Mercedes, CLA

Mercedes CLA: Erstes Auto mit „denkender“ KI startet in den USA

06.01.2026 - 16:31:12

Der neue Mercedes-Benz CLA debütiert als erstes Serienauto mit Nvidias 'Physical AI'. Die Technologie ermöglicht logisches Schlussfolgern für komplexe Verkehrssituationen und markiert einen Paradigmenwechsel.

Der neue Mercedes-Benz CLA wird zum ersten Serienfahrzeug mit einer KI, die wie ein Mensch denkt und schlussfolgert. Auf der CES 2026 präsentierten Nvidia, Mercedes und Bosch die nächste Stufe des autonomen Fahrens.

Vom Erkennen zum Verstehen: Nvidia startet Ära der „Physical AI“

Die Ära des rein regelbasierten autonomen Fahrens ist vorbei. Nvidia-Chef Jensen Huang kündigte auf der Technikmesse in Las Vegas eine neue Generation von Künstlicher Intelligenz an: „Physical AI“. Kern ist die Open-Source-Modellfamilie „Alpamayo“. Diese Vision-Language-Action-Modelle (VLA) ermöglichen autonomen Fahrzeugen erstmals, eine Art logische Gedankenkette zu bilden.

Statt auf starre Programmierung setzt Alpamayo auf „Chain-of-Thought“-Reasoning. Das System verarbeitet Kamerabilder, erfasst den Kontext einer Szene und leitet daraus eine Fahrstrategie ab. Das soll es ermöglichen, seltene und komplexe Verkehrssituationen – die berüchtigten „Edge Cases“ – zu meistern, an denen bisherige Systeme scheiterten.

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Als Hardware-Grundlage läuft die nächste Rechnerplattform „Vera Rubin“ nun vom Band. Nvidia zufolge bietet sie die fünffache Leistung des Vorgängers „Blackwell“. In einer strategischen Schlüsselentscheidung stellt Nvidia die Modell-Gewichte von Alpamayo auf der Plattform Hugging Face frei zur Verfügung. Analysten sehen darin den Versuch, einen Industriestandard nach dem Vorbild von Android im Smartphone-Markt zu etablieren.

Premiere im Mercedes CLA: Der „denkende“ Elektro-Sedan

Mercedes-Benz bestätigte die weltweite Premiere der Technologie: Der vollelektrische CLA der Baureihe 2026 wird als erstes Auto mit dem kompletten Nvidia-Stack inklusive der schlussfolgernden KI ausgestattet. Die Markteinführung in den USA ist für das erste Quartal 2026 geplant.

Das digitale Herzstück bildet das hauseigene Betriebssystem MB.OS. In der Demonstration navigierte ein CLA autonom durch den komplexen Stadtverkehr von San Francisco – von Kreuzungen bis zu unvorhersehbaren Verkehrssituationen. Offiziell stuft Mercedes das System jedoch nur als „Level 2++“ ein, um den aktuellen regulatorischen Rahmen nicht zu sprengen.

Die Sicherheit stehe an erster Stelle, betonten Konzernvertreter. Die Kombination aus reasoning-KI und traditionellen Redundanzsystemen mache den neuen CLA zum potenziell sichersten Serienfahrzeug. Das System soll Gefahren „verstehen“ können: Rollt ein Ball auf die Straße, schließt es logisch auf ein mögliches nachlaufendes Kind und passt das Fahrverhalten präventiv an.

Bosch revolutioniert das Cockpit mit konversationaler KI

Während Nvidia und Mercedes die Fortbewegung neu denken, transformiert Bosch das Fahrerlebnis im Innenraum. Der Zulieferer stellte seine „AI Extension Platform“ vor. Diese Hardware- und Software-Lösung soll bestehenden Fahrzeugarchitekturen nachträglich moderne KI-Fähigkeiten verleihen.

Der Clou: Sprachassistenten werden von Befehlsempfängern zu natürlichen Gesprächspartnern. Basierend auf Nvidias „Nemotron“-Modellen und Microsofts Cloud kann das System unpräzise Aussagen interpretieren. Sagt der Fahrer „Mir ist kalt“, regelt es automatisch Klima und Sitzheizung hoch – ohne explizite Einzelbefehle.

Für etablierte Automobilhersteller ist dieser modulare Ansatz ein Game-Changer. Er ermöglicht es, die digitale Nutzererfahrung ganzer Flotten aufzurüsten, ohne die gesamte Elektronikarchitektur neu entwickeln zu müssen. Ein entscheidender Vorteil im Wettlauf mit software-zentrierten Newcomern.

Paradigmenwechsel: Der lange Weg zum wahren autonomen Fahren

Die Ankündigungen markieren einen fundamentalen Wandel. Bisher konzentrierte sich die Industrie auf die Wahrnehmung (Perception) – also das Erkennen von Objekten. Mit Modellen wie Alpamayo beginnt nun die Phase des logischen Schlussfolgerns (Reasoning). Fahrzeuge sollen Absichten und Kausalzusammenhänge in ihrer Umgebung verstehen.

Experten halten diesen Schritt für unerlässlich, um von heutigen Assistenzsystemen zur echten Stufe-4-Autonomie zu gelangen. Regelbasierte Systeme scheitern an der unendlichen Komplexität der realen Welt. Generative KI-Modelle lernen dagegen allgemeine Fahrprinzipien aus riesigen Datensätzen und können diese auf unbekannte Situationen übertragen.

Die enge Partnerschaft zwischen Mercedes-Benz und Nvidia unterstreicht zudem eine neue Arbeitsteilung in der Branche: Der Automobilhersteller liefert die Hardware-Plattform, das Tech-Unternehmen das „Nervensystem“ und das „Gehirn“.

Ausblick: Straßentest und Robotaxis ab 2027

Die Bewährungsprobe steht unmittelbar bevor. Sobald der neue CLA auf amerikanischen Straßen unterwegs ist, wird sich zeigen, wie robust die reasoning-KI in sicherheitskritischen Alltagssituationen ist.

Nvidia blickt bereits weiter voraus: Die Technologie soll ab 2027 vollautonome Robotaxi-Flotten antreiben. Die Idee: Je mehr Daten die KI-Modelle aus der Serienflotte sammeln, desto besser werden ihre Fähigkeiten – bis der Mensch in bestimmten Einsatzgebieten komplett aus der Steuerungsschleife genommen werden kann.

Mit der Auslieferung der Vera-Rubin-Chips und der Open-Source-Strategie für Alpamayo wird 2026 zum Jahr, in dem generative KI von Chatbots auf Bildschirmen in physische Maschinen auf der Straße wandert. Die Revolution hat gerade erst begonnen.

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