positive Effekte belegt, offenbaren RKI-Daten ein Problem: Rund 60 Prozent der Deutschen haben derzeit eine unzureichende Vitamin-D-Versorgung. Der März gilt als kritische Phase.
Nach den sonnenarmen Wintermonaten sind die körpereigenen Speicher erschöpft. Die aktuelle Sonneneinstrahlung reicht noch nicht für eine effektive Eigensynthese über die Haut aus. Besonders betroffen sind ältere Menschen über 65 Jahre und Frauen.
"Der Mangel erhöht nicht nur die Infektanfälligkeit", warnen Mediziner. Langfristig kann er gravierende Auswirkungen auf die Knochenstabilität haben. Da Vitamin D in natürlichen Lebensmitteln kaum vorkommt, ist der Bedarf durch Ernährung allein kaum zu decken.
So decken Sie Ihren Vitaminbedarf
Für eine optimale Vitamin-C-Versorgung eignen sich neben Zitrusfrüchten vor allem rote Paprika, Brokkoli und Kiwis. Wichtig: Die Lebensmittel frisch und schonend zubereiten, da Vitamin C hitze- und lichtempfindlich ist.
Das breite Spektrum an Mikronährstoffen decken Sie mit abwechslungsreicher Mischkost ab. Dunkles Blattgemüse, Nüsse und Vollkornprodukte liefern wichtige B-Vitamine. Karotten und Süßkartoffeln sichern die Zufuhr von Beta-Carotin.
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Beim kritischen Vitamin D empfiehlt sich nach ärztlicher Rücksprache möglicherweise eine gezielte Supplementierung. Grundsätzlich gilt: Eine bunte, pflanzenbasierte Ernährung bildet das beste Fundament.
Paradigmenwechsel in der Ernährungsmedizin
Die aktuellen Studien markieren einen wichtigen Wandel. Vitamine werden nicht mehr nur zur Mangelvermeidung betrachtet. Sie spielen eine aktive Rolle bei der Prävention altersbedingter Abbauprozesse.
Der Fokus verschiebt sich von der reinen Lebensverlängerung hin zur Verbesserung der Gesundheitsspanne – also der Jahre frei von chronischen Krankheiten. Branchenanalysten beobachten ein stark wachsendes Interesse an evidenzbasierter, personalisierter Ernährung.
Die Tatsache, dass renommierte Institutionen wie Harvard groß angelegte Studien zu Mikronährstoffen durchführen, verleiht dem Thema eine neue wissenschaftliche Ernsthaftigkeit. Es geht weit über kurzlebige Lifestyle-Trends hinaus.
Was kommt als Nächstes?
Das COSMOS-Team plant bereits Folgeuntersuchungen. Sie wollen prüfen, ob die Verlangsamung der epigenetischen Uhren auch nach Beendigung der Vitamin-Einnahme anhält. Zudem soll erforscht werden, wie sich die Effekte auf konkrete Diagnosen wie Krebs oder kognitive Einschränkungen auswirken.
Für Verbraucher bedeutet das: Empfehlungen für vitaminreiche Ernährung werden künftig spezifischer ausfallen. Die Kombination aus präziser Diagnostik und maßgeschneiderten Ernährungsplänen gewinnt an Bedeutung.
Bis diese Technologien flächendeckend verfügbar sind, bleibt eine vielseitige, frische und vitaminreiche Kost die verlässlichste Strategie für ein gesundes Altern.
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